Am kom­men­den Sonn­tag wird in Ungarn gewählt, — und es wird eine Schick­sals­wahl sein, ob die Trump Däm­me­rung defi­ni­tiv nach Euro­pa über­schwap­pen wird oder nicht. Trump hat ein gros­ses Inter­es­se dar­an, dass sein Bun­des­ge­nos­se Vik­tor Orban wei­ter­hin an der Macht bleibt, und so schickt er nach dem Besuch des Aus­sen­min­ins­ters Rubio kurz vor der Wahl noch rasch den Vize­prä­si­den­ten JD Van­ce vor­bei, um die Pro­pa­gan­dat­rom­mel für Orban zu rüh­ren.

Es ist inter­es­sant, die Ana­ly­sen zwei­er Medi­en im Vor­feld der Wahl zu ver­glei­chen, die sich auf der ent­ge­gen­ge­setz­ten Sei­ten des poli­ti­schen Spek­trums posi­tio­nie­ren: The Atlan­tic, die alt­ehr­wür­di­ge bald 170 Jah­re alte ame­ri­ka­ni­sche Monats­zeit­schrift, die einen dezi­dier­ten Anti-Trump-Kurs fährt, auf der einen Sei­te, auf der ande­ren die über 90 Jah­re alte Welt­wo­che, die seit ein paar Jah­ren zum rech­ten popu­lis­ti­schen und Trump-affi­nen Kampf­blatt mutier­te.

The Atlan­tic-Kolum­nis­tin Anne App­le­baum schil­dert in ihrem Arti­kel “Der ers­te poli­ti­sche Wahl­kampf der Post-Realität”, wie die Orban Regie­rung mit freund­li­cher Unter­stüt­zung Putins ver­sucht, den Her­aus­for­de­rer Peter Magyar mit allen Mit­teln zu dis­kre­di­tie­ren, — Fake News vom feins­ten.  Zu Orban meint sie:
Nach 16 Jah­ren im Amt, zuzüg­lich einer frü­he­ren drei­jäh­ri­gen Amts­zeit, hat Orbán sein Land zum kor­rup­tes­ten in der Euro­päi­schen Uni­on, zu einem der ärms­ten und sicher­lich zum unfrei­es­ten gemacht. Sei­ne Par­tei, Fidesz, kon­trol­liert nun die meis­ten Uni­ver­si­tä­ten, den öffent­li­chen Dienst, die obers­ten Gerich­te und über ein Netz­werk von Olig­ar­chen fast alle Zei­tun­gen und Rund­funk­an­stal­ten sowie etwa ein Fünf­tel der Wirt­schaft, wie unab­hän­gi­ge Öko­no­men schät­zen. Die all­ge­mei­ne Para­noia vor Fidesz-Spio­nen führt dazu, dass Buda­pest wie­der zu einer Stadt gewor­den ist, in der die Men­schen ihre Stim­me sen­ken, wenn sie in der Öffent­lich­keit über Poli­tik spre­chen.
Ange­sichts die­ses Ein­flus­ses kann sich Fidesz, das in den meis­ten Umfra­gen weit zurück­liegt, der Ver­ant­wor­tung für die Sta­gna­ti­on in Ungarn nicht ent­zie­hen, und so spre­chen weder die Par­tei noch ihr Vor­sit­zen­der viel über Ungarn, des­sen rück­läu­fi­ge Indus­trie­pro­duk­ti­on oder des­sen schrump­fen­de Bevöl­ke­rung.

