Die Ermor­dung des rech­ten Akti­vis­ten Char­lie Kirk am 10. Sep­tem­ber lässt in den Medi­en all­seits die Wogen hoch­ge­hen. Abge­se­hen von der Fra­ge nach der Moti­va­ti­on des Atten­tä­ters ist eine heis­se Inter­pre­ta­ti­on um sei­ne Per­son ent­brannt: Wer war er? Wel­che Wer­te ver­trat er?
Was offen­sicht­lich ist: Char­lie Kirk war ein glü­hen­der Ver­eh­rer von Donald Trump, und es gibt Stim­men, die sogar behaup­ten, dass er mit sei­ner Stu­den­ten­or­ga­ni­sa­ti­on “Tur­ning Point USA” 2024 das Züng­lein an der Waa­ge zum Wahl­sieg Trumps gewe­sen sei. Est ist daher fol­ge­rich­tig, dass Welt­wo­che-Chef­re­dak­tor Roger Köp­pel — abge­se­hen davon, dass er das Atten­tat mit vol­lem Recht anpran­gert — in sei­nem letz­ten WW-Edi­to­ri­al vol­ler Ent­rüs­tung auch “die Lin­ke” in der Schweiz an den Pran­ger stellt:
Der Mord­fall Kirk ist ein beson­ders abscheu­li­ches Bei­spiel lin­ker Can­cel-Cul­tu­re in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten. Das lässt sich auch an den zum Teil wider­li­chen Reak­tio­nen die­ser Krei­se im Inter­net able­sen. Bei Links­aus­sen lös­te das Atten­tat regel­rech­ten Jubel aus, Tri­umph­be­kun­dun­gen gegen einen ver­hass­ten Rech­ten. Selbst in Schwei­zer Dis­kus­si­ons­fo­ren, zum Bei­spiel bei der Bou­le­vard­zei­tung Blick, fin­den sich Ein­trä­ge, die für das Atten­tat gespens­tisch viel Ver­ständ­nis zei­gen. Der Tages­An­zei­ger schrieb zunächst, ver­harm­lo­send und unter Ver­mei­dung des Begriffs Mord, Kirk sei Opfer einer «Tötung» gewor­den, einer «Schies­se­rei», so, als ob der elo­quen­te und erfolg­rei­che Büh­nen­red­ner zufäl­lig in einen Schuss­wech­sel gera­ten sei.

Der Umgang der Main­stream-Medi­en mit dem Atten­tat auf Kirk ist auf­schluss­reich. In kei­ner Bericht­erstat­tung feh­len Hin­wei­se auf angeb­lich «extre­mis­ti­sche» oder «rechts­ra­di­ka­le» Ansich­ten des Erschos­se­nen. Der Tages-Anzei­ger etwa wirft Kirk irri­ger­wei­se «Ras­sis­mus» vor, weil er die Bür­ger­rechts­ge­set­ze der sech­zi­ger Jah­re kri­ti­siert und dort vor allem die im Grun­de ras­sis­ti­sche «affir­ma­ti­ve action», die Ame­ri­ka­ner nicht nach Leis­tung, son­dern nach Haut­far­be bevor­zugt. Das Schwei­zer Fern­se­hen nennt Kirk «christ­lich-fun­da­men­ta­lis­tisch», «rechts­ra­di­kal» und «weiss-natio­na­lis­tisch». Sol­che schä­bi­ge, einen fei­gen Mord fast schon recht­fer­ti­gen­de Ver­ur­tei­lun­gen des Opfers wür­den wir nicht lesen, wenn es sich bei Kirk um einen Lin­ken oder Links­ra­di­ka­len gehan­delt hät­te.

