Hier die Fort­set­zung der bit­te­ren Ana­ly­se Vine Del­ori­as in sei­nem Buch “Cus­ter died for your Sins” zum Unver­ständ­nis, das die weis­sen Ame­ri­ka­ner der indi­ge­nen Lebens­wei­se und deren sozia­len Struk­tu­ren auf­grund ihrer eige­nen kul­tu­rel­len Kon­di­tio­nie­rung ent­ge­gen­brach­ten. Zu die­ser Kon­di­tio­nie­rung gehör­te, Land nur als aus­zu­beu­ten­de Ware zu betrach­ten:
Dann ent­deck­te der wei­ße Mann eines Tages, dass die India­ner­stäm­me immer noch rund 135 Mil­lio­nen Mor­gen Land besa­ßen. Zu sei­nem Ent­set­zen erfuhr er, dass ein Groß­teil davon sehr wert­voll war. Ein Teil war gutes Wei­de­land, ein Teil Acker­land, ein Teil Berg­bau­land und ein Teil mit Wald bedeckt.

Tie­re konn­ten auf einem Stück Land zusam­men­ge­pfercht wer­den, aber sie konn­ten es nicht ver­kau­fen. Daher dau­er­te es nicht lan­ge, bis man erkann­te, dass India­ner tat­säch­lich Men­schen waren und das Recht haben soll­ten, ihr Land zu ver­kau­fen. Land war das Mit­tel, um den India­ner als Men­schen anzu­er­ken­nen. Es war die Metho­de, mit der Land legal und nicht offen gestoh­len wer­den konn­te.

Sobald der India­ner auf die­se Wei­se aner­kannt war, war es recht ein­fach, sei­ne Zie­le zu bestim­men. Wenn, so die Über­le­gung, der India­ner genau wie der Wei­ße war, muss­te er die­sel­be Welt­an­schau­ung haben wie der Wei­ße. So wur­de die Zukunft für das india­ni­sche Volk im öffent­li­chen und pri­va­ten Leben geplant. An ers­ter Stel­le stand die Zutei­lung von Reser­va­ten, damit sie ihr Land ver­kau­fen konn­ten. Got­tes vor­be­stimm­ter Plan, den Kon­ti­nent neu zu bevöl­kern, pass­te genau zu den Zie­len der Stäm­me, wie sie von ihren wei­ßen Freun­den defi­niert wur­den.

Weis­se wei­ger­ten sich stand­haft, Schwar­zen die Früch­te der vol­len Staats­bür­ger­schaft zu gewäh­ren. Sie schlos­sen sys­te­ma­tisch Schu­len, Kir­chen, Geschäf­te, Restau­rants und öffent­li­che Orte für Schwar­ze oder tra­fen belei­di­gen­de Vor­keh­run­gen für sie. Hun­dert Jah­re lang war jedes Pro­gramm des öffent­li­chen und pri­va­ten wei­ßen Ame­ri­kas dar­auf aus­ge­rich­tet, die Schwar­zen aus­zu­schlie­ßen. Es war viel­leicht pein­lich, mit jeman­dem auf Tuch­füh­lung zu gehen, der noch vor nicht all­zu lan­ger Zeit als Feld­tier defi­niert wor­den war.

Die India­ner erlit­ten die umge­kehr­te Behand­lung. Ein Gesetz nach dem ande­ren wur­de ver­ab­schie­det, das von ihnen ver­lang­te, sich den wei­ßen Insti­tu­tio­nen anzu­pas­sen. India­ner­kin­der wur­den ent­führt und in Inter­na­te Tau­sen­de von Mei­len von ihren Häu­sern ent­fernt gezwun­gen, um die Sit­ten der Wei­ßen zu ler­nen. Reser­va­te wur­den ver­schie­de­nen christ­li­chen Kon­fes­sio­nen zur Ver­wal­tung über­ge­ben. Reser­va­te wur­den lan­ge Zeit von Kir­chen betrie­ben. Es wur­de alles getan, um sicher­zu­stel­len, dass India­ner in das ame­ri­ka­ni­sche Leben gezwun­gen wur­den. Das wil­de Tier wur­de zu einem Haus­tier gemacht, ob es das nun woll­te oder nicht.

Die Poli­tik sowohl gegen­über Schwar­zen als auch gegen­über India­nern schei­ter­te voll­stän­dig. Die Schwar­zen began­nen schließ­lich die Bür­ger­rechts­be­we­gung. Auf die­se Wei­se sicher­ten sie sich eini­ge Rech­te in der wei­ßen Gesell­schaft. Die India­ner zogen sich wei­ter­hin aus den Annä­he­rungs­ver­su­chen der wei­ßen Gesell­schaft zurück und ver­such­ten, ihre eige­nen Gemein­schaf­ten und Lebens­wei­sen zu bewah­ren.

