Gewählt wird der neue ame­ri­ka­ni­sche Prä­si­dent im Novem­ber — also erst in einem hal­ben Jahr‑, aber mas­si­ve Vor­be­rei­tun­gen für einen Sieg Donald Trumps lau­fen schon jetzt. So gesche­hen im April anläss­lich einer gehei­men Din­ner­par­ty für Mil­li­ar­dä­re in Hol­ly­wood. Ziel: Trump wie­der in das Weis­se Haus zu bringen.

Dabei waren gemäss Robert Reich, dem ehe­ma­li­gen Arbeits­mi­ni­nis­ter in der Regie­rung Clin­ton und uner­müd­li­chen War­ner vor einem Come­back Trumps, illus­tre Namen: Elon Musk, Pay­Pal-Mit­grün­der Peter Thiel, Medi­en­ma­gnat Rupert Mur­doch, der Finan­cier Micha­el Mil­ken — mit sei­nen 3,7 Mil­li­ar­den aller­dings gera­de mal auf Platz 606 der Welt-Reichs­ten­lis­te -, Trumps Finanz­mi­nis­ter Ste­ven Mun­chin, und ande­re mehr.

Abge­se­hen von den Mil­lio­nen, die in den Wahl­kampf von Trump flies­sen wer­den, wächst damit auch die Gefahr mas­si­ver media­ler Ein­fluss­nah­me, ins­be­son­de­re in den sozia­len Medien:
Seit Janu­ar hat Musk min­des­tens sie­ben Mal im Monat über Biden gepos­tet und dabei den Prä­si­den­ten in allen Berei­chen ange­grif­fen, von sei­nem Alter bis hin zu sei­ner Ein­wan­de­rungs- und Gesund­heits­po­li­tik. Letz­ten Monat schrieb Musk auf X, dass Biden “offen­sicht­lich kaum weiß, was vor sich geht” und dass “er nur eine tra­gi­sche Fas­sa­de für eine links­extre­me poli­ti­sche Maschi­ne ist”.

In die­sem Jahr hat sich Musk bereits mehr als 20 Mal zuguns­ten von Trump geäu­ßert und argu­men­tiert, dass er ein Opfer der Vor­ein­ge­nom­men­heit der Medi­en und der Staats­an­walt­schaft in den Straf­ver­fah­ren gegen Trump sei.

Dies ist kei­ne Klei­nig­keit. Musk hat 184 Mil­lio­nen Fol­lower auf X. Und da ihm die Platt­form gehört, kann er den Algo­rith­mus so mani­pu­lie­ren, dass mög­lichst vie­le Men­schen sei­ne Bei­trä­ge sehen.

Kein ande­rer Chef eines Social-Media-Unter­neh­mens war bis­her so bereit, auto­ri­tä­ren Füh­rern auf der gan­zen Welt den Rücken zu stär­ken — nicht nur Trump, son­dern auch Javier Milei, dem Prä­si­den­ten Argen­ti­ni­ens, Jair Bol­so­n­a­ro in Bra­si­li­en und Naren­dra Modi in Indien.

Sekun­diert wird er von Peter Thiel, der in einem Essay schon 2009 ver­kün­det hat­te, Frei­heit und Demo­kra­tie sei­en unver­er­ein­bar. Den Begriff der “kapi­ta­lis­ti­schen Demo­kra­tie” nennt er ein Oxy­mo­ron —  einen Wider­spruch in sich selbst. Sein liber­tä­res Cre­do läuft mehr oder weni­ger auf die Abschaf­fung des demo­kra­ti­schen Rechts­staa­tes hin­aus. Trump scheint ihm der dafür geeig­ne­te “Hebel” zu sein, wes­halb er repu­bli­ka­ni­sche Kan­di­da­ten mas­siv finan­zi­ell unterstützt:
Thiel spen­de­te 15 Mil­lio­nen Dol­lar für die erfolg­rei­che repu­bli­ka­ni­sche Sena­to­ren­kam­pa­gne von J.D. Van­ce aus Ohio, der behaup­te­te, die Wahl 2020 sei gestoh­len wor­den und Bidens Ein­wan­de­rungs­po­li­tik bedeu­te, dass “mehr demo­kra­ti­sche Wäh­ler in die­ses Land strö­men”. (Van­ce steht jetzt ganz oben auf der Lis­te der mög­li­chen Vize­prä­si­dent­schafts­kan­di­da­ten von Trump.)