Wer also war Char­lie Kirk? Das müs­sen birsfaelder.li-Leserinnen und Leser sel­ber ent­schei­den. Hier eine klei­ne Hil­fe­stel­lung mit einem Arti­kel aus der New York Times, die kürz­lich eine Zusam­men­stel­lung sei­ner poli­ti­schen und welt­an­schau­li­chen Posi­tio­nen publi­zier­te:
Als einer der ein­fluss­reichs­ten rech­ten Akti­vis­ten in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten präg­te Char­lie Kirk einen Groß­teil der rechts­ra­di­ka­len Jugend­be­we­gung in wich­ti­gen poli­ti­schen Fra­gen. Kirk grün­de­te Tur­ning Point USA, eine poli­ti­sche Orga­ni­sa­ti­on, die jun­ge Kon­ser­va­ti­ve zusam­men­brin­gen soll. Er beant­wor­te­te am Mitt­woch Fra­gen von Stu­den­ten der Utah Val­ley Uni­ver­si­ty zu Trans­gen­der-Poli­tik und Mas­sen­er­schie­ßun­gen, als er erschos­sen wur­de. Die Behör­den haben noch kei­nen Ver­däch­ti­gen iden­ti­fi­ziert und gaben an, dass die Ermitt­lun­gen noch andau­ern.
Hier sind eini­ge der The­men, auf die sich Kirk kon­zen­trier­te, und sei­ne Stand­punk­te dazu:

Geschlechts­iden­ti­tät
Kirk appel­lier­te an kon­ser­va­ti­ve Chris­ten, die die wach­sen­de Akzep­tanz der L.G.B.T.Q.-Gemeinschaft in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten fürch­te­ten. Er stand den Rech­ten von Homo­se­xu­el­len und Trans­gen­der sowie der Tren­nung von Kir­che und Staat kri­tisch gegen­über.
Er ermu­tig­te Stu­den­ten und Eltern, Pro­fes­so­ren zu mel­den, die sie ver­däch­tig­ten, sich für das ein­zu­set­zen, was eini­ge auf der rech­ten Sei­te als Gen­der-Ideo­lo­gie bezeich­nen.
Im Jahr 2021 grün­de­te er TPUSA Faith, eine Orga­ni­sa­ti­on, die laut ihrer Web­site „dazu dient, die Kir­che um die grund­le­gen­de Leh­re zu ver­ei­nen und den Wokeis­mus aus den ame­ri­ka­ni­schen Kan­zeln zu ver­ban­nen“.

Waf­fen­kon­trol­le
Kirk war ein star­ker Befür­wor­ter des Waf­fen­rechts.
Bei einer Ver­an­stal­tung von TPUSA Faith, einer Abtei­lung von Tur­ning Point USA, im Jahr 2023 ver­tei­dig­te er den zwei­ten Ver­fas­sungs­zu­satz als ein wich­ti­ges Mit­tel, um „sich gegen eine tyran­ni­sche Regie­rung zu ver­tei­di­gen“. Er sag­te, dass es in einer Gesell­schaft mit bewaff­ne­ten Bür­gern unmög­lich sei, Todes­fäl­le durch Schuss­waf­fen zu ver­mei­den, aber er glaub­te, dass die Vor­tei­le des Waf­fen­rechts die Kos­ten über­wie­gen wür­den.
„Ich den­ke, es lohnt sich, lei­der jedes Jahr eini­ge Todes­fäl­le durch Schuss­waf­fen in Kauf zu neh­men, damit wir den zwei­ten Ver­fas­sungs­zu­satz haben, um unse­re ande­ren von Gott gege­be­nen Rech­te zu schüt­zen“, sag­te er.
Kirk sag­te, der Weg zur Ver­rin­ge­rung von Waf­fen­ge­walt sei ein­fach: Man müs­se mehr Ame­ri­ka­nern Waf­fen in die Hand geben.
„Wenn unser Geld, unse­re Sport­ver­an­stal­tun­gen und unse­re Flug­zeu­ge bewaff­ne­te Wachen haben, war­um dann nicht auch unse­re Kin­der?“, frag­te er.

