Ein Einwand von Skeptikern betreffend die Echtheit der Erinnerungen an frühere Leben unter Hypnose ist, dass den Patienten unter Hypnose entsprechende Erinnerungen suggeriert werden könnten. Abgesehen davon, dass diese Suggestibilität offenbar massiv überschätzt wird, tauchen solche Bilder aus früheren Leben allerdings oft auch bei anderen therapeutischen Techniken auf, z.B. bei Rebirthing, Sensorischer Isolation, Holonomischer Integration (Stanislav Grof), bei Körpertherapien oder beim therapeutischen Einsatz von bewusstseinserweiternden Drogen.
Oft waren Therapeuten vom Auftauchen von Erinnerungen an frühere Leben regelrecht überrumpelt. Mehrere Therapeuten haben gesagt, dass sie in dem Moment, da diese Erinnerungen bei einem ihrer Patienten zum ersten Mal auftauchten, sich für Reinkarnation entweder nicht interessierten oder dieser Möglichkeit sogar ablehnend gegenüberstanden. …
Oft tauchen Erinnerungen an frühere Leben zusammen mit Erinnerungen aus dem gegenwärtigen Leben auf. Wenn wir mit einer therapeutischen Technik arbeiten, die zunächst verdrängte Erinnerungen aus der jüngsten Vergangenheit heraufholt, dass aus Jugend, Kindheit, Säuglingsalter und der Zeit im Mutterleib, so überrascht diese Abfolge nicht. Wir haben uns daran gewöhnt, uns die Psyche, zumindest in mancher Hinsicht, als eine Art “Schichttorte” vorzustellen, die ihre Geheimnisse zuweilen nur nach und nach preisgibt.
Wenn wir aber mit der Anwendung derselben Technik fortfahren, werden wir als nächstes oft mit Erinnerungen an frühere Leben konfrontiert. Sollen wir diese nun aus grundsätzlichen Erwägungen heraus als trügerisch zurückweisen? Sollen wir sie ignorieren, bloss weil es sie laut unserer Theorie von der Natur des Menschen nicht geben dürfte? Wenn wir eine therapeutische Technik haben, die heilend in vertrauten Schichten der Psyche zu wirken weiss, wäre es dann nicht nur konsequent, ihrer Heilwirkung zu folgen, wohin sie uns auch immer führen mag, und unsere Theorie von der Natur des Menschen entsprechend zu ändern?
Bei all dem steht allerdings eine entscheidende Frage im Raum: Wenn wir tatsächlich schon durch frühere Leben gegangen sind, warum haben wir in der Regel nicht das geringste Bewusstsein davon? Ist das vielleicht eine weise Vorsichtsmassnahme in unserer Psyche? Nehmen wir einmal an, in einem früheren Leben hätten wir schreckliche Taten verübt. Könnte das Wissen darum nicht unser ganzes jetziges Leben zerstören und uns daran hindern, in eine neue positivere Richtung zu gehen?
Handkehrum gibt es sehr viele Beispiele, wo solche Rückerinnerungen — vor allem an Traumata in verschiedenster Form — sich therapeutisch positiv auswirken. Christopher Bache meint dazu:
Es gilt, sich den Makro- oder Mikro-Traumata aus der Vergangenheit zu stellen, sie vom gegenwärtigen Leben abzugrenzen und in die gegenwärtige Persönlichkeit zu integrieren. Ob die problematischen Erinnerungen, die in der Therapie hochkommen, nun aus einem früheren oder aus dem gegenwärtigen Leben stammen, ist dabei unwichtig. Beide üben sie eine therapeutische Wirkung auf das Individuum aus und befreien es von verborgenen Programmierungen, indem sie die zentralen traumatischen Erfahrungen reaktivieren, damit sie bewusst bearbeitet werden können. Offenbar macht es für die Psyche keinen Unterschied, ob die Kräfte, die in unserem Leben zum Konflikt führen, in der Kindheit oder in einem Leben vor Jahrhunderten wurzeln.
Im Gegenteil: Nach den Erfahrungen mit der Reinkarnationstherapie scheint die Begegnung mit Erinnerungen aus früheren Leben sogar die tieferen Wunden des Lebens zu heilen — vom Standpunkt der Reinkarnationslehre aus betrachtet absolut logisch. Denn einer der Gründe für die Fortführung unserer Existenz in diesem Leben ist ja das Bedürfnis, das zu vollenden, was in jenem Leben nicht abgeschlossen werden konnte — unerfüllte Wünsche, ungelöste Konflikte, unvollständig verarbeitete Traumata, unverwirklichte Ambitionen. Sie bestimmen unsere Mission — unsere Beziehungen, unsere Krankheiten und die Probleme, die uns das ganze Leben lang verfolgen, bis wir sie gelöst haben. Und so wendet sich eine Therapie, die sich darauf konzentriert, an die wahren Wurzeln unserer gegenwärtigen Konflikte.
In der nächsten Folge schauen wir uns dazu wieder eine Fallgeschichte an.
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