Donald Trump als Sym­ptom eines kor­rum­pier­ten poli­ti­schen Sys­tems, wel­ches ein­mal das Wohl­erge­hen der Bevöl­ke­rung auf lan­ge Frist sichern soll­te: die­se Ein­sicht setzt sich immer mehr durch. Irgend­wann geriet das fein aus­ta­rier­te Sys­tem der Macht­aus­ba­lan­cie­rung, wie es die Grün­der­vä­ter in der ame­ri­ka­ni­schen Ver­fas­sung ent­wi­ckel­ten, in eine töd­li­che Kri­se.

Thom Hart­mann macht in sei­nem Buch “Donald Trump. The Last Ame­ri­can Pre­si­dent” den Kipp­punkt in die­se Kri­se am Jahr 2010  fest, und begrün­det dies so:
Ab 2010 durch­lief die Repu­bli­ka­ni­sche Par­tei eine Säu­be­rung, die Sta­lin beein­druckt hät­te. Gemä­ßig­te Repu­bli­ka­ner – die bereit waren, gele­gent­lich über die Par­tei­gren­zen hin­weg zusam­men­zu­ar­bei­ten und eher an Regie­rungs­füh­rung als an Obstruk­ti­on glaub­ten – wur­den sys­te­ma­tisch eli­mi­niert.

Als ein Bei­spiel neben ande­ren erwähnt er den repu­bli­ka­ni­schen Kon­gress­ab­ge­ord­ne­ten Bob Ing­lis aus South Caro­li­na:
Inglis war ein finanz­po­li­tisch kon­ser­va­ti­ver Repu­bli­ka­ner, setz­te sich in sei­ner letz­ten Amts­zeit aber zusam­men mit Jeff Fla­ke für eine CO2-Steu­er ein, sofern die­se auf­kom­mens­neu­tral gestal­tet wer­de. Damit rück­te ein ame­ri­ka­ni­sches Kli­ma­schutz­ge­setz in greif­ba­re Nähe. Infol­ge­des­sen wur­de er von den Gebrü­dern Charles und David Koch (Koch Indus­tries) im Rah­men ihrer Des­in­for­ma­ti­ons­kam­pa­gne gegen die­ses Geset­zes stark atta­ckiert. Die­se bei­den Kli­ma­wan­del­leug­ner, die ihr Geld mit fos­si­len Brenn­stoffen ver­dien­ten, hat­ten zuvor alle Abge­ord­ne­ten expli­zit vor per­sön­li­chen Kon­se­quen­zen gewarnt, soll­ten sie über eine Form von Kli­ma­schutz­ge­set­zen nach­den­ken. An Ing­lis sta­tu­tier­ten sie schließ­lich ein Exem­pel. Unter ande­rem gaben sie ihm kein Geld mehr, stat­te­ten sei­nen Gegen­kan­di­da­ten mit einer umfang­rei­chen Wahl­kampf­kas­se aus und mobi­li­sier­ten Tea-Par­ty-Akt­vis­ten, die auf Town­hall-Ver­an­stal­tun­gen laut­stark Stim­mung gegen Ing­lis mach­ten. Dar­auf­hin ver­lor Ing­lis die Wahl, auch das Kli­ma­schutz­ge­setz wur­de nach der Blo­cka­de durch die Repu­bli­ka­ner nie ver­ab­schie­det.[1] Am 3. Janu­ar 2011 schied Ing­lis aus dem Kon­gress aus. (aus Wiki­pe­dia)

Es wur­den Rein­heits­tests zu The­men wie Waf­fen, Abtrei­bung und Steu­ern durch­ge­führt. Grup­pen wie der Club for Growth, Ame­ri­cans for Tax Reform und die Natio­nal Rif­le Asso­ci­ation führ­ten stren­ge Lack­mus­tests ein, die durch Score­cards (Wer­tungs­lis­ten) und die Andro­hung von Vor­wahl­kämp­fen durch­ge­setzt wur­den.

Das Ergeb­nis war eine dra­ma­ti­sche Rechts­ver­schie­bung. Eine Ana­ly­se des Lugar Cen­ter zeig­te, dass die Über­par­tei­lich­keit im Kon­gress nach 2010 zusam­men­brach – zeit­gleich mit der Citi­zens United-Ent­schei­dung**, die Mil­li­ar­dä­ren und Unter­neh­men die recht­li­che Mög­lich­keit gab, Poli­ti­ker zu kau­fen –, wobei ins­be­son­de­re die Repu­bli­ka­ner nicht bereit waren, Par­tei­gren­zen zu über­schrei­ten.

** Die Citi­zens United-Ent­schei­dung des US Supre­me Court (2010) ent­schied, dass Unter­neh­men und Gewerk­schaf­ten unbe­grenzt Geld für unab­hän­gi­ge poli­ti­sche Wer­bung aus­ge­ben dür­fen, da dies durch das Ers­te Amend­ment (Rede­frei­heit) geschützt ist. Dies führ­te zur Ent­ste­hung von Super PACs (Poli­ti­cal Action Com­mit­tees), die unli­mi­tier­te Spen­den anneh­men und aus­ge­ben kön­nen, was die US-Wahl­kampf­fi­nan­zie­rung dra­ma­tisch ver­än­der­te, die Rol­le von „Dark Money“ (ver­deck­te Spen­den) ver­stärk­te und eine mas­si­ve Zunah­me des Ein­flus­ses von Kon­zer­nen und rei­chen Spen­dern im poli­ti­schen Pro­zess zur Fol­ge hat­te. (Goog­le KI)

Bis 2015 war die Par­tei zu einer Maschi­ne gewor­den, die Grau­sam­keit, Extre­mis­mus und blin­de Loya­li­tät über das Wohl des Lan­des oder poli­ti­sche Kennt­nis­se stell­te. Es spiel­te kei­ne Rol­le, dass Trump Kriegs­ge­fan­ge­ne wie John McCain ver­spot­te­te („Ich mag Men­schen, die nicht gefan­gen genom­men wur­den“) oder mit sexu­el­len Über­grif­fen prahl­te. Er konn­te „die Libe­ra­len fer­tig­ma­chen“, die ulti­ma­ti­ve Tugend in der neu­en Repu­bli­ka­ni­schen Par­tei.

Als Trump 2016 die Nomi­nie­rung der Repu­bli­ka­ner gewann, stan­den die repu­bli­ka­ni­schen Macht­bro­ker vor einer Ent­schei­dung:
einen Dem­ago­gen ohne Regie­rungs­er­fah­rung und ohne Bekennt­nis zu demo­kra­ti­schen Nor­men ableh­nen oder
ihn akzep­tie­ren und alles bekom­men, wovon sie geträumt hat­ten: Steu­er­sen­kun­gen für die Rei­chen, Dere­gu­lie­rung, kon­ser­va­ti­ve Rich­ter und einen Prä­si­den­ten, der jedes Gesetz unter­zeich­nen wür­de, das sie ihm vor­leg­ten.

Sie ent­schie­den sich für die Macht.

Fort­set­zung am kom­men­den Don­ners­tag, den 22. Janu­ar

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Mattiello am Mittwoch 26/2
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