Sar­kas­tisch schil­dert Vine Del­oria die Wider­sprü­che, die durch die “weis­se” Mis­sio­nie­rung ent­stan­den:
Was … alle Kon­fes­sio­nen gemein­sam hat­ten, waren die angel­säch­si­schen Gesell­schafts­for­men. Die­se Ver­hal­tens­wei­sen waren es, die sie in den ver­schie­de­nen Reser­va­ten tat­säch­lich lehr­ten und pre­dig­ten. Die Kir­chen bemüh­ten sich, die India­ner dazu zu brin­gen, sich die Haa­re zu schnei­den, weil sie der Ansicht waren, dass kur­zes Haar das zivi­li­sier­te christ­li­che Ver­hal­ten sei. Nach­dem die Stam­mes­äl­tes­ten voll­stän­dig gescho­ren wor­den waren, wur­den sie in die Kir­chen­ver­samm­lung geführt, erhiel­ten Bil­der von Jesus und den Jün­gern und wur­den auf­ge­for­dert, die­sen Hei­li­gen Män­nern zu fol­gen. Als sie auf die Bil­der blick­ten, waren die ehe­ma­li­gen Krie­ger fas­sungs­los, als sie die Hei­li­gen Zwölf mit schul­ter­lan­gem Haar ent­deck­ten!

Oft füll­ten Rei­hen mür­ri­scher ehe­ma­li­ger Krie­ger klapp­ri­ge Holz­ka­pel­len, um Pre­dig­ten über die Wege des Frie­dens zu hören. Man sag­te ihnen, das Leben des Krie­ges sei der Weg der Zer­stö­rung. Die ewi­ge Höl­le, so ver­si­cher­te man ihnen, erwar­te den Krie­ger. Dann ende­te der Got­tes­dienst mit dem alten Lieb­lings­lied „Vor­wärts, christ­li­che Sol­da­ten, mar­schiert wie in den Krieg“.

Eine objek­ti­ve Betrach­tung der mis­sio­na­ri­schen Bemü­hun­gen wür­de zei­gen, dass der Schwer­punkt nicht auf der reli­giö­sen Bekeh­rung lag, son­dern auf dem Expe­ri­men­tie­ren mit einer gefan­ge­nen Kul­tur. Die west­li­che Reli­gi­on hat­te es ver­säumt, die Gesell­schaft zu beein­flus­sen, in der sie ent­stan­den war. Sie war schon lan­ge vor Kolum­bus’ Ent­de­ckung Ame­ri­kas zu einer Export­wa­re gewor­den. Sie hat­te kei­ne ande­re Wahl, als zu ver­su­chen, ande­re Kul­tu­ren fest im Griff zu haben, um sich selbst wie­der zu eta­blie­ren. Doch ihr Ein­fluss auf die india­ni­sche Kul­tur war ver­gleich­bar mit dem ande­rer Han­dels­gü­ter. Wo sie nütz­lich war, wur­de sie genutzt.

Die India­ner folg­ten gehor­sam dem Weg des wei­ßen Man­nes, weil es der Weg des gerings­ten Wider­stands war. Der Gro­ße Geist wur­de mit eini­gen Beden­ken gegen den Weih­nachts­mann ein­ge­tauscht. Der Ersatz spi­ri­tu­el­ler Kräf­te durch Spiel­zeug schuf jedoch ein Vaku­um, und die Stäm­me zogen heim­lich ihre alte Reli­gi­on der Reli­gi­on des Oster­ha­sen vor. (…)

Wie absurd sich manch­mal die­se Mis­sio­nie­rungs­ar­beit gestal­ten konn­te, illus­triert die fol­gen­de klei­ne Anek­do­te Del­ori­as:
Vor eini­gen Jah­ren bat mich eine Mis­sio­na­rin (irgend­wie schaf­fen es Mis­sio­na­re, einen ase­xu­el­len Sta­tus zu errei­chen) auf einer Kon­fe­renz von Mis­si­ons­mit­ar­bei­tern um Rat zu einem Pro­blem, das sie hat­te. Es schien, als kön­ne sie ihren klei­nen Choc­taw-Schü­lern in der Sonn­tags­schu­le, egal wie sehr sie sich auch bemüh­te, die „tech­ni­sche Sei­te der Erlö­sung“ nicht ver­ständ­lich machen.

Wie sich her­aus­stell­te, gab es in ihrer Kir­che sie­ben Schrit­te zur Erlö­sung. Wenn man die sie­ben Schrit­te zur Erlö­sung ver­stand und die Rei­hen­fol­ge kor­rekt auf­sa­gen konn­te, war man erret­tet. Dann bestand sei­ne Auf­ga­be dar­in, ande­ren die sie­ben Schrit­te bei­zu­brin­gen, bis Jesus wie­der­kommt. Anschei­nend wür­de der Herr am Tag des Jüngs­ten Gerichts alle Men­schen auf­for­dern, die sie­ben Schrit­te auf­zu­zäh­len.

Lei­der konn­te ich ihr kei­nen Ein­blick in die Auf­ga­be geben, sechs­jäh­ri­ge Choc­taws dazu zu brin­gen, die sie­ben Schrit­te zur Erlö­sung zu gehen, geschwei­ge denn sie aus­wen­dig zu ler­nen. Ich frag­te sie, war­um sie, wenn es so schwie­rig sei, sie zum Ver­ständ­nis zu brin­gen, nicht in ein Gebiet wech­sel­te, das der Herr mit mehr Sorg­falt vor­be­rei­tet hat­te. Sie ant­wor­te­te, dass die Bap­tis­ten die Kin­der schon eine Zeit lang betreut und sie in schreck­li­cher Ver­wir­rung zurück­ge­las­sen hät­ten.

Ihre ers­te Auf­ga­be war es gewe­sen, all die ket­ze­ri­sche Theo­lo­gie zu kor­ri­gie­ren, die die Bap­tis­ten ihnen bei­gebracht hat­ten. Sie sag­te, es käme ihr nicht in den Sinn, zu gehen und eine ande­re Kir­che nach ihr kom­men zu las­sen, die die Kin­der erneut ver­wir­ren wür­de. Auf solch scharf­sin­ni­gen Ein­sich­ten grün­det sich die christ­li­che Mis­si­on unter den India­nern.

Fort­set­zung am kom­men­den Frei­tag, den 19. Juni

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