Sind die beiden Beispiele spontaner Erinnerungen von Kindern — hier und hier — beweiskräftig für die Tatsache der Reinkarnation? Nach sog. “objektiven” wissenschaftlichen Kriterien sicher nicht, aber wenn man sich mit ein paar weiteren Dutzend solcher Geschichten auseinandersetzt, verdichtet sich die Überzeugung, dass man das Phänomen solcher Rückerinnerungen unbedingt ernst nehmen sollte.
Bevor wir uns der Frage zuwenden, welche Folgen die Tatsache der menschlichen Reinkarnation auf unser Weltbild hätte — gerade auch und insbesondere auf das christliche -, werfen wir einen Blick auf die zweite Kategorie von Reinkarnationserinnerungen, nämlich jene, die spontan im Laufe einer psychotherapeutischen Behandlung auftauchen, oder jene, die bewusst evoziert werden (sog. Rückführungen).
Christopher Bache in seinem Buch “Lifecycles: Reincarnation and the Web of Life”:
Während sich nur selten Menschen spontan an frühere Leben erinnern, gibt es heute nicht wenige, die solche Erinnerungen durch die Anwendung irgendeiner Methode zur Bewusstseinserweiterung gezielt hervorrufen. Das Spektrum der modernen Psychotherapien umfasst auch eine Reihe von Techniken, die offenbar in der Lage sind, Erinnerungen an frühere Leben ins Bewusstsein zu heben.
Die traditionelle Psychologie hält natürlich wenig von diesen Praktiken, weil es nach den ihr zugrundeliegenden Voraussetzungen in der Psyche Erinnerungen an frühere Leben nicht geben kann.
Die meisten Persönlichkeitstheorien basieren auf der Nur-Einmal-Weltanschauung und betrachten es daher als erwiesen, dass in der Psyche nichts sein kann, was auf Erfahrungen vor der Existenz dieses ihres spezifischen Körpers zurückzuführen wäre. Würde man diese Erinnerungen als legitim akzeptieren, so zöge das unweigerlich eine grundsätzliche Überprüfung der psychologisch-philosophischen Maximen nach sich, und davor schreckt die Mehrzahl der Theoretiker zurück. Die meisten Psychologen sind viel zu sehr damit beschäftigt zu beweisen, dass sie echte Wissenschaftler sind, als dass sie es wagen würden, die “wissenschaftliche” Prämisse des metaphysischen Naturalismus aufzugeben.
Die wahrscheinlich am häufigsten verwendete Methode zur Aufdeckung von Erinnerungen an frühere Leben ist die Hypnose, eine Technik zur selektiven Bündelung der Aufmerksamkeit. … So wie die Hypnose heute eingesetzt wird, erreicht sie tiefere Schichten der Psyche, als noch vor ein paar Jahrzehnten denkbar gewesen wäre.
Der gegen die Hypnose als Quelle von Beweisen für die Reinkarnation am häufigsten vorgebrachte Einwand ist der Hinweis auf die grosse Beeinflussbarkeit des Klienten durch den Therapeuten, der diesem alles mögliche suggerieren kann. Aller berechtigten Skepsis zum Trotz glaube ich jedoch, dass sowohl die Beeinflussbarkeit der Hypnotisierten als auch die Naivität der Therapeuten oft übertrieben dargestellt wird. Ausserdem erklären die Kritiker nicht, wie es kommt, dass in hypnotischen Sitzungen manchmal verifizierbare Informationen über andere Leben zutage treten. Wenn alles nur auf Suggestion beruht, wie schafft es dann die Suggestion, zutreffende Informationen freizusetzen, die vorher weder dem Therapeuten noch dem Klienten bekannt waren?
Wenn man das Konzept der Reinkarnation akzeptiert, stellen sich selbstverständlich noch andere gewichtige Fragen, z.B.:
● Ist es überhaupt sinnvoll und nötig, sich mit seinen vergangenen Leben auseinandersetzen zu wollen?
● Wenn ich etwa mit traumatischen Erfahrungen aus einem früheren Leben konfrontiert werde, was macht das mit mir in diesem Leben?
In der nächsten Folge schauen wir uns ein eindrückliches Beispiel einer Frau in Australien an, die sich während einer Rückführung an ihr früheres Leben in England erinnerte.
Dazu mehr in der nächsten Folge am kommenden Freitag, den 20. Juni.
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