Thom Hart­mann gehört zu jenen Jour­na­lis­ten, die her­aus­zu­fin­den ver­su­chen, wie es zur heu­ti­gen poli­ti­schen Trump-Kata­stro­phe kom­men konn­te. Er sieht einen zen­tra­len Grund dafür im immer grös­se­ren Aus­ein­an­der­drif­ten der ver­schie­de­nen Gesell­schafts­schich­ten zuguns­ten einer abge­ho­be­nen Milliardärs“kaste”. Hier ein Aus­zug aus sei­ner Ana­ly­se:
Im Jahr 1933 war ein Drit­tel der ame­ri­ka­ni­schen Bevöl­ke­rung arbeits­los, Hun­ger und Obdach­lo­sig­keit gras­sier­ten, und nur etwa 20 Pro­zent von uns gehör­ten zur Mit­tel­schicht; der Anteil der Mit­tel­schicht hat­te in die­sem Land nie mehr als ein Drit­tel der Bevöl­ke­rung aus­ge­macht. Also mach­ten sich FDR, sei­ne Frau Ele­a­n­or, und Arbeits­mi­nis­te­rin Fran­cis Per­kins dar­an, Ame­ri­ka neu zu erfin­den. Sie lega­li­sier­ten Gewerk­schaf­ten, führ­ten den Ein­kom­men­steu­er­satz von 90 % für die Super­rei­chen wie­der ein, mach­ten den Staat zum Arbeit­ge­ber der letz­ten Instanz und führ­ten den Min­dest­lohn, die Arbeits­lo­sen­ver­si­che­rung und die Sozi­al­ver­si­che­rung ein, bau­ten lan­des­weit Schu­len und Infra­struk­tur auf usw.

Das Ergeb­nis war dra­ma­tisch. Als Ronald Rea­gan 1981 sein Amt antrat, hat­te gut ein Drit­tel von uns gute gewerk­schaft­lich orga­ni­sier­te Arbeits­plät­ze, und die­se setz­ten die Lohn­un­ter­gren­ze für ein wei­te­res Drit­tel von uns fest; infol­ge­des­sen gehör­ten zwei Drit­tel von uns zur Mit­tel­schicht und kamen mit einem ein­zi­gen Gehalts­scheck aus. Ein Ein­fa­mi­li­en­haus, ein Auto, ein jähr­li­cher Urlaub, die Kin­der aufs Col­lege schi­cken und mit einer guten Ren­te in den Ruhe­stand gehen.

Doch seit 1933 war FDRs New Deal unter stän­di­gem Beschuss einer Hand­voll extrem wohl­ha­ben­der Olig­ar­chen, die es übel nah­men, dass ihre Gehäl­ter gede­ckelt wur­den … und die die Vor­schrif­ten hass­ten, die sowohl Kon­sum­gü­ter als auch den Arbeits­platz siche­rer mach­ten, aber ihre Gewin­ne schmä­ler­ten.

Die­se Gegen­be­we­gung fand ihren Aus­druck in Lewis Powells berüch­tig­tem Memo von 1971, und Nixon berief Powell im fol­gen­den Jahr an den Obers­ten Gerichts­hof.

Das Memo for­der­te die Grün­dung rechts­ge­rich­te­ter Thinktanks, die die öffent­li­che Mei­nung beein­flus­sen soll­ten, die Über­nah­me von Schu­len und Hoch­schu­len, den Kauf und Betrieb von Medi­en­un­ter­neh­men, die Über­nah­me der Kon­trol­le über die Gerich­te (ins­be­son­de­re den Obers­ten Gerichts­hof), einen aggres­si­ven Gegen­schlag gegen die Bür­ger­rechts­be­we­gung und die För­de­rung der Ideo­lo­gie des „frei­en Mark­tes“. Es sei uner­läss­lich, schrieb Powell, Ame­ri­ka vor einer begin­nen­den kom­mu­nis­ti­schen Macht­über­nah­me zu „ret­ten“.

