Vine Del­oria erzählt, wie er in sei­ner Jugend immer wie­der
… Geschich­ten aus alten Zei­ten und von Zeit zu Zeit von den unge­wöhn­li­chen Din­gen erfuhr, die von spi­ri­tu­el­len Füh­rern noch immer voll­bracht wur­den. (…)
Im Lau­fe der Jah­re habe ich Geschich­ten gehört, die von ande­ren erzählt wur­den, oder bin zufäl­lig auf Berich­te über Vor­fäl­le gesto­ßen, bei denen erstaun­li­che spi­ri­tu­el­le Kräf­te zum Aus­druck kamen. Unse­re Vor­fah­ren rie­fen die Hil­fe höhe­rer spi­ri­tu­el­ler Wesen an, um drin­gen­de prak­ti­sche Pro­ble­me zu lösen – wie zum Bei­spiel Wild zu fin­den, Vor­her­sa­gen über die Zukunft zu tref­fen, Wis­sen über Heil­mit­tel zu erlan­gen, an Hei­lun­gen teil­zu­neh­men, mit ande­ren Lebe­we­sen zu kom­mu­ni­zie­ren, ver­lo­re­ne Gegen­stän­de wie­der­zu­fin­den und den Ver­lauf phy­si­scher Ereig­nis­se durch eine Ver­bin­dung zu den höhe­ren Geis­tern zu beein­flus­sen, die die Win­de, die Wol­ken, die Ber­ge, den Don­ner und ande­re Phä­no­me­ne der Natur beherrsch­ten. (…)

Was die Wahr­haf­tig­keit die­ser Berich­te angeht, gibt es zahl­rei­che Skep­ti­ker. Die Men­schen leh­nen die Geschich­ten ab und behaup­ten (aus Selbst­schutz), dass die Demons­tra­ti­on spi­ri­tu­el­ler Kräf­te eine Wahn­vor­stel­lung oder Zufall gewe­sen sei, dass dabei Tricks oder Taschen­spie­ler­tricks im Spiel gewe­sen sei­en oder dass sie von vorn­her­ein nicht kor­rekt wie­der­ge­ge­ben wor­den sei­en. Oder sie argu­men­tie­ren, dass die ursprüng­li­che Geschich­te stark aus­ge­schmückt wur­de, um sie über­na­tür­lich klin­gen zu las­sen. So kön­nen sie leicht jede Geschich­te oder Anek­do­te ent­schul­di­gen, die die Aus­übung spi­ri­tu­el­ler Kräf­te beschreibt.

Del­oria begann, im Lau­fe der Jah­re sol­che Geschich­ten zu sam­meln, um sie nicht ganz der Ver­ges­sen­heit anheim fal­len zu las­sen. Doch dann stiess er im Buch “The Medi­ci­ne Men” von Tho­mas Lewis auf die Aus­sa­ge eines Medi­zin­man­nes “mit Adler­kraft”:
„Es wäre hilf­reich, zu den alten Reli­gio­nen in einer neu­en Form zurück­zu­keh­ren. Das wür­de dem india­ni­schen Volk hel­fen und ihm eine Art spi­ri­tu­el­le Kraft geben, die es braucht, um zu einem weni­ger zer­stö­re­ri­schen Leben über­zu­ge­hen – ohne Din­ge wie Alko­hol, Unfäl­le und Men­schen, die bet­teln und an den Stra­ßen ste­hen und nach Mit­fahr­ge­le­gen­hei­ten fra­gen.“
Damit spiel­te er auf die Tat­sa­che an, dass die teil­wei­se kata­stro­pha­len Miss­stän­de in den Sioux-Reser­va­ten zu einem guten Teil auf die tie­fe spi­ri­tu­el­le Ori­en­tie­rungs­lo­sig­keit zurück­zu­füh­ren waren, die sich als Fol­ge der trau­ma­ti­schen Erobe­rungs­ge­schich­te durch die Weis­sen aus­ge­brei­tet hat­te.

So kam Del­oria zur Über­zeu­gung,
… dass eine Samm­lung die­ser Geschich­ten, ein­ge­bet­tet in einen phi­lo­so­phi­schen Rah­men, der heu­ti­gen und kom­men­den Gene­ra­tio­nen die Demut, das Ver­trau­en in die Geis­ter und die immensen Kräf­te ver­deut­li­chen könn­te, die unser Volk in frü­he­ren Zei­ten aus­zeich­ne­ten. Sie könn­te die Men­schen auch dazu inspi­rie­ren, ihren Zere­mo­nien mehr Respekt ent­ge­gen­zu­brin­gen und nach den gro­ßen Kräf­ten zu suchen, die den­je­ni­gen stets zur Ver­fü­gung ste­hen, die zuerst auf die Geis­ter und dann auf ihre eige­nen Res­sour­cen bli­cken.

Inter­es­san­ter­wei­se fand er fast kei­ne Berich­te von Stäm­men öst­lich des Mis­sis­sip­pi. Sei­ne Erklä­rung:
Sowohl die katho­li­schen als auch die pro­tes­tan­ti­schen Mis­sio­na­re in der frü­hen Kolo­ni­al­zeit beob­ach­te­ten die wun­der­sa­men Taten der Medi­zin­män­ner, inter­pre­tier­ten sie jedoch als Wer­ke des Teu­fels. So wird in Quel­len wie den „Jesu­it Rela­ti­ons“ zwar oft auf india­ni­sche Zere­mo­nien ange­spielt, die­se wer­den jedoch sel­ten beschrie­ben. Nur wenn ein Mis­sio­nar eine eini­ger­ma­ßen auf­ge­schlos­se­ne Hal­tung hat­te und von dem Erleb­nis über­wäl­tigt war, wur­den Berich­te mit einem gewis­sen Maß an Genau­ig­keit fest­ge­hal­ten.

Bevor wir uns mit Vine Del­oria auf die Ent­de­ckungs­rei­se machen, wie Medi­zin­män­ner mit Natur­we­sen und “Geis­tern” kom­mu­ni­zier­ten und arbei­te­ten, stellt sich viel­leicht die Fra­ge: Wozu?
In unse­rem Kul­tur­kreis exis­tie­ren sie nur noch in Sagen und Mär­chen. Doch als ein alter tra­di­tio­nel­ler Lako­ta und ein jun­ger iro­ke­si­scher Medi­zin­mann vor Jah­ren durch die Jura-Frei­ber­ge fuh­ren, erzähl­ten bei­de unab­hän­gig, dass sie dort Natur­we­sen gese­hen hät­ten …

Fort­set­zung am kom­men­den Frei­tag, den 9. Okto­ber

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(zum Teil Recycling, aber immer noch aktuell)

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