Am offens­ten zeigt sich der Anspruch auf abso­lu­te Domi­nanz auf dem ame­ri­ka­ni­schen Dop­pel­kon­ti­nent. Zwar haben die USA schon frü­her alles getan, um das “sozia­lis­ti­sche Schreck­ge­spenst” zu ban­nen — Chi­le und Pino­chet las­sen grüs­sen -, aber noch nie wur­de der Druck so unver­hoh­len aus­ge­spielt wie jetzt:
In ihrer eige­nen Hemi­sphä­re ver­folgt das Außen­mi­nis­te­ri­um ein offe­nes impe­ria­lis­ti­sches Pro­jekt. Die Natio­na­le Sicher­heits­stra­te­gie impli­ziert, dass ande­re Regie­run­gen in Nord- und Süd­ame­ri­ka den For­de­run­gen ame­ri­ka­ni­scher Amts­trä­ger oder Unter­neh­men nach­ge­ben soll­ten und dass die USA, soll­ten sie dies nicht tun, dar­auf hin­ar­bei­ten wer­den, die­se Regie­run­gen zu ändern.
Wie in Euro­pa wird die Trump-Regie­rung mit Nach­druck dar­auf hin­wir­ken, Poli­ti­ker zu wäh­len und an der Macht zu hal­ten, die die ame­ri­ka­ni­sche Vor­herr­schaft unter­stüt­zen: „Wir wer­den die Regie­run­gen, poli­ti­schen Par­tei­en und Bewe­gun­gen der Regi­on, die sich im Gro­ßen und Gan­zen an unse­ren Prin­zi­pi­en und unse­rer Stra­te­gie ori­en­tie­ren, beloh­nen und ermu­ti­gen“, heißt es in der Natio­na­len Sicher­heits­stra­te­gie.

Neben den in der letz­ten Fol­ge vor­ge­stell­ten Ideo­lo­gen gibt es wei­te­re Grup­pen, die sich Nut­zen aus einer all­um­fas­sen­den ame­ri­ka­ni­schen Vor­herr­schaft ver­spre­chen.
Ande­re haben ande­re, unmit­tel­ba­re­re Grün­de, „Ame­ri­ka wie­der groß zu machen“. Dazu gehö­ren Füh­rungs­kräf­te aus der Öl- und Gas­in­dus­trie, der Kryp­to­wäh­rungs­bran­che und dem Abbau sel­te­ner Erden sowie vor allem gro­ße Tech­no­lo­gie­un­ter­neh­men. Ihre Beweg­grün­de unter­schei­den sich von denen der Ideo­lo­gen, doch sie tei­len die Über­zeu­gung, dass nur Macht zählt und dass nur über­le­ge­ne Men­schen – rei­cher, intel­li­gen­ter, meist männ­lich und weiß – die­se besit­zen soll­ten. „Wir leben in einer Welt, in der man so viel über
inter­na­tio­na­le Höf­lich­kei­ten und alles ande­re reden kann, wie man will“, sag­te Ste­phen Mil­ler, stell­ver­tre­ten­der Stabs­chef des Wei­ßen Hau­ses, im Janu­ar zu Jake Tap­per von CNN, „aber wir leben in einer Welt – in der rea­len Welt, Jake –, die von Stär­ke regiert wird, die von Gewalt regiert wird, die von Macht regiert wird. Das sind die eiser­nen Geset­ze der Welt, die seit Anbe­ginn der Zeit bestehen.“ Mil­lers Wor­te fan­den sicher­lich Anklang bei den Wirt­schafts­füh­rern, die begeis­tert sind, dass die Instru­men­te der ame­ri­ka­ni­schen Regie­rung und Diplo­ma­tie neu ein­ge­setzt wer­den – nicht, um eine Welt zu schaf­fen, die sicher für die Demo­kra­tie oder gar sicher für die Ame­ri­ka­ner ist, son­dern um eine Welt zu schaf­fen, die für sie pro­fi­ta­bel ist.