Ras­se
Herr Kirk war der Ansicht, dass das Bür­ger­rechts­ge­setz von 1964 eine zer­stö­re­ri­sche Kraft in der ame­ri­ka­ni­schen Poli­tik sei, und bezeich­ne­te des­sen Ver­ab­schie­dung als „Feh­ler“, der sei­ner Mei­nung nach zu einer „Waf­fe gegen Wei­ße“ gewor­den sei.
Er mach­te auch Rever­end Dr. Mar­tin Luther King Jr. für das Gesetz ver­ant­wort­lich und kri­ti­sier­te den ermor­de­ten Bür­ger­rechts­füh­rer scharf, indem er ihn als „schreck­li­chen“ Men­schen bezeich­ne­te. Kirk sag­te, er wün­sche sich eine far­ben­blin­de Gesell­schaft, mach­te jedoch die Ver­eh­rung von Dr. King für das ver­ant­wort­lich, was er als Ame­ri­kas Fixie­rung auf die Ras­se ansah.
Kirk war auch ein ent­schie­de­ner Geg­ner der Affir­ma­ti­ve Action und äußer­te sich äußerst kri­tisch über die Rich­te­rin am Obers­ten Gerichts­hof Ketan­ji Brown Jack­son, die er als „Diver­si­ty-Ein­stel­lung“ bezeich­ne­te, die nicht qua­li­fi­ziert sei, am höchs­ten Gericht zu die­nen.
Sei­ne Ableh­nung von Initia­ti­ven für Viel­falt, Gerech­tig­keit und Inklu­si­on, bekannt als D.E.I., ging so weit, dass er Kom­men­ta­re abgab, die vie­le als ras­sis­tisch ver­ur­teil­ten. Im Jahr 2024 sag­te er: „Wenn ich einen schwar­zen Pilo­ten sehe, den­ke ich mir: ‚Mann, ich hof­fe, er ist qua­li­fi­ziert.‘“
Im Jahr 2021 bezeich­ne­te Kirk in einer Rede in Mank­a­to, Min­ne­so­ta, Geor­ge Floyd – den schwar­zen Mann, des­sen Ermor­dung durch einen Poli­zis­ten in Min­nea­po­lis im Jahr 2020 eine brei­te Bewe­gung für Ras­sen­ge­rech­tig­keit aus­ge­löst hat­te – als „Drecks­kerl“, der kei­ne Auf­merk­sam­keit ver­die­ne.

Anti­se­mi­tis­mus
Kirk wur­de wie­der­holt des Anti­se­mi­tis­mus bezich­tigt, unter ande­rem von ande­ren Kon­ser­va­ti­ven.
Er war ein Befür­wor­ter der „Ersatz­theo­rie“, einer einst mar­gi­na­len Ver­schwö­rungs­theo­rie, die behaup­tet, dass Juden ver­su­chen, wei­ße Ame­ri­ka­ner durch nicht-wei­ße Ein­wan­de­rer zu erset­zen. Die­se Ideo­lo­gie moti­vier­te den Amok­läu­fer, der 2018 in einer Syn­ago­ge in Pitts­burgh elf Gläu­bi­ge töte­te.
Kirk beschul­dig­te jüdi­sche Phil­an­thro­pen außer­dem, durch ihre Unter­stüt­zung libe­ra­ler Anti­ras­sis­mus-Bewe­gun­gen wie Black Lives Mat­ter Anti-Weiß-Ras­sis­mus zu schü­ren.
„Die phi­lo­so­phi­sche Grund­la­ge des Anti-Weiß-Seins wur­de größ­ten­teils von jüdi­schen Spen­dern im Land finan­ziert“, sag­te er 2023 in sei­ner Sen­dung.
Kurz dar­auf beschul­dig­te er Juden, „nicht nur die Hoch­schu­len zu kon­trol­lie­ren, son­dern auch die gemein­nüt­zi­gen Orga­ni­sa­tio­nen, die Fil­me, Hol­ly­wood, ein­fach alles“.
Ver­bün­de­te von Herrn Kirk ver­such­ten oft, ihn gegen Vor­wür­fe des Anti­se­mi­tis­mus zu ver­tei­di­gen, indem sie sei­ne Unter­stüt­zung für Isra­el anführ­ten. Herr Kirk ver­tei­dig­te Isra­els Vor­ge­hen im Gaza­strei­fen. Nach sei­nem Tod trau­er­te der israe­li­sche Minis­ter­prä­si­dent Ben­ja­min Netan­ja­hu um ihn als „einen muti­gen Freund Isra­els“, der „sich für die jüdisch-christ­li­che Zivi­li­sa­ti­on stark gemacht hat“.

