Hier folgt der nächs­te Teil der aus­führ­li­chen Ana­ly­se von Thom Hart­mann in “Donald Trump, The Last Ame­ri­can Pre­si­dent”, war­um es mög­lich wur­de, dass ein Donald Trump es an die Spit­ze der USA schaff­te. Ein ent­schei­dend wich­ti­ger Grund ist die lang­sa­me poli­ti­sche Dege­ne­rie­rung und Radi­ka­li­sie­rung der repu­bli­ka­ni­schen Par­tei:
Die Par­tei, die einst behaup­te­te, Lin­colns Erbe zu sein – gegrün­det, um sich gegen die Aus­wei­tung der Skla­ve­rei zu weh­ren, die sich für den Wie­der­auf­bau ein­setz­te, die unter Ted­dy Roo­se­velt für Natur­schutz, Erb­schafts­steu­er und die Kon­trol­le der Macht der Kon­zer­ne ein­trat – hat­te bereits
die Süd­staa­ten-Stra­te­gie ange­nom­men und bewusst die Res­sen­ti­ments der wei­ßen Bevöl­ke­rung geschürt
in ihrer Rhe­to­rik über Kri­mi­na­li­tät, Sozi­al­hil­fe und Ein­wan­de­rung Dog Whist­les zu Mega­pho­nen gemacht
mil­li­ar­den­schwe­re Spen­der mit evan­ge­li­ka­len Chris­ten in einer unhei­li­gen Alli­anz aus Plu­to­kra­tie und Theo­kra­tie ver­hei­ra­tet
die Medi­en von einer Quel­le gemein­sa­mer Fak­ten in eine Pro­pa­gan­da­ma­schi­ne ver­wan­delt

Trump hat ledig­lich das Streich­holz ange­zün­det, das die­se explo­si­ve Mischung ent­flammt hat. Aber das “Brenn­holz” war über Jahr­zehn­te hin­weg mit Mil­li­ar­den von Dol­lar sorg­fäl­tig gesta­pelt wor­den.

Die Trans­for­ma­ti­on der moder­nen Repu­bli­ka­ni­schen Par­tei begann mit Richard Nixon und den Wah­len von 1968. Ame­ri­ka befand sich in Auf­ruhr: Die Bür­ger­rechts­be­we­gung stell­te die seit lan­gem bestehen­den Ras­sen­hier­ar­chien in Fra­ge, der Viet­nam­krieg führ­te zu einem Gene­ra­ti­ons­kon­flikt, und die Ermor­dung von Mar­tin Luther King Jr. und Robert Ken­ne­dy trau­ma­ti­sier­te die Nati­on.

Wie ich in „The Hid­den Histo­ry of the Supre­me Court and the Betra­y­al of Ame­ri­ca“ aus­führ­lich dar­ge­legt habe, wis­sen wir heu­te, dass Prä­si­dent John­son und Vize­prä­si­dent Hum­phrey bis zum Spät­som­mer 1968 ein Frie­dens­ab­kom­men mit den Viet­na­me­sen aus­ge­ar­bei­tet hat­ten. Nixon wand­te sich über einen Ver­mitt­ler an die Süd­viet­na­me­sen und bot ihnen Unter­stüt­zung an, wenn sie sich wei­gern wür­den, das Abkom­men zu unter­zeich­nen, was John­son dazu ver­an­lass­te, Sena­tor Ever­ett Dirk­sen anzu­ru­fen und sich zu beschwe­ren, dass „dies Ver­rat“ sei. (Dirk­sen ant­wor­te­te: „Ich weiß.”) Infol­ge­des­sen star­ben wäh­rend Nixons Prä­si­dent­schaft eine wei­te­re Mil­li­on Viet­na­me­sen und über zwan­zig­tau­send ame­ri­ka­ni­sche Sol­da­ten.

Aber das war nur der Auf­takt zu dem, was noch fol­gen soll­te. Anstatt an das Gute im Men­schen zu appel­lie­ren, sah Nixon eine Chan­ce dar­in, unse­re his­to­ri­schen Dämo­nen aus­zu­nut­zen. (…)

Die Demo­kra­ten unter Lyn­don John­son wuss­ten, als sie 1964 den Civil Rights Act und 1965 den Voting Rights Act ver­ab­schie­de­ten, dass sie damit ihren einst soli­den Ein­fluss im Süden opfer­ten. John­son … erklär­te nach der Unter­zeich­nung des Civil Rights Act sinn­ge­mäß: „Wir haben den Süden für eine Gene­ra­ti­on ver­lo­ren.“

Nixon sah in die­sen unzu­frie­de­nen wei­ßen Wäh­lern aus dem Süden den Schlüs­sel zu einer neu­en repu­bli­ka­ni­schen Mehr­heit. So ent­stand die „Süd­staa­ten­stra­te­gie“ der Repu­bli­ka­ner, ein bewuss­ter Ver­such, die Ängs­te der wei­ßen Bevöl­ke­rung anzu­spre­chen, ohne dabei expli­zit ras­sis­ti­sche Spra­che zu ver­wen­den.

Nixons poli­ti­scher Stra­te­ge Kevin Phil­lips äußer­te sich 1970 in einem Arti­kel der New York Times bemer­kens­wert offen: „Von nun an wer­den die Repu­bli­ka­ner nie mehr als 10 bis 20 Pro­zent der Stim­men der Schwar­zen erhal­ten, und mehr brau­chen sie auch nicht. Je mehr Schwar­ze sich im Süden als Demo­kra­ten regis­trie­ren las­sen, des­to eher wer­den die Negro­pho­ben unter den Wei­ßen die Demo­kra­ten ver­las­sen und Repu­bli­ka­ner wer­den. Dort lie­gen die Stim­men.“

Anstatt das N‑Wort zu ver­wen­den, began­nen die Repu­bli­ka­ner, ver­schlüs­sel­te Aus­drü­cke wie „Recht und Ord­nung“, „Rech­te der Bun­des­staa­ten“ und „zwangs­wei­se Bus­be­för­de­rung“ zu ver­wen­den. Wie der Stra­te­ge Lee Atwa­ter spä­ter in einem offe­nen Inter­view von 1981 zugab: „1954 fängt man an, indem man sagt: ‚N‑Wort, N‑Wort, N‑Wort‘. 1968 kann man das N‑Wort nicht mehr sagen – das scha­det einem. Also sagt man Din­ge wie Zwangs­bus­se, Rech­te der Bun­des­staa­ten … Man wird so abs­trakt. ‚Wir wol­len das kür­zen‘ ist viel abs­trak­ter als sogar die Bus­sen­sa­che und ver­dammt viel abs­trak­ter als das N‑Wort.“

Die­se Stra­te­gie zahl­te sich mas­siv aus. Bei den Wah­len 1968 gewann Nixon fünf Süd­staa­ten, die seit Gene­ra­tio­nen Hoch­bur­gen der Demo­kra­ten waren. 1972 gewann er alle Süd­staa­ten und zeich­ne­te damit zynisch die Kar­te der ame­ri­ka­ni­schen Poli­tik ent­lang eth­ni­scher Gren­zen neu.

Fort­set­zung am kom­men­den Don­ners­tag, den 11. Dezem­ber

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