Wenn Vine Del­oria sich ab und zu sar­kas­ti­scher Bemer­kun­gen zum Land­raub der Weis­sen nicht ent­hal­ten konn­te, ist das nichts im Ver­gleich zu sei­nen Kom­men­ta­ren zu Anthro­po­lo­gen und Mis­sio­na­ren. Hier sei­ne sati­ri­sche Ein­füh­rung in die “anthro­po­lo­gi­sche Spe­zi­es”:

Anthro­po­lo­gen und ande­re Freun­de

Man sagt, in jedem Leben müs­se es mal reg­nen. Man­che Men­schen haben ein schlech­tes Horo­skop … Doch die India­ner wur­den in der Geschich­te mehr als jedes ande­re Volk ver­flucht. Die India­ner haben Anthro­po­lo­gen.

Jeden Som­mer, wenn die Schu­le aus ist, strömt ein wah­rer Strom von Ein­wan­de­rern ins India­ner­land. Tat­säch­lich war der Ore­gon Trail nie so stark bevöl­kert wie die Rou­te 66 und der High­way 18 im Som­mer. Aus jedem Fel­sen und jeder Nische im Osten tau­chen sie auf, als wür­den sie auf einen urzeit­li­chen Frucht­bar­keits­ri­tus reagie­ren, und strö­men in die Reser­va­te.

„Sie“ sind die Anthro­po­lo­gen. Sozi­al­an­thro­po­lo­gen, his­to­ri­sche Anthro­po­lo­gen, poli­ti­sche Anthro­po­lo­gen, Wirt­schafts­an­thro­po­lo­gen, alle Arten die­ser Spe­zi­es bege­ben sich auf das gro­ße Som­mer­aben­teu­er. Für die Zwe­cke die­ser Dis­kus­si­on wer­den wir uns nur auf den Gat­tungs­na­men „Anthro­po­lo­gen“ bezie­hen. Sie sind die pro­mi­nen­tes­ten Mit­glie­der der wis­sen­schaft­li­chen Gemein­schaft, die das Land der Frei­en befal­len, und im Som­mer die Hei­mat der Tap­fe­ren.

Der Ursprung des Anthro­po­lo­gen ist ein Geheim­nis, das im Nebel der Geschich­te ver­bor­gen liegt. India­ner sind sich sicher, dass alle Gesell­schaf­ten des Nahen Ostens einst Anthro­po­lo­gen hat­ten, da all die­se Gesell­schaf­ten heu­te nicht mehr exis­tie­ren.

Die India­ner sind eben­so sicher, dass Kolum­bus Anthro­po­lo­gen auf sei­nen Schif­fen mit­brach­te, als er in die Neue Welt kam. Wie sonst hät­te er so vie­le fal­sche Schluss­fol­ge­run­gen dar­über zie­hen kön­nen, wo er sich befand?

Auch wenn ihr his­to­ri­scher Ursprung unge­wiss ist, las­sen sich Anthro­po­lo­gen in den Reser­va­ten leicht aus­ma­chen. Bege­ben Sie sich in eine belie­bi­ge Men­schen­men­ge. Suchen Sie sich einen gro­ßen, hage­ren wei­ßen Mann aus, der Ber­mu­da­shorts, eine Flie­ger­ja­cke der Army Air Force aus dem Zwei­ten Welt­krieg, einen aus­tra­li­schen Busch­hut und Ten­nis­schu­he trägt und einen gro­ßen Ruck­sack mit sich führt, der falsch auf sei­nem Rücken befes­tigt ist. Er wird aus­nahms­los eine schlan­ke, sexy Frau mit sträh­ni­gem Haar haben, einen IQ von 191 und einen Wort­schatz, in dem selbst die Prä­po­si­tio­nen elf Sil­ben haben.

Er hat in der Regel eine Kame­ra, ein Ton­band­ge­rät, ein Fern­glas, einen Hula-Hoop-Rei­fen und eine Schwimm­wes­te, die alle an sei­nem schlak­si­gen Kör­per hän­gen. Er hat sel­ten einen Stift, Blei­stift, Mei­ßel, Stylus, Stock, Pin­sel oder ein Instru­ment, um sei­ne Beob­ach­tun­gen fest­zu­hal­ten.

Die­ses Wesen ist ein Anthro­po­lo­ge.

Ein Anthro­po­lo­ge begibt sich in India­ner­re­ser­va­te, um BEOBACHTUNGEN zu machen. Im Lau­fe des Win­ters wer­den die­se Beob­ach­tun­gen zu Büchern, anhand derer zukünf­ti­ge Anthro­po­lo­gen aus­ge­bil­det wer­den, damit sie in eini­gen Jah­ren in die Reser­va­te kom­men und die Beob­ach­tun­gen, die sie stu­diert haben, über­prü­fen kön­nen.

Nach­dem die Bücher geschrie­ben sind, erschei­nen Zusam­men­fas­sun­gen der Bücher in wis­sen­schaft­li­chen Zeit­schrif­ten in Form von Arti­keln. Die­se Arti­kel „beschrei­ben die Din­ge so, wie sie sind“ und die­nen als Kata­ly­sa­tor, um ande­re Anthro­po­lo­gen zu inspi­rie­ren, im nächs­ten Som­mer die gro­ße Pil­ger­rei­se anzu­tre­ten.

Die Zusam­men­fas­sun­gen wer­den dann aus zwei Grün­den gekürzt. Eini­ge die­ser Kurz­fas­sun­gen wer­den als Berich­te an Regie­rungs­be­hör­den geschickt, um die For­schung des ver­gan­ge­nen Som­mers zu recht­fer­ti­gen. Ande­re wer­den an Stif­tun­gen geschickt, um die Expe­di­ti­on in den Wes­ten im nächs­ten Som­mer zu finan­zie­ren.

Die Berich­te wer­den den gan­zen Win­ter über in den Regie­rungs­be­hör­den und Stif­tun­gen ver­teilt. Das ein­zi­ge Pro­blem ist, dass nie­mand Zeit hat, sie zu lesen.

Also wer­den Sekre­tä­rin­nen mit einem Jah­res­ge­halt von 5.000 Dol­lar damit beauf­tragt, sie zu ent­schlüs­seln. Da die­se Sekre­tä­rin­nen kei­ne kom­ple­xen Theo­rien lesen kön­nen, redu­zie­ren sie die Berich­te auf den best­mög­li­chen Slo­gan und ver­ges­sen die Berich­te.

Am nächs­ten Frei­tag, den 29. Mai geht es den Mis­sio­na­ren an den Kra­gen.

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