Hier folgt der nächs­te Teil der aus­führ­li­chen Ana­ly­se von Thom Hart­mann in “Donald Trump, The Last Ame­ri­can Pre­si­dent”, war­um es mög­lich wur­de, dass ein Donald Trump es an die Spit­ze der USA schaff­te.
Wenn Nixon den Ent­wurf für die Ras­sen­stra­te­gie der Repu­bli­ka­ni­schen Par­tei lie­fer­te, per­fek­tio­nier­te Ronald Rea­gan deren Umset­zung. Mit sei­nem Hol­ly­wood-Charme konn­te Rea­gan Bot­schaf­ten mit einem Lächeln ver­mit­teln, die aus Nixons Mund unheim­lich geklun­gen hät­ten.

Am 3. August 1980 ent­schied sich Rea­gan, sei­ne Wahl­kam­pa­gne in Phil­adel­phia, Mis­sis­sip­pi, zu star­ten, wo 1964 drei Bür­ger­recht­ler vom Ku-Klux-Klan ermor­det wor­den waren. In der Nähe des Schau­plat­zes die­ses berüch­tig­ten ras­sis­ti­schen Ver­bre­chens (das spä­ter in dem Film Mis­sis­sip­pi Bur­ning ver­filmt wur­de) erklär­te Rea­gan: „Ich glau­be an die Rech­te der Bun­des­staa­ten.“ Nie­mand in dem aus­schließ­lich wei­ßen Publi­kum miss­ver­stand sei­ne Aus­sa­ge; mit Rea­gan hat­te die Repu­bli­ka­ni­sche Par­tei die Kunst des ras­sis­ti­schen Dog Whist­le per­fek­tio­niert.

Nach sei­nem Amts­an­tritt setz­te Rea­gan mit chir­ur­gi­scher Prä­zi­si­on kul­tu­rel­le Sün­den­bö­cke ein. Er erfand den Mythos der „Wel­fa­re Queen“, einer angeb­li­chen Frau aus Chi­ca­go, die „80 Namen, 30 Adres­sen und 12 Sozi­al­ver­si­che­rungs­kar­ten hat und Vete­ra­nen­ren­ten für vier nicht exis­tie­ren­de ver­stor­be­ne Ehe­män­ner bezieht“. Obwohl er sie nie aus­drück­lich als Schwar­ze iden­ti­fi­zier­te, war der ras­sis­ti­sche Sub­text mehr als deut­lich. Rea­gan gab Ame­ri­ka einen mäch­ti­gen Mythos: dass Min­der­hei­ten, „Sozi­al­be­trü­ger” und „libe­ra­le Eli­ten” das Pro­blem sei­en, nicht Mil­li­ar­dä­re und Kon­zer­ne, die die Wirt­schaft mani­pu­lie­ren. Er ver­pack­te sei­ne regres­si­ve Wirt­schafts­po­li­tik in ras­sis­ti­sche, geschlechts­spe­zi­fi­sche und kul­tu­rel­le Res­sen­ti­ments und lehr­te die Repu­bli­ka­ner, dass die Plu­to­kra­tie Wah­len gewin­nen kön­ne, wenn sie aus­rei­chend getarnt sei.

Trump wie­der­hol­te die­se For­mel spä­ter fast wort­wört­lich, nur lau­ter, der­ber und ohne Rea­gans dis­zi­pli­nier­te Aus­drucks­wei­se. Der Unter­schied lag nicht in der Art, son­dern im Aus­maß. (…) Was Trumps Über­nah­me bemer­kens­wert macht, ist nicht, dass er etwas völ­lig Neu­es ein­ge­führt hat, son­dern dass er einen Wirt voll­stän­dig kon­su­miert hat, der über Jahr­zehn­te hin­weg kor­rum­piert wur­de, zuerst durch Nixons Skan­da­le, dann durch Rea­gans Poli­tik, die die Sicher­heit der Mit­tel­schicht unter­grub, und schließ­lich durch die Steu­er­sen­kun­gen und kata­stro­pha­len Krie­ge von Bush und Che­ney. Wie der Cor­dy­ceps-Pilz, der Amei­sen infi­ziert und ihr Ver­hal­ten kon­trol­liert, führ­te Trump nicht nur die Repu­bli­ka­ni­sche Par­tei, son­dern ergriff auch die Kon­trol­le über ihr Gehirn, lenk­te ihr Ver­hal­ten um und ernähr­te sich gleich­zei­tig von ihrem insti­tu­tio­nel­len Kör­per.

