1748 ver­öf­fent­lich­te Charles de Secon­dat, Baron de Mon­tes­quieu sein revo­lu­tio­nä­res Werk “Vom Geist der Geset­ze”, in dem er das Prin­zip der Gewal­ten­tren­nung — Legis­la­ti­ve, Exe­ku­ti­ve, Judi­ka­ti­ve - vor­stell­te. Es wur­de zum Grund­ge­rüst der demo­kra­ti­schen Staats­form. Die Idee dahin­ter: Die drei Gewal­ten soll­ten sich gegen­sei­tig in Schach hal­ten und so eine har­mo­ni­sche poli­ti­sche Ent­wick­lung ermög­li­chen. Das funk­tio­niert, solan­ge sie von­ein­an­der wirk­lich getrennt, also unab­hän­gig sind.

Heu­te stel­len wir fest, dass die­ses Sys­tem in der “Sis­ter Repu­blic” der Schweiz, den USA, am Kol­la­bie­ren ist. Das Obers­te Gericht urteilt immer par­tei­ischer und die Repu­bli­ka­ner im Kon­gress haben sich Trump voll­stän­dig unter­wor­fen. Wie konn­te es so weit kom­men?

Hier der ers­te Teil einer aus­füh­rich­li­chen Ana­ly­se von Thom Hart­mann:
Es war der 10. Okto­ber 2016, und die Welt sah zu, wie der letz­te glaub­wür­di­ge, inte­gre Repu­bli­ka­ner kapi­tu­lier­te.
Nur drei Tage zuvor war das berüch­tig­te Access-Hol­ly­wood-Band welt­weit im Fern­se­hen aus­ge­strahlt wor­den. Donald Trump prahl­te damit, Frau­en „an der Muschi“ zu packen, und behaup­te­te: „Wenn man ein Star ist, las­sen sie einen das machen.“ Das Film­ma­te­ri­al lös­te einen poli­ti­schen Shit­s­torm aus. Der Spre­cher des Reprä­sen­tan­ten­hau­ses, Paul Ryan, distan­zier­te sich und sag­te einen geplan­ten Auf­tritt mit Trump ab. Sena­tor John McCain zog sei­ne Unter­stüt­zung voll­stän­dig zurück. Der Kon­gress­ab­ge­ord­ne­te Jason Chaf­fetz aus Utah erklär­te, er kön­ne Trump nicht län­ger unter­stüt­zen, wenn er sei­ner fünf­zehn­jäh­ri­gen Toch­ter in die Augen schau­en müs­se.

In der nach­fol­gen­den Debat­te auf CNN betrat Trump die Büh­ne in St. Lou­is mit fins­te­rem Blick. Anstatt sich zu ent­schul­di­gen, tat er die Kom­men­ta­re als „Umklei­de­ka­bi­nen-Gesprä­che“ ab, lenk­te ab und griff Hil­la­ry Clin­tons Ehe­mann an. Er droh­te sogar, Clin­ton im Fal­le sei­ner Wahl ins Gefäng­nis zu ste­cken: „Sie wür­den im Gefäng­nis lan­den”, knurr­te er. Den gan­zen Abend über ver­folg­te er Clin­ton wie ein Raub­tier auf der Büh­ne.

Das Publi­kum sah kei­nen Mann, der sich ent­schul­dig­te, son­dern einen, der domi­nier­te. In die­ser Nacht geschah etwas Bemer­kens­wer­tes. Anstatt ein­zu­bre­chen, ver­bes­ser­ten sich Trumps Umfra­ge­wer­te. Die wei­ße, von „christ­li­chen” Män­nern domi­nier­te repu­bli­ka­ni­sche Basis, die zunächst ver­un­si­chert war, fes­tig­te sich rasch wie­der. Den repu­bli­ka­ni­schen Män­nern war es egal, was er gesagt hat­te. Ihnen gefiel, wie er sie füh­len ließ: mäch­tig, wütend, reue­los.

Am nächs­ten Mor­gen reih­ten sich die Repu­bli­ka­ner wie­der ein. Chaf­fetz twit­ter­te weni­ger als 72 Stun­den, nach­dem er Trump als unmo­ra­lisch bezeich­net hat­te: „Ich wer­de für Trump stim­men. HRC ist so schlecht.“ Sena­to­rin Deb Fischer aus Nebras­ka, die Trump zuvor zum Rück­tritt auf­ge­for­dert hat­te, revi­dier­te ihre Mei­nung: „Ich habe vor, für Herrn Trump zu stim­men“, als wäre nichts gesche­hen.

Eine Gren­ze war über­schrit­ten wor­den, aber das spiel­te kei­ne Rol­le. Denn Trump war auf dem Weg zum Sieg. Und die Repu­bli­ka­ni­sche Par­tei hat­te beschlos­sen, dass der Sieg das ein­zi­ge Prin­zip war, das es zu bewah­ren galt.

Dies war kei­ne feind­li­che Über­nah­me der GOP. Dies war ihre end­gül­ti­ge Form. Die­se Nacht hat die Par­tei nicht gespal­ten, son­dern ihren wah­ren Cha­rak­ter nach der Rea­gan-Revo­lu­ti­on offen­bart.

Um zu ver­ste­hen, wie die Grand Old Par­ty von Lin­coln und Eisen­hower zu einem von Res­sen­ti­ments getrie­be­nen Vehi­kel für Trumps auto­ri­tä­re Ambi­tio­nen wur­de, müs­sen wir ihre Ent­wick­lung über Jahr­zehn­te hin­weg ver­fol­gen. Trump hat die moder­ne Repu­bli­ka­ni­sche Par­tei nicht geschaf­fen; er hat ledig­lich die letz­ten Fas­sa­den einer jahr­zehn­te­lan­gen Trans­for­ma­ti­on aus­ge­nutzt und weg­ge­ris­sen.

Donald Trump hat die Grau­sam­keit, den Ras­sen­hass und die Leug­nung der Wahr­heit der Repu­bli­ka­ner nicht erfun­den. Er hat sie geerbt. Er hat sie per­fek­tio­niert.

Fort­set­zung am kom­men­den Don­ners­tag, den 4. Dezem­ber

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