Als Präsidentschaftskandidat Donald Trump 2016 wider Erwarten die Wahlen gewann, ging ein Schock durch die Medienwelt. Der Spiegel verfiel gar in eine düstere Endzeitstimmung. Aber es gab auch Jubel: Weltwoche-Chefredakteur Roger Köppel tanzte nach eigenem Bekunden angesichts des Sieges seines Helden vor Freude in seinem Büro herum.
Seitdem ist viel Wasser den Rhein hinuntergeflossen und es gab Phasen, in denen der WW-Chefredaktor nicht mehr so ganz wusste, was er von seinem Helden halten sollte. Da war der Zollschock für die Schweiz, die Grönlandgeschichte, die Kriege, die er vom Zaun riss, obwohl er vor seiner zweiten Wahl das Gegenteil versprochen hatte …
Doch diese Phase des Zweifels ist vorbei, und nicht nur das: Donald Trump hat sich inzwischen laut Köppel zum letzten Bollwerk gegen den Untergang der Zivilisation gemausert. Dieser Untergang ist nämlich die Folge der Tatsache, dass auf dieser Welt viel zu viele bösartige und selbstgerechte “Gutmenschen” ihr Unwesen treiben, die mit ihrer Aura “das wahrhaft Diabolische” verkörpern. Der “Gutmensch” ist der Antichrist. Warum? Weil er vor aktuellen Gefahren warnt — vor Krieg, vor dem Klimawandel — und so die Ängste der Menschen bedient und anfeuert. Und nicht nur das: dieser “Gutmensch” hat noch viel Schrecklicheres im Sinn: Er strebt “das Ende der Freiheit” an, eine “tote Gleichförmigkeit”, ja sogar die “alternativlose Harmonie” eines Weltstaats.
Doch Hoffnung bleibt. Denn neben Donald Trump ist da noch ein weiterer mutiger Streiter gegen
alles Böse: Peter Thiel, Erfinder des Überwachungsinstruments Palantir, hat ebenfalls den Kampf aufgenommen gegen das “überschiessende Gute”, welches aber gemäss Köppel das Böse ist. Seine neue Heilslehre — Kampf gegen den sich in einen Schafspelz hüllenden Antichrist — durfte er kürzlich in Steinwurfnähe zum Vatikan in einem “prunkvollen Palazzo im Herzen der Ewigen Stadt” vorstellen, und der WW-Chefredaktor hatte anscheinend Gelegenheit, “im auserwählten Kreis” der andächtigen Zuhörerinnen und Zuhörer dabei sein zu dürfen.
Peter Thiel — Moment mal — das ist doch der Mann, der Freiheit und Demokratie als unvereinbar erklärt. Ein Bruder im Geiste von Curtis Yarvin, der kürzlich an der Universität St. Gallen davon schwärmte, die demokratischen Vereinigten Staaten von Amerika in eine von Tech-Brothers geführte Monarchie zu verwandeln. Dass sich Trump mehr und mehr als über der Verfassung stehenden “Monarchen” gebärdet — geschenkt!
Für wie dumm hält uns das inoffizielle SVP-Sprachrohr eigentlich!?
Wer den ganzen Text lesen will, aus dem die obigen Zitate stammen, findet ihn hier.
Fortsetzung am kommenden Donnerstag, den 28. Mai
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