Die höchst effi­zi­en­te Stra­te­gie, den poli­ti­schen Geg­ner — die demo­kra­ti­sche Par­tei — sys­te­ma­tisch nicht als Geg­ner, son­dern als mit allen Mit­teln zu bekämp­fen­den Feind abzu­stem­peln, wur­de vom Repu­bli­ka­ner Newt Ging­rich ent­wi­ckelt:
Ging­rich wur­de im Janu­ar 1995 Spre­cher des Reprä­sen­tan­ten­hau­ses, nach­dem Mil­li­ar­dä­re und rech­te Medi­en Prä­si­dent Clin­tons ers­te zwei Jah­re als kor­rupt und sozia­lis­tisch cha­rak­te­ri­siert hat­ten. Er lehn­te aus­drück­lich die tra­di­tio­nel­le Ansicht ab, dass Poli­ti­ker zum Woh­le aller über Par­tei­gren­zen hin­weg zusam­men­ar­bei­ten soll­ten. Statt­des­sen pre­dig­te er, dass Poli­tik wie Krieg geführt wer­den soll­te, mit Fein­den und weni­gen Regeln.

Ging­rich ver­öf­fent­lich­te 1990 ein Memo mit dem Titel „Spra­che: Ein wich­ti­ger Kon­troll­me­cha­nis­mus“, in dem er repu­bli­ka­ni­sche Kan­di­da­ten anwies, Demo­kra­ten mit Wor­ten wie „Ver­rä­ter“, „erbärm­lich“, „krank“, „kor­rupt“ und „flag­gen­feind­lich“ zu bezeich­nen. Das Memo, das über sei­ne Orga­ni­sa­ti­on GOPAC ver­brei­tet wur­de, ent­hielt Lis­ten mit nega­ti­ven „kon­tras­tie­ren­den Wör­tern”, die für Demo­kra­ten ver­wen­det wer­den soll­ten, und „opti­mis­ti­schen, posi­ti­ven Regie­rungs­wör­tern” für Repu­bli­ka­ner. Es ging nicht um poli­ti­sche Mei­nungs­ver­schie­den­hei­ten, son­dern dar­um, die Medi­en zu nut­zen, um Demo­kra­ten zu dämo­ni­sie­ren und damit die Ver­wei­ge­rung der Zusam­men­ar­beit zu recht­fer­ti­gen.

Gleich­zei­tig grün­de­ten Rupert Mur­doch und Roger Ailes im Okto­ber 1996 Fox News und ver­än­der­ten damit nicht nur die Medi­en­land­schaft, son­dern auch die ame­ri­ka­ni­sche Men­ta­li­tät. Fox prä­sen­tier­te sich als Kor­rek­tiv zur „libe­ra­len Vor­ein­ge­nom­men­heit“. Sein Slo­gan „Fair and Balan­ced“ (fair und aus­ge­wo­gen) impli­zier­te, dass ande­re Nach­rich­ten­quel­len unfair sei­en. Aber von Anfang an war Fox nicht dar­auf aus­ge­legt, zu infor­mie­ren, son­dern zu beein­flus­sen, indem es ein par­al­le­les Infor­ma­ti­ons­öko­sys­tem schuf, in dem kon­ser­va­ti­ve Nar­ra­ti­ve als Fak­ten prä­sen­tiert wur­den. (…)

Die­se Kom­bi­na­ti­on war töd­lich für die Demo­kra­tie und leg­te den Grund­stein für die heu­ti­ge MAGA-GOP. Ging­rich pre­dig­te, dass Kom­pro­mis­se eine Schwä­che sei­en und die Regie­rung selbst der Feind sei. Fox News gab den Repu­bli­ka­nern ein lan­des­wei­tes Sprach­rohr. Gemein­sam schu­fen sie ein Umfeld, in dem Fak­ten optio­nal wur­den, Ver­schwö­rungs­theo­rien flo­rier­ten und die Loya­li­tät gegen­über der Par­tei­füh­rung das Enga­ge­ment für Ame­ri­ka selbst ver­dräng­te.

Fort­set­zung am kom­men­den Don­ners­tag, den 18. Dezem­ber

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