Thiel spen­de­te auch min­des­tens 10 Mil­lio­nen Dol­lar für das repu­bli­ka­ni­sche Vor­wahl­ren­nen von Bla­ke Mas­ters in Ari­zo­na, der eben­falls behaup­te­te, dass Trump die Wahl 2020 gewon­nen hat und Lee Kuan Yew, den auto­ri­tä­ren Grün­der des moder­nen Sin­ga­pur, bewundert.

Den Spruch “Money makes the world go round” darf man getrost auch auf die kom­men­den Wah­len beziehen:
Jamie Dimon, Vor­sit­zen­der und CEO von JPMor­gan Cha­se, der größ­ten und pro­fi­ta­bels­ten Bank der Ver­ei­nig­ten Staa­ten und einer der ein­fluss­reichs­ten CEOs der Welt, lob­te Trumps Poli­tik wäh­rend sei­ner Amts­zeit als Prä­si­dent auf dem Welt­wirt­schafts­fo­rum in Davos. (…)

Die meis­ten Vor­tei­le von Trumps Steu­er­sen­kun­gen kamen gro­ßen Unter­neh­men wie JPMor­gan Cha­se und wohl­ha­ben­den Pri­vat­per­so­nen wie Dimon zugu­te, wäh­rend die Kos­ten ein rie­si­ges Loch in das Haus­halts­de­fi­zit ris­sen. Ohne die Trump’schen Steu­er­sen­kun­gen sowie die Bush’schen Steu­er­sen­kun­gen und deren Ver­län­ge­run­gen wäre das Ver­hält­nis zwi­schen Bun­des­schul­den und Volks­wirt­schaft heu­te rückläufig.

Natür­lich ist ein Teil des zuneh­men­den Geld­flus­ses von Mil­li­ar­dä­ren an Trump und sei­ne Repu­bli­ka­ni­sche Par­tei durch die Aus­sicht auf wei­te­re Steu­er­sen­kun­gen und den Abbau von Vor­schrif­ten unter Trump motiviert.

Aber nicht alles. Ein grö­ße­res Ziel die­ser ame­ri­ka­ni­schen Olig­ar­chen ist es, die Demo­kra­tie zurückzudrängen.
Auf die Fra­ge, ob er poli­ti­scher wer­de, gab Musk (in einem Pod­cast im Novem­ber) zu: “Wenn Sie den Kampf gegen den Woke Mind Virus, den ich für eine zivi­li­sa­to­ri­sche Bedro­hung hal­te, als poli­tisch betrach­ten, dann ja. Der Woke Mind Virus ist Kom­mu­nis­mus in neu­em Gewand.”

Robert Reich sieht nur eine sinn­vol­le Gegenstrategie:
Wenn wir das, was von unse­rer Frei­heit noch übrig ist, bewah­ren wol­len, müs­sen wir der Anti-Demo­kra­tie-Bewe­gung mit einer muti­gen Pro-Demo­kra­tie-Bewe­gung ent­ge­gen­tre­ten, die die Insti­tu­tio­nen der Selbst­ver­wal­tung vor Olig­ar­chen wie Musk und Thiel und Neo­fa­schis­ten wie Trump schützt.

Sein Wunsch in Got­tes Ohr …

(sämt­li­che Aus­zü­ge aus dem Blog von Robert Reich vom 28. Mai 2024)

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