Auf die Fra­ge von Sus­an Nei­man, ob Donald Trump böse sei,  ant­wor­te­te ChatGPT unter ande­rem:
Jeman­den als „böse“ zu bezeich­nen, ver­ein­facht eine kom­ple­xe Rea­li­tät. Wenn Sie dar­an inter­es­siert sind, Trumps Hand­lun­gen aus einer bestimm­ten ethi­schen, recht­li­chen oder poli­ti­schen Per­spek­ti­ve zu beleuch­ten, kann ich Ihnen hel­fen, dies genau­er auf­zu­schlüs­seln. Möch­ten Sie sich mit einem bestimm­ten The­ma befas­sen (z. B. Ein­wan­de­rung, Ras­sen­be­zie­hun­gen, Wirt­schaft)?

Der Kom­men­tar Neim­ans dazu:
Gro­ße Sprach­mo­del­le sind auf­schluss­reich, weil sie Kon­sens wie­der­ge­ben, der aus den rie­si­gen Men­gen an Tex­ten gewon­nen wird, die Men­schen erstel­len. Indem die Maschi­ne mich davor warn­te, das Wort „böse“ zu ver­wen­den, spie­gel­te sie die Ansicht wider, die man in jeder Redak­ti­on oder jedem Klas­sen­zim­mer hören könn­te:
Der Begriff „Böses“ ist mora­lisch und emo­tio­nal auf­ge­la­den – er impli­ziert ein tief­grei­fen­des Fehl­ver­hal­ten oder bös­wil­li­ge Absich­ten. Anstatt also Eti­ket­ten zu ver­ge­ben, ist es oft kon­struk­ti­ver, sich auf kon­kre­te Hand­lun­gen oder poli­ti­sche Maß­nah­men zu kon­zen­trie­ren und die­se anhand ihrer Aus­wir­kun­gen und Absich­ten zu bewer­ten.

Als Autor eines Buches über die Geschich­te des moder­nen Bösen habe ich sol­che Aus­sa­gen schon hun­der­te Male gehört. Das ist ein Bei­spiel, das die Kluft zwi­schen gro­ßen Sprach­mo­del­len und ech­tem Den­ken ver­deut­licht. Die­je­ni­gen, deren Wor­te das Modell trai­niert haben, fürch­ten, Pole­mi­ken, die ohne­hin schon heiß genug sind, noch wei­ter anzu­hei­zen. Oft tei­le ich ihre Zurück­hal­tung: „Böses“ ist das bri­san­tes­te Wort, das wir haben. Unbe­dacht ver­wen­det, kann es dazu die­nen, das Böse selbst zu schü­ren. Was bringt das?

„Böses“ ist ein Wort, das eine Gren­ze mar­kiert. Es besteht ein Unter­schied dar­in, eine Hand­lung als böse zu bezeich­nen und eine ande­re als Ver­bre­chen. Für Ver­bre­chen gibt es Ver­fah­ren – zumin­dest zur Bestra­fung, wenn schon nicht zur Prä­ven­ti­on. Das bedeu­tet, dass sich ein Ver­bre­chen in gewis­ser Wei­se in den Rest unse­rer Erfah­rung ein­ord­nen lässt. Eine Hand­lung als böse zu bezeich­nen, bedeu­tet zu sug­ge­rie­ren, dass dies nicht mög­lich ist – und dass sie dadurch das Ver­trau­en in die Welt bedroht, das wir brau­chen, um uns in ihr zurecht­zu­fin­den. Es gibt kei­nen Weg­wei­ser an der Gren­ze zwi­schen „böse“ und „schreck­lich“.
„Böse“ sagt man, wenn einem der Mund offen steht, weil man spürt, dass eine Gren­ze über­schrit­ten wur­de. Das, so sag­te Han­nah Are­ndt, als sie vom Holo­caust erfuhr, hät­te nicht gesche­hen dür­fen. Reak­tio­nen kön­nen sich ändern, wenn wir abge­stumpft wer­den – so wie es in den ver­gan­ge­nen Jah­ren bei Berich­ten über den Holo­caust der Fall war. Wenn es oft genug geschieht, scheint eine Tat viel­leicht nicht mehr böse zu sein und wird ledig­lich schreck­lich. In sol­chen Fäl­len liegt das ursprüng­li­che Böse gera­de dar­in, dass es unse­re Her­zen ver­här­tet.

Anschlies­send stellt Nei­man eine wich­ti­ge Fra­ge:
Aber ist das Böse nicht ein reli­giö­ser Begriff?

Der Bas­ler Ame­ri­ka­nis­tik-Pro­fes­sor Phil­ipp Schweig­hau­ser führt aktu­ell ein Semi­nar zu Donald Trump durch, nennt ihn “kom­plett amo­ra­lisch”, greift die Fra­ge aber nicht auf. Der berühm­te ame­ri­ka­ni­sche Theo­lo­ge Matthew Fox bejaht sie hin­ge­gen und scheut sich nicht, die­sen Begriff direkt mit Donald Trump in Ver­bin­dung zu brin­gen.

Dazu mehr am kom­men­den Don­ners­tag, den 5. Novem­ber

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