Der Obers­te Gerichts­hof ist kor­rupt, der Kon­gress ist ein Abnick­ver­ein und der Prä­si­dent ist gesetz­los – Was kommt als Nächs­tes?

So beti­telt der Schrift­stel­ler, Jour­na­list und Radio­mo­de­ra­tor Thom Hart­mann sei­nen letz­ten Blog-Ein­trag, — und der hat es in sich! :

JD Van­ce (erklärt), dass er und Trump Bun­des­rich­tern nicht gehor­chen müs­sen, und twit­tert: „Rich­ter dür­fen die legi­ti­me Macht der Exe­ku­ti­ve nicht kon­trol­lie­ren.“ So gehen Auto­kra­ten vor; wir befin­den uns in einem außer­or­dent­lich gefähr­li­chen Moment.

Es war Diens­tag, der 17. Juli 1787, und die Män­ner, die die Ver­fas­sung schrie­ben, hat­ten sich in Phil­adel­phia ver­sam­melt, um über die Gewal­ten­tei­lung zwi­schen dem Kon­gress, der Prä­si­dent­schaft und den Gerich­ten zu debat­tie­ren. Sie lie­ßen sich an die­sem Tag vom fran­zö­si­schen Phi­lo­so­phen Charles de Mon­tes­quieu inspi­rie­ren, des­sen Buch “Der Geist der Geset­ze” aus dem Jahr 1748 die Neue Welt und die Ver­fas­ser der Ver­fas­sung im Sturm erobert hat­te.

Dar­in wies Mon­tes­quieu auf die abso­lu­te Not­wen­dig­keit hin, drei rela­tiv gleich­be­rech­tig­te Regie­rungs­zwei­ge mit jeweils eige­nen Befug­nis­sen zu haben, um zu ver­hin­dern, dass ein ein­zel­ner Zweig zu viel Macht an sich reißt und die Demo­kra­tie einer Nati­on been­det. In „Der Geist der Geset­ze“ leg­te er dies unmiss­ver­ständ­lich dar:
„Wenn die gesetz­ge­ben­de und die aus­füh­ren­de Gewalt in einer Per­son oder in einem Gre­mi­um von Magis­tra­ten ver­eint sind, kann es kei­ne Frei­heit geben. … Es gibt auch kei­ne Frei­heit, wenn die rich­ter­li­che Gewalt nicht von der gesetz­ge­ben­den und der aus­füh­ren­den Gewalt getrennt ist.“

Als das The­ma der Gewal­ten­tei­lung an die­sem Tag, 29 Jah­re nach der Ver­öf­fent­li­chung von Mon­tes­quieus Buch, auf dem Ver­fas­sungs­kon­vent dis­ku­tiert wur­de, erhob sich der „Vater der Ver­fas­sung“, James Madi­son, um zu den Dele­gier­ten zu spre­chen:
“Wenn es für die Bewah­rung der Frei­heit uner­läss­lich ist, dass die gesetz­ge­ben­de, aus­füh­ren­de und rich­ter­li­che Gewalt getrennt sind, ist es für die Auf­recht­erhal­tung der Tren­nung uner­läss­lich, dass sie von­ein­an­der unab­hän­gig sind. …
“Eben­so wür­de eine Abhän­gig­keit der Exe­ku­ti­ve [des Prä­si­den­ten] von der Legis­la­ti­ve dazu füh­ren, dass sie sowohl die aus­füh­ren­de als auch die gesetz­ge­ben­de Gewalt ist; und dann könn­ten, wie Mon­tes­quieu bemerk­te, tyran­ni­sche Geset­ze erlas­sen wer­den, die auf tyran­ni­sche Wei­se aus­ge­führt wer­den.„Er [Mon­tes­quieu] hielt es für eine gut auf­ge­stell­te Repu­blik für abso­lut not­wen­dig, dass die bei­den ers­ten von­ein­an­der getrennt und unab­hän­gig von­ein­an­der gehal­ten wer­den soll­ten, um sich vor einer gefähr­li­chen Ver­ei­ni­gung der Legis­la­ti­ve und Exe­ku­ti­ve zu schüt­zen.“
Wenn der Prä­si­dent dem Kon­gress jemals alle Bedin­gun­gen dik­tie­ren wür­de, der dann zu einem will­fäh­ri­gen Abni­cker wür­de, unab­hän­gig davon, wie über­trie­ben oder sogar ille­gal die Hand­lun­gen des Prä­si­den­ten wären, dann, so Madi­son, „kann dies zu Recht als die Defi­ni­ti­on von Tyran­nei bezeich­net wer­den“.

Wir sind jetzt an die­sem Punkt ange­langt.

  Ver­ein­facht aus­ge­drückt gab das Sys­tem, das Madi­son und sei­ne Mit­strei­ter in jenem Som­mer ent­wi­ckel­ten, dem Kon­gress (Arti­kel I), dem ers­ten unter Glei­chen, die Befug­nis, Regie­rungs­be­hör­den (ein­schließ­lich des Bun­des­ge­richts­sys­tems) zu schaf­fen und zu finan­zie­ren.

  Die Auf­ga­be des Prä­si­den­ten bestand dar­in, „dafür zu sor­gen, dass die Geset­ze gewis­sen­haft aus­ge­führt wer­den“ (Arti­kel II, Abschnitt 3 der Ver­fas­sung), d. h. die vom Kon­gress geplan­ten, geneh­mig­ten und finan­zier­ten Regie­rungs­in­sti­tu­tio­nen zu ver­wal­ten.

