Matthew Fox gehört mit sei­ner “Schöp­fungs­spi­ri­tua­li­tät” zu den her­aus­ra­gen­den Theo­lo­gen unse­rer Zeit. Sei­ne 38 Bücher wur­den in 68 Spra­chen über­setzt und erreich­ten eine Auf­la­ge von zwei Mil­lio­nen. Mit sei­nen Dai­ly Medi­ta­ti­ons ist der inzwi­schen 85-Jäh­ri­ge immer noch ganz nah am Zeit­ge­sche­hen und kämpft an vor­ders­ter Front gegen eine Trump-Regie­rung, die von Woche zu Woche ihr immer häss­li­che­res Gesicht zeigt. Fox scheut sich nicht, in sei­nen “Medi­ta­ti­ons” direkt Zeit­zeu­gen zu Wort kom­men zu las­sen, zum Bei­spiel aus Min­nea­po­lis, wo die Trupps der ICE-Ein­wan­de­rungs­be­hör­de gera­de Jagd auf Migran­tin­nen und Migran­ten machen (Her­vor­he­bun­gen vom birsfälder.li-Schreiberling):
… Die Men­schen müs­sen wis­sen, was wirk­lich pas­siert – und zwar in der Rea­li­tät, nicht in den „aus­ge­wo­ge­nen” 30-Sekun­den-Bei­trä­gen der Main­stream-Medi­en. (…)

Ich sage die­se Din­ge, weil wir Men­schen außer­halb der Twin Cities ver­ste­hen las­sen müs­sen, dass es sich hier­bei NICHT um ver­ein­zel­te Vor­fäl­le han­delt. Wir ste­hen buch­stäb­lich unter der größ­ten Beset­zung einer ame­ri­ka­ni­schen Stadt durch den Bund seit Gene­ra­tio­nen. Mit über 2000 (man­che sagen 2400) ICE-Beam­ten hier und wei­te­ren 1000 auf dem Weg ist dies eine geziel­te poli­ti­sche Maß­nah­me gegen mei­nen Bun­des­staat. Der Rest des Lan­des soll­te zuschau­en. Dies ist das Test­feld. (…)

Die Men­schen und Stadt­tei­le in mei­ner Stadt sind kei­ne Abs­trak­tio­nen. Sie sind mehr als nur Bil­der, die in den Abend­nach­rich­ten oder sozia­len Medi­en auf­blit­zen. Wir LEBEN hier. Wir KENNEN die­se Men­schen, die schi­ka­niert und ver­schleppt wer­den. Wir KENNEN und/oder SIND die­je­ni­gen, die die­se Gewalt mit­er­le­ben. Einer mei­ner Kol­le­gen war Zeu­ge des Mor­des an Renee Good. Ich ken­ne vie­le Men­schen, die in die­sem Vier­tel leben, in dem die ICE abso­lut uner­bitt­lich ist und ges­tern (und jeden Tag) allein in die­ser Stra­ße meh­re­re Men­schen gewalt­sam ver­schleppt hat. (…)

Die Mel­dun­gen über Raz­zi­en und Ent­füh­run­gen kom­men unun­ter­bro­chen – zu jeder Tages- und Nacht­zeit. Manch­mal gehen sie von Tür zu Tür – in letz­ter Zeit tre­ten sie mit schwe­rem Waf­fen­ar­se­nal die Türen ein, drin­gen ohne Durch­su­chungs­be­fehl ille­gal ein und ohne mit der Wim­per zu zucken. Sie lösen Feu­er­alar­me in Wohn­häu­sern aus, um Men­schen auf ihrem Weg aus den Gebäu­den zu schnap­pen. Sie hal­ten an, wenn sie eine Per­son mit dunk­ler Haut­far­be an einer Tank­stel­le (wie ges­tern Nach­mit­tag, nur weni­ge Blocks von hier ent­fernt) oder an einer Bus­hal­te­stel­le (wie heu­te Mor­gen) oder auf der Stra­ße (jeden Tag) sehen, um sie zu schi­ka­nie­ren und sehr oft gewalt­sam zu ent­füh­ren.