Tat­säch­lich hat­ten bei­de Grup­pen kaum eine Wahl. Die Schwar­zen, gefan­gen in einer Welt wei­ßer Sym­bo­le, zogen sich in sich selbst zurück. Und die Men­schen hiel­ten den ver­gleich­ba­ren Rück­zug der India­ner für unna­tür­lich, weil sie von den India­nern erwar­te­ten, sich wie Wei­ße zu ver­hal­ten.

Die wei­ße Welt der abs­trak­ten Sym­bo­le wur­de für die India­ner zu einem Alb­traum. Die For­mu­lie­run­gen der Ver­trä­ge, die klar besag­ten, dass „India­ner“ unter dem Schutz der Bun­des­re­gie­rung „freie und unge­stör­te“ Nut­zung ihres Lan­des haben soll­ten, wur­den von den Wei­ßen bei­sei­te­ge­scho­ben, als ob sie nicht exis­tier­ten. Die Sioux hat­ten einst einen Ver­trag, der ein­deu­tig fest­leg­te, dass es die Unter­schrif­ten oder Zei­chen von drei Vier­teln der erwach­se­nen Män­ner bedür­fe, um ihn zu ändern. Doch durch Zwang erlang­te die Regie­rung nur 10 Pro­zent der erfor­der­li­chen Unter­schrif­ten und erklär­te die neue Ver­ein­ba­rung für gül­tig. (…)

“Die US-Regie­rung hat zwi­schen 1778 und 1871 über 500 Ver­trä­ge mit indi­ge­nen Stäm­men Nord­ame­ri­kas unter­zeich­net. In der his­to­ri­schen Bewer­tung gilt, dass nahe­zu alle die­ser Ver­trä­ge von den Ver­ei­nig­ten Staa­ten gebro­chen oder zumin­dest ein­sei­tig ver­letzt wur­den. (Gesell­schaft für bedroh­te Völ­ker)

Ekla­tan­tes Bei­spiel für die Gre­at Sioux Nati­on, der Del­oria ange­hör­te, war der Ver­trag von Fort Lara­mie 1868, der wegen der Ent­de­ckung von Gold auf dem den India­nern zuge­spro­che­nen Ter­ri­to­ri­um in kür­zes­ter zu Maku­la­tur wur­de. 1980 aner­kann­te der Obers­te Gerichts­hof die Ver­let­zung des Ver­trags und sprach den Sioux als Ent­schä­di­gung 105 Mil­lio­nen Dol­lar zu. Doch die­se zeig­ten kein Inter­es­se dar­an. Der Betrag ist inzwi­schen mit den Zin­sen auf über 700 Mil­lio­nen $ ange­wach­sen. Aber die Sioux for­dern bis heu­te ihr Land zurück, ins­be­son­de­re die ihnen hei­li­gen Black Hills.

Wor­te und Situa­tio­nen schie­nen nie zusam­men­zu­pas­sen. Es schien, als wähl­te der wei­ße Mann stets einen Kurs, der nicht funk­tio­nier­te. Der wei­ße Mann pre­dig­te, es sei gut, den Armen zu hel­fen, doch er tat nichts, um den Armen in sei­ner eige­nen Gesell­schaft zu hel­fen. Statt­des­sen übte er stän­di­gen Druck auf das india­ni­sche Volk aus, sei­ne welt­li­chen Güter zu hor­ten, und wenn sie es ver­säum­ten, Kapi­tal anzu­häu­fen, son­dern groß­zü­gig an die Armen ver­teil­ten, reagier­te der wei­ße Mann gewalt­sam.

Das Ver­sa­gen der Kom­mu­ni­ka­ti­on schuf eine Lee­re, in die sich der wei­ße Welt­ver­bes­se­rer, der Mis­sio­nar, der För­de­rer, der Gelehr­te und jede erdenk­li­che Art von Mensch, der glaub­te, hel­fen zu kön­nen, dräng­te. Die wei­ße Gesell­schaft ver­stand die Situa­ti­on nicht, weil die­ses Kon­glo­me­rat an Hilfs­an­ge­bo­ten die wirk­li­chen Pro­ble­me bis zur Unkennt­lich­keit ver­wisch­te.

Fort­set­zung am kom­men­den Frei­tag, den 22. Mai

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