Gera­de­zu spie­gel­ver­kehrt meint der Jour­na­list Kurt W. Zim­mer­mann in der Welt­wo­che:
Objek­tiv ist die Amts­zeit von Orbán in Ord­nung. Der Lebens­stan­dard ist in sei­ner Amts­zeit deut­lich gestie­gen, Ungarn ist heu­te das füh­ren­de Land Euro­pas in der Auto­mo­bil­in­dus­trie, die Ener­gie­prei­se sind die tiefs­ten in Euro­pa, die Migra­ti­on und die damit impor­tier­te Kri­mi­na­li­tät sind unter Kon­trol­le, die Steu­ern sind tief. Und aus dem Diri­gis­mus und der Kriegs­be­geis­te­rung der EU hat man sich her­aus­ge­hal­ten.
Und Buda­pest, im Stadt­bild per­ma­nent auf­ge­bes­sert und dadurch schö­ner als je, ist inzwi­schen ein Hot­spot als Par­ty­stadt und Euro­pas belieb­tes­ter Gast­ge­ber für sport­li­che Gross­ereig­nis­se von Fuss­ball über Leicht­ath­le­tik bis Was­ser­sport.
Dafür bekommt Magyar von Zim­mer­mann sein Fett weg:
Magyar ist “ein talen­tier­ter Schla­wi­ner” mit unzäh­li­gen Frau­en­ge­schich­ten. “Magyar ist ein poli­ti­sches Cha­mä­le­on. Bis im Febru­ar 2024 war Magyar ein treu­er Gefolgs­mann von Vik­tor Orbán und des­sen Fidesz-Par­tei. Dort aber mach­te man ihm klar, dass man ihn als Juris­ten zwar für fach­lich kom­pe­tent, cha­rak­ter­lich aber unge­eig­net für eine poli­ti­sche Kar­rie­re hal­te.” (…)
” Beson­ders bei den jun­gen Wäh­lern wur­de Magyar bald zu einem Pop­star der Poli­tik. Bei sei­nen abend­li­chen Wahl­kampf­re­den hal­ten sie beleuch­te­te Han­dys und Fackeln in die Luft, so wie sonst nur bei Kon­zer­ten von Jus­tin Bie­ber. Einem Pop­star sieht man Skan­da­le nach, auch bei Magyar. Sein übels­ter Skan­dal war, wie er sei­ne eige­ne Frau miss­brauch­te …”
“Im Gegen­satz zu Péter Magyar ist Vik­tor Orbán aus Husa­ren­sicht ein schreck­li­cher Lang­wei­ler. Seit vier­zig Jah­ren mit der­sel­ben Frau ver­hei­ra­tet, fünf Kin­der, sechs Enkel­kin­der, kei­ne pri­va­ten Affä­ren, kei­ne Sei­ten­sprün­ge und ein Kirch­gän­ger dazu.”
Kommt dazu dass Orban “ein Net­wor­ker (ist), wie es kaum einen zwei­ten gibt. Mit den drei wah­ren Macht­ha­bern die­ser Welt, den Num­mern eins aus den USA, Russ­land und Chi­na, sitzt er weit­aus häu­fi­ger zusam­men (offen­sicht­lich ein gros­ses Kom­pli­ment …) als etwa ein Bun­des­kanz­ler Fried­rich Merz und ein Prä­si­dent Emma­nu­el Macron, mit denen er auch in der EU auf Augen­hö­he strei­tet. Es gibt welt­weit kei­nen ande­ren Poli­ti­ker aus einem Klein­staat, der wie Orbán zu den Gros­sen im inter­na­tio­na­len Kon­zert der Poli­tik gehört.
Orbáns Wider­sa­cher Péter Magyar kennt Trump, Putin, Milei, Merz, Macron und Xi nur aus dem Fern­se­hen. Er hat noch kei­nen von ihnen in sei­nem Leben per­sön­lich getrof­fen. Er ist ein unga­ri­scher Jun­ge, ein fre­cher Schla­wi­ner, aber noch mit beschränk­tem Hori­zont.”

Selbst­ver­ständ­lich beju­belt die Welt­wo­che den JD-Van­ce-Besuch: “Ver­tei­di­ger des Abend­lands”. Es ist für sie klar, wohin die Rei­se in Ungarn — und in der Schweiz — zu gehen hat, als Vor­spiel für die euro­päi­sche Rei­se mit Le Pen, AfD und SVP am Steu­er­ru­der …

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