Die­se Beam­ten sind nicht auf der Suche nach einer bestimm­ten Per­son. Glau­ben Sie nicht die LÜGEN, dass sie Kri­mi­nel­le fest­neh­men. Sie schnap­pen ein­fach jeden, den sie für nicht-weiß hal­ten. India­ner wur­den ver­schleppt, und vie­le wer­den noch immer ver­misst. Sie ent­füh­ren auch wei­ße Rechts­be­ob­ach­ter, dar­un­ter auch sol­che, die kei­ner­lei Kon­fron­ta­ti­on suchen. Ges­tern haben sie eine autis­ti­sche Frau gewalt­sam ver­schleppt, die nur zu einem Arzt­ter­min auf einer Stra­ße woll­te, die sie besetzt hat­ten. Sie besprü­hen Rechts­be­ob­ach­ter (oder jeden ande­ren Beob­ach­ter) und Demons­tran­ten mit Trä­nen­gas (das laut Gen­fer Kon­ven­ti­on für Zivi­lis­ten ver­bo­ten ist), Pfef­fer­spray und Pfef­fer­ku­geln. Sie schie­ßen aus nächs­ter Nähe mit „nicht-töd­li­cher” Muni­ti­on, die Men­schen ins Kran­ken­haus bringt und in eini­gen Fäl­len zu dau­er­haf­ter Erblin­dung führt. (Ja, sie zie­len absicht­lich auf Gesich­ter.)

Ich bin es so leid, mir Vor­trä­ge dar­über anzu­hö­ren, was die ICE legal tun darf und was nicht. Ja, das wis­sen wir alle. Das Pro­blem ist, dass es den ICE-Beam­ten egal ist und sie tun, was sie wol­len. Das DHS (Depart­ment of Home­land Secu­ri­ty) hat ihnen gesagt, dass sie bedin­gungs­lo­se Immu­ni­tät genie­ßen.

Ihre Raz­zi­en fin­den über­all statt – auch an Orten, an denen wir regel­mä­ßig hin­ge­hen: Restau­rants, Tank­stel­len, Lebens­mit­tel­ge­schäf­te, Parks, Kran­ken­häu­ser, jede Art von Geschäft oder öffent­li­cher Raum, den man sich vor­stel­len kann. In vie­len Tei­len der Stadt kann man buch­stäb­lich nicht mehr hin­aus­ge­hen, ohne Sire­nen und Pfei­fen zu hören. Und dann noch die stän­di­gen Hub­schrau­ber … (Jeder, der hier lebt, weiß, was ich mei­ne.)

Wie alle Eltern hier mache ich mir Sor­gen um die Schu­le mei­ner Toch­ter, denn ja, sie haben es auf Schu­len abge­se­hen. Letz­te Woche haben sie Schü­ler und Mit­ar­bei­ter einer High­school in Min­nea­po­lis ange­grif­fen. Ges­tern waren es eine Mit­tel­schu­le und eine Grund­schu­le. Heu­te umkreis­ten sie fast alle Grund- und Mit­tel­schu­len im Süden von Min­nea­po­lis. Die ICE ist in Kin­der­ta­ges­stät­ten und Vor­schu­len prä­sent. Eltern mel­den sich frei­wil­lig, um das Abho­len und Brin­gen der Kin­der von der Schu­le zu über­wa­chen, und ges­tern war die Poli­zei an der Schu­le mei­ner Toch­ter prä­sent.

Vie­le Kin­der kön­nen der­zeit nicht ein­mal zur Schu­le gehen, weil sie so gro­ße Angst haben, dass sie oder ihre Eltern abge­holt wer­den. Die Schu­len bemü­hen sich, Online-Unter­richt und hybri­de Lösun­gen zu schaf­fen, um den­je­ni­gen ent­ge­gen­zu­kom­men, die sich nicht sicher genug füh­len, um zur Schu­le zu kom­men. Kin­der wur­den buch­stäb­lich auf dem Heim­weg von der Schu­le von der ICE ent­führt. Ich weiß von min­des­tens einer Mut­ter, die heu­te an einer Bus­hal­te­stel­le ent­führt wur­de, wäh­rend sie mit ihrem Grund­schul­kind dort stand. Sie sind ille­gal auf den Cam­pus der Hoch­schu­le ein­ge­drun­gen, an der ich gear­bei­tet habe, und haben dort einen Stu­den­ten ent­führt. Auch dies ist nur das, was ich aus mei­nem per­sön­li­chen Umfeld weiß.