Vie­le der unkon­ven­tio­nel­len Per­sön­lich­kei­ten, die nun im Namen der USA agie­ren, arbei­ten bereits dar­an, die­sen Traum Wirk­lich­keit wer­den zu las­sen. Im Janu­ar erklär­te Ste­ve Wit­koff, der Immo­bi­li­en­händ­ler, der zum US-Son­der­be­auf­trag­ten wur­de, vor einem Saal vol­ler euro­päi­scher Prä­si­den­ten und Minis­ter­prä­si­den­ten, die sich in Paris ver­sam­melt hat­ten, um über die Unter­stüt­zung für die Ukrai­ne zu bera­ten, dass er bereits mit Russ­land über Ener­gie- und Mine­ra­li­en­ge­schäf­te für ame­ri­ka­ni­sche Unter­neh­men ver­hand­le, die nach dem Krieg umge­setzt wer­den sol­len. Dies über­rasch­te vie­le der Teil­neh­mer des Tref­fens, deren Haupt­an­lie­gen es war, Frie­den in die Ukrai­ne zu brin­gen. (Ein Spre­cher des Wei­ßen Hau­ses bestritt, dass Wit­koff die­se Aus­sa­ge getrof­fen habe.) Wit­koff erwähn­te zudem aus­drück­lich die Rol­le, die die US-Invest­ment­ge­sell­schaft Black­Rock beim Wie­der­auf­bau der Ukrai­ne spie­len könn­te – eine unge­wöhn­li­che Äuße­rung für einen Frie­dens­ver­mitt­ler. Doch viel­leicht ist sie gar nicht so über­ra­schend: Black­Rock-CEO Lar­ry Fink saß laut The New York Times neben Jared Kush­ner, wäh­rend die­ser mit den Ukrai­nern ver­han­del­te.

Trumps „Board of Peace“, jene qua­si-staat­li­che Orga­ni­sa­ti­on, deren Regeln sich wie die eines exklu­si­ven Golf­clubs lesen – Trump hat als Vor­sit­zen­der das Recht, sei­nen Nach­fol­ger zu benen­nen, den Vor­stand aus­zu­wäh­len und den Auf­trag fest­zu­le­gen –, stellt das­sel­be Dilem­ma dar: Ist die­se Orga­ni­sa­ti­on, deren Finan­zie­rung größ­ten­teils intrans­pa­rent ist und aus Mit­glied­staa­ten am Per­si­schen Golf stammt, dar­auf aus­ge­legt, Frie­den zu stif­ten oder Geld zu ver­die­nen? Ver­tritt sie die Ansich­ten Ame­ri­kas oder die ihrer Geld­ge­ber? Im Namen des Wie­der­auf­baus von Gaza hat der Rat laut „The Guar­di­an“ versucht, sich die Befug­nis zu sichern, paläs­ti­nen­si­sches Land und Gebäu­de zu beschlag­nah­men – mög­li­cher­wei­se, um ame­ri­ka­ni­schen Unter­neh­men den Weg für die Umset­zung des „New Gaza“-Plans zu ebnen, eines Sanie­rungs­pro­jekts, das von Kush­ner vor­ge­schla­gen wur­de, einem Pri­vat­mann (und Trumps Schwie­ger­sohn), der natür­lich Mit­glied des Rates ist und zugleich Wit­koffs Ver­hand­lungs­part­ner in Sachen Russ­land.

Ande­re Pro­jek­te sind enger dar­auf aus­ge­rich­tet, Fami­li­en­mit­glie­dern und Freun­den des Prä­si­den­ten Vor­tei­le zu ver­schaf­fen. Im ver­gan­ge­nen Jahr half Trump gemein­sam mit Han­dels­mi­nis­ter Howard Lut­nick dabei, für ein wenig bekann­tes ame­ri­ka­ni­sches Berg­bau­un­ter­neh­men den Zugang zu einer der welt­weit größ­ten uner­schlos­se­nen Wolf­ram­re­ser­ven in Kasach­stan aus­zu­han­deln. Die New York Times berich­te­te, dass das Geschäft, das mit 1,6 Mil­li­ar­den Dol­lar an Bun­des­mit­teln unter­stützt wird, Trumps Söh­nen zugu­te­kommt, die Teil­ha­ber einer Invest­ment­bank sind, die an dem Pro­jekt betei­ligt ist.

Fort­set­zung am kom­men­den Don­ners­tag, den 15. Okto­ber

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