Das Memo elek­tri­sier­te das, was wir heu­te als die Epstein/Milliardärsklasse der krank­haft rei­chen Män­ner bezeich­nen. Sie finan­zier­ten und bau­ten all die­se Infra­struk­tur auf, gaben buch­stäb­lich Mil­li­ar­den in heu­ti­gen Dol­lar aus, rich­te­ten in jeder Stadt und jedem Ort einen rechts­ge­rich­te­ten Radio­sen­der ein, grün­de­ten rechts­ge­rich­te­te Fern­seh­sen­der, enga­gier­ten gut bezahl­te Exper­ten, schu­fen „alter­na­ti­ve“ Col­leges wie Hills­da­le, unter­nah­men eine Mil­li­ar­den-Dol­lar-Offen­si­ve zur Beset­zung der Gerich­te, stell­ten Lehr­bü­cher in Fra­ge und umarm­ten das rechts­extre­me Chris­ten­tum.

Ihre Haupt­bot­schaft lau­te­te, dass der Staat „zu groß“ gewor­den sei – eine Fol­ge des New Deal, die rück­gän­gig gemacht wer­den müs­se –, und die von ihnen kon­trol­lier­te Repu­bli­ka­ni­sche Par­tei hat sich seit­dem dar­auf gestützt.

Obwohl die US-Bun­des­re­gie­rung gemes­sen an der Bevöl­ke­rung oder am BIP im Ver­gleich zu prak­tisch jedem ande­ren Indus­trie­land der Welt klei­ner war, war dies ein Mem, das bei Durch­schnitts­bür­gern Anklang fand, die ent­setzt dar­über waren, dass man uns in den blu­ti­gen Viet­nam­krieg hin­ein­ge­lo­gen hat­te, die es ablehn­ten, Steu­ern zu zah­len, und die das Gefühl hat­ten, infol­ge der durch die Ölkri­se aus­ge­lös­ten Infla­ti­on der 70er Jah­re unter Nixon und Ford zurück­ge­las­sen zu wer­den.

Ihr Plan ging auf. Das Ver­trau­en in die ame­ri­ka­ni­sche Regie­rung sank von fast 80 Pro­zent in den frü­hen 1960er Jah­ren auf blo­ße 17 % im letz­ten Jahr. Und genau wie eine Ehe nicht funk­tio­niert, wenn die Part­ner ein­an­der nicht ver­trau­en, funk­tio­niert auch eine Gesell­schaft oder eine Regie­rung nicht.

Ronald Rea­gan zemen­tier­te dies, indem er in sei­ner ers­ten Antritts­re­de erklär­te: „Die Regie­rung ist nicht die Lösung unse­res Pro­blems, die Regie­rung ist das Pro­blem.“ Es war die per­fek­te Zusam­men­fas­sung des Has­ses der Mil­li­ar­dä­re auf Steu­ern und Regu­lie­rung, wur­de aber so gut ver­kauft, dass eine Mehr­heit der Ame­ri­ka­ner es ihm voll und ganz abkauf­te.

Rea­gan und die von Mil­li­ar­dä­ren kon­trol­lier­ten Repu­bli­ka­ner im Kon­gress bra­chen dem Gewerk­schafts­we­sen das Rück­grat, senk­ten die Steu­ern für die krank­haft Rei­chen und Unter­neh­men dras­tisch, setz­ten unse­re Kar­tell­ge­set­ze nicht mehr durch, ver­kauf­ten Bun­des­län­der, erhöh­ten die Sub­ven­tio­nen für die fos­si­le Brenn­stoff­in­dus­trie, kürz­ten die Bun­des­aus­ga­ben für Bil­dung und Hoch­schu­len, ermög­lich­ten Akti­en­ma­ni­pu­la­tio­nen durch Akti­en­rück­käu­fe usw. usw.

Fünf kor­rup­te Repu­bli­ka­ner, die die Mil­li­ar­dä­re der Powell-Bewe­gung an den Obers­ten Gerichts­hof gebracht hat­ten, tru­gen mit ihren 5:4‑Entscheidungen in den Fäl­len Bel­lot­ti (ver­fasst von Powell) und Citi­zens United dazu bei, den Scha­den zu ver­grö­ßern, indem sie sowohl Mil­li­ar­dä­ren als auch Unter­neh­men den Weg ebne­ten, Wah­len zu kau­fen, indem sie behaup­te­ten, dass „Unter­neh­men Per­so­nen sind“ und „Geld freie Mei­nungs­äu­ße­rung ist“.

Fort­set­zung am kom­men­den Don­ners­tag, den 18. Juni

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