Es gibt in der Religions- und Philosophiegeschichte des Westens ab und zu Ereignisse und Persönlichkeiten, die für die akademische Geschichtsschreibung völlig aus dem Rahmen fallen
und dementsprechend umstritten sind. So zum Beispiel geschehen mit dem Auftreten des Heilers und Magiers Graf Cagliostro im 18. Jahrhundert, der halb Europa in Atem hielt, zum Sturz von Louis XVI, dem letzten französischen absolutistischen König beitrug und schliesslich eines elenden Todes in den Kerkern des Vatikans starb. Sein dramatisches Leben und Wirken — auch mit Basel verbunden — kann bei Interesse im birsfaelder.li nachgelesen werden.
Eine ähnliche Herausforderung für die Schulmedizin, Psychologie und insbesondere die christliche Theologie ist das Leben und Werk von Edgar Cayce (1877–1945). Aber im Gegensatz zu Cagliostro sind die Geschehnisse seines Lebens so metikulös dokumentiert, dass es daran nicht den geringsten Zweifel gibt. Neben der noch von
Cayce selber gegründeten Association for Research and Enlightenment A.R.E gibt es weltweit Studiengruppen, die sich bis heute mit seinen über 14’000 sog. Readings oder dem Lehrgang A Search for God auseinandersetzen.
Edgar Cayce wurde als einfacher Bauernsohn auf einer Tabakfarm in Kentucky geboren, im sogenannten “Christian County”, bis heute Zentrum vieler christlicher evangelikaler Organisationen. Auch Cayce wurde fromm erzogen und las bis zu seinem Lebensende jedes Jahr die Bibel einmal ganz durch. Es hätte ein einfaches ländliches und frommes Leben bleiben können, wenn da nicht ein Problem aufgetaucht wäre: In Cayce erwachten schon in seiner Kindheit und Jugend besondere Begabungen. So war er in der Schule anfangs ein extrem schwacher Schüler, bis er eines Tages über einem Buch mit dem Lernstoff einschlief und beim Aufwachen wortwörtlich über den gesamten Inhalt verfügte. Später realisierte zufällig, dass er sich selber in Trance (in einen veränderten Bewusstseinzustand) versetzen und dann Auskunft über medizinische Probleme und deren Heilung geben konnte. Diese Fähigkeit sollte sein restliches Leben prägen und oft auf den Kopf stellen, — vor allem, als man anfing, ihm Fragen zu anderen Wissensgebieten — Geschichte, Psychologie, Religion — zu stellen.
In vieler Hinsicht ist das Amerika, für das Edgar Cayce steht, dem Amerika Donald Trumps diametral entgegengesetzt. Das Leben Cayces war ein einziger Dienst an seinen Mitmenschen, über weite Strecken geprägt von Armut und fast unüberwindlich erscheinenden Herausforderungen.
Die Literatur zu Cayce ist inzwischen fast uferlos. Für die Erzählung dieses eindrücklichen und dramatischen Lebens zieht der birsfälder.li-Schreiberling vor allem folgende Werke zurate:
— Sydney K. Kirpatrick, Edgar Cayce. An American Prophet und True Tales from the Edgar Cayce Archives. Die kürzlich erschienene voluminöse Biographie (über 500 Seiten!) dürfte mit seinen umfangreichen und detaillierten Recherchen den Schlusspunkt der bis anhin erschienenen Lebensschilderungen bilden.
— Thomas Sugrue, There is a river. Sugrue lebte nach seiner Heilung von einer tödlichen Krankheit über längere Zeit in der Familie von Cayce.
— Richard Henry Drummond, Ph.D. Toward a New Age in Christian Theology, und Unto the churches, Jesus Christ, Christianity and the Edgar Cayce Readings.
- Herbert B. Puryear, The Edgar Cayce Primer
- K. Paul Johnson, Edgar Cayce in Context. The Readings in Truth and Fiction
- John van Auken und Mark Thurston, Ph.D, zwei A.R.E‑Direktoren, mit diversen Büchern zu Meditation, Jesus, Kabbalah und der Johannes-Offenbarung.
Fortsetzung am kommenden Samstag, den 4. Juli
An anderen Serien interessiert?
Wilhelm Tell / Ignaz Troxler / Heiner Koechlin / Simone Weil / Gustav Meyrink / Narrengeschichten / Bede Griffiths / Graf Cagliostro /Salina Raurica / Die Weltwoche und Donald Trump / Die Weltwoche und der Klimawandel / Die Weltwoche und der liebe Gott /Lebendige Birs / Aus meiner Fotoküche / Die Schweiz in Europa /Die Reichsidee /Vogesen / Aus meiner Bücherkiste / Ralph Waldo Emerson / Fritz Brupbacher / A Basic Call to Consciousness / Leonhard Ragaz / Christentum und Gnosis / Helvetia — quo vadis? / Aldous Huxley / Dle WW und die Katholische Kirche / Trump Dämmerung / Manès Sperber /Reinkarnation / USA — alternative Geschichten


Christoph Meury
Juni 27, 2026
Fata Morgana bei 38 Grad Innentemperatur
-
Zwei hochgebildete und reichlich belesene Philosophen sassen auf einer Insel und sinnierten über eine neue und friedliche Welt, dabei verloren sie sich in ihren ausufernden und hochkarätigen Gedanken, vergassen zu trinken und hatten zwischenzeitlich auch verlernt zu jagen. Ergo verhungerten sie elendiglich und lagen dehydriert danieder. Ihre ausgebleichten Gebeine wurden von sanften Wellen weggespült und ihre philosophischen Gedankenspiel verpufften in der Endlosigkeit des Alls, oder vielleicht kondensierten ihre Überlegungen auch als kleine hübsche Sterne und bleiben uns als leuchtende Buchweisheiten zeitlos erhalten. Wer weiss es!
max feurer
Juni 27, 2026
Eindrückliche 38°-Fata Morgana.
Nur:Was hat sie mit Cayce zu tun?
Aber vielleicht erleiden die Synapsen des birsfälder.li-Schreiberlings bei gefühlten 40°gerade einen Totalausfall, wer weiss … 😉