Oh, und die ICE blo­ckiert auch das Lebens­mit­tel­ver­tei­lungs­zen­trum für die öffent­li­chen Schu­len von Min­nea­po­lis, sodass die Last­wa­gen nicht aus­fah­ren kön­nen, um das Mit­tag­essen aus­zu­lie­fern. Dies wur­de dem Gene­ral­staats­an­walt von Min­ne­so­ta gemel­det, aber das ändert nichts an der Tat­sa­che, dass die Schü­ler hun­gern wer­den. (…)

Tau­sen­de und Aber­tau­sen­de von Men­schen haben Angst, ihre Häu­ser zu ver­las­sen, um Lebens­mit­tel ein­zu­kau­fen, Lebens­mit­tel­aus­ga­ben zu besu­chen, Medi­ka­men­te zu holen oder zur Arbeit zu gehen. Geschäf­te sind leer oder geschlos­sen, weil die Arbeit­neh­mer Angst haben, zu ihrer Arbeit zu fah­ren oder dort gese­hen zu wer­den. Frau­en in unse­rer Nach­bar­schaft fra­gen über Hin­ter­tür­chen nach Heb­am­men, die zu ihnen nach Hau­se kom­men, weil sie Angst haben, zur Ent­bin­dung ins Kran­ken­haus zu gehen. Und ihre Angst ist berech­tigt! Die ICE dringt ohne Durch­su­chungs­be­fehl in Kran­ken­häu­ser ein. Sie hat Men­schen vor Kran­ken­häu­sern ange­grif­fen und war­tet vor meh­re­ren Kran­ken­häu­sern, dar­un­ter auch einem Kin­der­kran­ken­haus, um Men­schen mit ande­rer Haut­far­be auf­zu­grei­fen, die das Kran­ken­haus ver­las­sen.

Nach­bar­schaf­ten und Kir­chen, dar­un­ter auch mei­ne eige­ne, bemü­hen sich, gegen­sei­ti­ge Hilfs­maß­nah­men zu orga­ni­sie­ren, um Men­schen mit Lebens­mit­teln zu ver­sor­gen oder ihnen bei der Bezah­lung von Rech­nun­gen zu hel­fen, wäh­rend Fami­li­en­mit­glie­der nicht zur Arbeit gehen oder die­je­ni­gen fah­ren kön­nen, die Angst haben, am Steu­er oder an einer Bus­hal­te­stel­le gese­hen zu wer­den. Wir spre­chen hier nicht nur von Men­schen ohne Papie­re. Wir spre­chen von allen Men­schen mit ande­rer Haut­far­be. Das sind unse­re Nach­barn. Die Klas­sen­ka­me­ra­den unse­rer Kin­der. Unse­re Freun­de und Fami­li­en­mit­glie­der. (…)

Ich bin mehr als ange­wi­dert von die­sen Schlä­gern und denen, die die­sen Angriff auf unse­re ver­fas­sungs­mä­ßi­gen Rech­te unter­stüt­zen, ganz zu schwei­gen von grund­le­gen­der mensch­li­cher Anstän­dig­keit. Mei­ne Gemein­de ist erschöpft und gestresst, und ich bin eine wei­ße Per­son, die nicht ein­mal im Epi­zen­trum lebt. Ich kann mir nicht vor­stel­len, was vie­le gera­de durch­ma­chen, die nicht arbei­ten kön­nen und kein Ein­kom­men haben, deren Ange­hö­ri­ge ver­schleppt oder geschla­gen (oder ermor­det) wur­den, deren Kin­der durch den Ver­lust ihrer Eltern für immer trau­ma­ti­siert sind.

Aber täu­schen Sie sich nicht – wir geben nicht nach. Ich habe in mei­nem Leben an vie­len Orten gelebt, und ich muss sagen, dass sie sich den fal­schen Staat aus­ge­sucht haben. Die Men­schen orga­ni­sie­ren sich wie nie zuvor in mei­nem Leben, und ich bin so ver­dammt stolz, in die­ser Stadt zu leben. Ich habe sie noch nie so sehr geliebt wie jetzt, und ich wer­de wei­ter für sie kämp­fen.

(Ein aktu­el­ler Arti­kel zum sich for­men­den Wider­stand in den USA fin­det sich in der REPUBLIK)

Das sind Fak­ten vor Ort, — und wir dis­ku­tie­ren immer noch, wel­ches Eti­kett wir die­ser Regie­rung geben wol­len …

 

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Mattiello am Mittwoch 26/3
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