Neu­es­te Pres­se­mel­dung: Im Ber­li­ner Tier­gar­ten wur­de ges­tern die mit dem Sockel zusam­men über 7 Meter hohe ver­gol­de­te Sta­tue von Bun­des­kanz­ler Frie­de­rich Merz ent­hüllt und von einem evan­ge­li­schen Pfar­rer — einem glü­hen­den Ver­eh­rer von Merz — geseg­net.

Den geneig­ten Lese­rin­nen und Lesern dürf­te es gleich gehen wie dem birsfaelder.li-Schreiberling: eine völ­lig abstru­se und lächer­li­che Geschich­te … Aber genau das ist vor weni­gen Tagen in den USA gesche­hen: die Ein­wei­hung und Seg­nung des ver­gol­de­ten Kon­ter­feis Trumps auf sei­nem Golf­platz in Flo­ri­da.
Wenn es äus­se­re Sym­bo­le dafür gibt, in wel­che Schief­la­ge die ame­ri­ka­ni­sche Demo­kra­tie inzwi­schen gera­ten ist, dann ist der ver­gol­de­te Trump ein per­fek­tes Bei­spiel.

Einen guten Kom­men­tar dazu lie­fert der TheAt­lan­tic-Jour­na­list Gal Becker­man. Hier ein Aus­zug:
Manch­mal scheint Trumps Wunsch, sein über­gro­ßes Ego in sei­ner phy­si­schen Umge­bung wider­ge­spie­gelt zu sehen, Din­ge in Gold zu hül­len, sie über­di­men­sio­nal zu gestal­ten und dann sei­nen Namen dar­auf zu pran­gen, kei­ne Gren­zen zu ken­nen: der Ball­saal, der den Ost­flü­gel ver­schlang; der geplan­te „Arc de Trump“; das bald kom­plett reno­vier­te Ken­ne­dy Cen­ter – par­don, Trump Ken­ne­dy Cen­ter. Jetzt will er den Dul­les Air­port und die Penn Sta­ti­on nach sich selbst umbe­nen­nen.

Doch wenn er hofft, an die Gran­dio­si­tät ver­gan­ge­ner Welt­füh­rer anzu­knüp­fen, hat er noch einen wei­ten Weg vor sich:
Hat Trump eine Aus­ga­be von The Art of the Deal mit sei­nem eige­nen Blut abschrei­ben las­sen (um Sad­dam Hus­s­eins
ganz beson­de­rem Koran Kon­kur­renz zu machen)? Läuft er mit einer Cli­que von Fox-News-Mode­ra­to­rin­nen her­um, die AK-47 tra­gen (à la Muammar Gad­da­fis ama­zo­nen­haf­te Wachen)?

Nein und nein. Oder viel­leicht noch nicht.

Aber die Nach­rich­ten über die Sta­tue las­sen einen dar­über nach­den­ken, wel­che neu­en Gren­zen der prä­si­dia­len Selbst­ver­herr­li­chung noch vor uns lie­gen. Das Pro­jekt wur­de von einer Grup­pe von Kryp­to­wäh­rungs­in­ves­to­ren orga­ni­siert, die dafür 300.000 Dol­lar gesam­melt haben und es nut­zen, um für eine Meme­co­in namens $PATRIOT zu wer­ben. Der Bild­hau­er hat­te unter­des­sen kei­ne Ahnung, dass sein Kunst­werk auf die­se Wei­se für Wer­be­zwe­cke genutzt wer­den wür­de. … Was Trump angeht, so ist er von dem, was er bis­her gese­hen hat, begeis­tert – „Es SIEHT FANTASTISCH aus“, schrieb er in einem Brief an einen der Orga­ni­sa­to­ren – und so wird die Sta­tue höchst­wahr­schein­lich nicht nur in Kür­ze in Miami auf­ge­stellt (was inzwi­schen gesche­hen ist), son­dern eine klei­ne­re Ver­si­on könn­te auch auf dem Weg ins Wei­ße Haus sein.

Habt bit­te Geduld mit mir, wenn ich etwas sage, das vie­le viel­leicht geschmack­los fin­den: Lasst uns noch mehr davon haben. Der wirk­sams­te Weg, die bei­spiel­lo­se Selbst­sucht von Trumps Prä­si­dent­schaft her­vor­zu­he­ben, waren schon immer Momen­te, in denen ihre Abnor­mi­tät erbärm­lich und unbe­streit­bar ist. Momen­te, die einen Kon­trast bie­ten. Er trennt Fami­li­en. Er schickt mas­kier­te Bun­des­agen­ten aus, um ver­schie­de­ne ame­ri­ka­ni­sche Städ­te zu ter­ro­ri­sie­ren. Er bezeich­net sei­ne Fein­de als „Unge­zie­fer“ und „Abschaum“ undSchwein­chen“. Für eini­ge sei­ner Anhän­ger ist dies offen­bar erfri­schend, das Zei­chen eines Prä­si­den­ten, der bereit ist, die Wahr­heit zu sagen und ver­al­te­te Nor­men zu durch­bre­chen. Doch meist haben die­se Momen­te sei­ne Unter­stüt­zung unter­gra­ben, selbst unter sei­nen Wäh­lern, weil sie jeden zwin­gen, das wah­re Gesicht von Trump zu betrach­ten.

Ob man nun Prä­si­dent ist oder nicht: Die Befür­wor­tung einer 4,5 Meter hohen gol­de­nen Sta­tue von sich selbst deu­tet ent­we­der auf ein enor­mes Ego oder auf den Drang hin, Angst zu schü­ren – oder bei­des. In auto­ri­tä­ren Län­dern, in denen das Bild des „Gelieb­ten Füh­rers“ an öffent­li­chen oder sogar pri­va­ten Orten obli­ga­to­risch ist – wäh­rend der Kul­tur­re­vo­lu­ti­on war ein Mao-Zedong-Por­trät in der eige­nen Woh­nung Pflicht –, birgt dies zudem die Gefahr, Unsi­cher­heit zu signa­li­sie­ren. Das Objekt der erzwun­ge­nen Idol­ver­eh­rung könn­te damit kom­pen­sie­ren, ein Sterb­li­cher mit irdi­scher Macht zu sein, indem es sich buch­stäb­lich als all­ge­gen­wär­tig oder über­le­bens­groß dar­stellt.

Eine sol­che Selbst­ver­herr­li­chung war noch nie eine attrak­ti­ve Sei­te von Trump – auch nicht für vie­le sei­ner Anhän­ger. Umfra­gen zei­gen, dass sei­ne Wäh­ler wol­len, dass er Din­ge erle­digt: die Wirt­schaft saniert und erschwing­lich macht, Stär­ke auf der Welt­büh­ne aus­strahlt, gute Deals abschließt. Die Auf­po­lie­rung sei­nes Per­so­nen­kults steht, abge­se­hen von den Ver­blen­de­ten oder Trol­len, nicht auf die­ser Lis­te. Des­halb könn­ten die­je­ni­gen, die gegen Trump sind, in Betracht zie­hen, beim Anblick fal­scher Ido­le zu schwei­gen. Sta­tu­en und Namens­schil­der zei­gen bes­ser als alles ande­re, wie sehr sei­ne Vor­stel­lung von Macht von der tra­di­tio­nel­len Insti­tu­ti­on des ame­ri­ka­ni­schen Prä­si­den­ten­am­tes abweicht.

Fort­set­zung am kom­men­den Don­ners­tag, den 21. Mai

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Mattiello am Mittwoch 26/20
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