  Die Auf­ga­be der Gerich­te nach Arti­kel III bestand dar­in, sicher­zu­stel­len, dass kei­ner von ihnen sei­ne Befug­nis­se über­schritt, und Strei­tig­kei­ten zwi­schen ihnen unab­hän­gig zu schlich­ten. Ihre Ent­schei­dun­gen müs­sen end­gül­tig sein, damit das Sys­tem funk­tio­niert.

Doch infol­ge der 44 Jah­re andau­ern­den Bemü­hun­gen krank­haft rei­cher ame­ri­ka­ni­scher Olig­ar­chen, unse­re Regie­rung zu ihrem eige­nen Vor­teil zu kor­rum­pie­ren (die soge­nann­te Rea­gan-Revo­lu­ti­on, Bush, Trump, 1500 Radio­sen­der, drei Fern­seh­sen­der, meh­re­re Zei­tun­gen und ande­re Publi­ka­tio­nen, über 200 Fern­seh­sen­der, Hun­der­te Mil­li­ar­den, die für den Kauf und die anschlie­ßen­de Wahl von Poli­ti­kern aus­ge­ge­ben wur­den), all dies, die ame­ri­ka­ni­sche Demo­kra­tie und Regie­rung, steht nach 240 Jah­ren end­lich kurz vor dem Zusam­men­bruch und wird durch etwas ersetzt, das dem Russ­land Wla­di­mir Putins oder dem Ungarn Vik­tor Orbáns sehr ähn­lich ist.

Der von der Repu­bli­ka­ni­schen Par­tei kon­trol­lier­te Kon­gress ist in bei­den Häu­sern zu einem erbärm­li­chen Abnick­ver­ein für alles gewor­den, was Mil­li­ar­dä­re, Trump, Musk und Indus­trien wie die für fos­si­le Brenn­stof­fe, Krypto/Technologie und Ban­ken wol­len.

Der Prä­si­dent bricht unver­hoh­len Geset­ze und for­dert sowohl den Kon­gress als auch die Gerich­te her­aus, etwas dage­gen zu unter­neh­men.

Und jetzt behaup­tet JD Van­ce, Trump kön­ne tun, was er wol­le, und die Gerich­te igno­rie­ren. (Nur Bun­des­mar­schäl­le kön­nen Bun­des­ge­richts­ur­tei­le durch­set­zen, aber sie arbei­ten für Pam Bon­di und Donald Trump.)

Das ist die Defi­ni­ti­on einer Ver­fas­sungs­kri­se.

Und die Repu­bli­ka­ner am Obers­ten Gerichts­hof haben den gesam­ten kor­rup­ten Deal erleich­tert, indem sie poli­ti­sche Bestechung im Jahr 2010 mit ihrer von Mil­li­ar­dä­ren finan­zier­ten Ent­schei­dung Citi­zens United lega­li­sier­ten.

Infol­ge­des­sen haben alle Repu­bli­ka­ner und die meis­ten Demo­kra­ten Angst davor, dass Elon Musk oder ein ande­rer Mil­li­ar­där sie bei den nächs­ten Vor­wah­len ver­nich­tet. Das Ergeb­nis ist ein legis­la­ti­ver Still­stand, eine Läh­mung der Legis­la­ti­ve.

Trump geht noch einen Schritt wei­ter und hat einem dro­gen­ab­hän­gi­gen, mit Putin ver­keh­ren­den, Regie­rungs­auf­trä­ge anneh­men­den Mil­li­ar­där – sei­nem größ­ten Ein­zel­spen­der, der wahr­schein­lich dafür ver­ant­wort­lich war, dass er Prä­si­dent wur­de – die Erlaub­nis erteilt, auf die pri­va­ten Infor­ma­tio­nen jedes ame­ri­ka­ni­schen Bür­gers und Unter­neh­mens zuzu­grei­fen, gan­ze vom Kon­gress geschaf­fe­ne und finan­zier­te Behör­den auf­zu­lö­sen und meh­re­re Unter­su­chun­gen sei­ner eige­nen Geschäfts­prak­ti­ken zu stop­pen.

Dies ist … als Krieg gegen Ame­ri­ka und unser Regie­rungs­sys­tem zu defi­nie­ren. Ein Krieg, der Ame­ri­kas Fein­de, ins­be­son­de­re den rus­si­schen Prä­si­den­ten Putin und den chi­ne­si­schen Staats­prä­si­den­ten Xi, abso­lut begeis­tern muss. Vor allem jetzt, wo Musk die Schlie­ßung von Voice of Ame­ri­ca for­dert, die Putin und Xi genau­so has­sen, wie sie USAID gehasst haben.

Aber es geht sogar noch wei­ter. Trump und Musk bewe­gen Ame­ri­ka – mit ihren Angrif­fen auf die Pres­se, das Wahl­recht und die Wahr­heit selbst – rasch in Rich­tung eines auto­ri­tä­ren Poli­zei­staats, wie ihn meh­re­re der Män­ner, die Trump zu lie­ben scheint, errich­tet haben.

Trump hat sich wei­ter über die Ver­fas­sung hin­weg­ge­setzt und den reichs­ten Mann der Welt ermäch­tigt, meh­re­re Bun­des­be­hör­den anzu­grei­fen und mög­li­cher­wei­se zu zer­stö­ren, die, natür­lich rein zufäl­lig, sei­ne Geschäf­te unter­such­ten (…)

Musks 277 Mil­lio­nen Dol­lar teu­re Inves­ti­ti­on, um Trump zu wäh­len – lega­li­siert von fünf kor­rup­ten Repu­bli­ka­nern am Obers­ten Gerichts­hof – hat sich bis­her aus­ge­zahlt.

Will­kom­men in Madi­sons „Defi­ni­ti­on von Tyran­nei“.

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Mattiello am Mittwoch 24/7
Die Reichsidee 166

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