Islam
Kirk bezeich­ne­te den Islam als Gefahr für die Ver­ei­nig­ten Staa­ten und wet­ter­te gegen das, was er als „Erobe­rungs­wer­te“ der Reli­gi­on ansah, die „dar­auf abzie­len, Land und Ter­ri­to­ri­um zu über­neh­men“.
„Ame­ri­ka hat natür­lich Reli­gi­ons­frei­heit, aber wir soll­ten offen sein“, sag­te er im April. „Gro­ße, enga­gier­te isla­mi­sche Gebie­te sind eine Bedro­hung für Ame­ri­ka.“
Im Vor­feld der Bür­ger­meis­ter­vor­wah­len in New York City ver­band er eine Erwäh­nung von Zohr­an Mamda­ni, der Mus­lim ist und die demo­kra­ti­sche Nomi­nie­rung gewann, mit Ver­wei­sen auf Al-Qai­da und den 11. Sep­tem­ber, um ihn mit die­sem Ter­ror­an­schlag in Ver­bin­dung zu brin­gen. Der Social-Media-Bei­trag zog Vor­wür­fe der Islam­feind­lich­keit nach sich.
„Die größ­te Stadt Ame­ri­kas wur­de vor 24 Jah­ren vom radi­ka­len Islam ange­grif­fen, und jetzt ist eine ähn­li­che Form die­ser schäd­li­chen Kraft dabei, das Rat­haus zu erobern“, sag­te Kirk im Juni über Mamda­ni auf X.
Die Anschlä­ge vom 11. Sep­tem­ber waren eine prä­gen­de Erfah­rung für Mamda­ni, der damals noch ein Kind war und wie vie­le New Yor­ker auf­grund sei­ner Reli­gi­on als „anders“ pro­fi­liert wur­de, sag­te er in einem Inter­view mit der New York Times. Gleich­zei­tig sag­te er, es sei wich­tig, die Erin­ne­rung an die Getö­te­ten zu wah­ren, und füg­te hin­zu, dass er am Don­ners­tag, dem 24. Jah­res­tag des 11. Sep­tem­ber, an die Opfer und ihre Fami­li­en den­ken wer­de.

Freie Mei­nungs­äu­ße­rung
Kirk war ein selbst­er­nann­ter Ver­fech­ter der frei­en Mei­nungs­äu­ße­rung, und Tur­ning Point USA war bekannt für sein Enga­ge­ment für die freie Mei­nungs­äu­ße­rung.
Die Grup­pe war dafür bekannt, rie­si­ge Gum­mi­bäl­le auf dem Cam­pus auf­zu­stel­len und Stu­den­ten dazu ein­zu­la­den, Kom­men­ta­re auf die Bäl­le zu schrei­ben, um sym­bo­lisch ihr Recht auf freie Mei­nungs­äu­ße­rung aus­zu­üben. Kirk lud Stu­den­ten auch zu Debat­ten mit ihm ein und unter­stütz­te „ver­nünf­ti­ge Mei­nungs­ver­schie­den­hei­ten“.
In meh­re­ren Fäl­len hat Kirk die ers­te Ver­fas­sungs­än­de­rung genutzt, um Uni­ver­si­tä­ten zu ver­kla­gen, die ver­such­ten, sei­ne Anwe­sen­heit zu ver­hin­dern. Kri­ti­ker argu­men­tier­ten, dass Herrn Kirks För­de­rung der Rede­frei­heit von Heu­che­lei geprägt sei, und ver­wie­sen auf die „Pro­fes­sor Watch­list” von Tur­ning Point USA, in der Stu­den­ten auf­ge­for­dert wur­den, Pro­fes­so­ren mit lin­ken Posi­tio­nen auf­zu­lis­ten.

Kli­ma­wan­del
Herr Kirk wies Beden­ken hin­sicht­lich des Kli­ma­wan­dels häu­fig zurück, obwohl Umfra­gen zeigten,dass jun­ge kon­ser­va­ti­ve Wäh­ler die­sem The­ma Prio­ri­tät ein­räu­men. Er behaup­te­te fälsch­li­cher­wei­se, dass es kei­nen wis­sen­schaft­li­chen Kon­sens zum The­ma glo­ba­le Erwär­mung gebe.
Er lehn­te auch die Vor­stel­lung ab, dass der Kli­ma­wan­del eine exis­ten­zi­el­le Bedro­hung für die Mensch­heit dar­stel­le, und bezeich­ne­te ihn im Dezem­ber 2024 gegen­über Mit­glie­dern von Tur­ning Point UK, dem bri­ti­schen Able­ger von Tur­ning Point USA, als „völ­li­gen Unsinn, Blöd­sinn und Geschwätz”.
Im ver­gan­ge­nen Monat war in Kirks Pod­cast Ener­gie­mi­nis­ter Chris Wright zu Gast, der die glo­ba­le Erwär­mung als „nicht beson­ders wich­tig” bezeich­net hat.

Fort­set­zung am kom­men­den Do, den 25. Sep­tem­ber

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