
Al Layne hatte zwar lediglich einen Hypnose-Fernkurs absolviert und arbeitete auch als Osteopath, scheint aber ziemlich erfolgreich gearbeitet zu haben. Wie schon vorher konnte Edgar Cayce in Trance mit einer normalen Stimme sprechen, doch sobald er aus der Trance erwachte, kehrte die Kehlkopfentzündung zurück.
Das Einzige, was sie aus ihren Bemühungen neu erfuhren, war die Beobachtung, dass Edgar in seinem Trancezustand ungewöhnlich gesprächig war. Layne konnte tatsächlich ein Gespräch mit ihm führen. Edgar hörte erst auf zu sprechen, wenn ihm suggeriert wurde, in eine tiefere Trance zu gehen; in diesem Moment brach die Kommunikation gänzlich ab.
Layne und Girao fassten ihre Erkenntnisse in einem Brief an Quackenboss zusammen. In seiner Antwort erklärte der New Yorker Hypnotiseur, dass er bei der Arbeit mit Edgar eine ähnliche Tendenz beobachtet habe. Er wies auf einen bestimmten Punkt im Hypnosevorgang hin, an dem Edgars Unterbewusstsein offenbar „die Kontrolle übernahm“. Ein Ansatz, den es zu verfolgen gelte, schlug Quackenboss vor, bestehe darin, Edgar „in Trance zu versetzen“ und sein Unterbewusstsein zu fragen, was seiner Meinung nach getan werden müsse, um seine Stimme wiederherzustellen.
Edgars Eltern zögerten, ihren Sohn erneut hypnotisieren zu lassen. Er hatte sechzig Pfund abgenommen und war, wie Edgar selbst zugab, ein „nervliches Wrack“. Nun trug er neben seiner Bibel einen Bleistift und einen Notizblock bei sich – dies war die einzige Möglichkeit, mit der Außenwelt zu kommunizieren.
Schliesslich willigten sie für einen letzten Versuch ein. Was folgte, war ein dramatisches Geschehen:
Am Sonntagnachmittag, dem 31. März 1901, weniger als zwei Wochen nach seinem vierundzwanzigsten Geburtstag, zogen sich er und Layne in den Salon im Obergeschoss der Cayces zurück. Edgar legte sich auf das Rosshaarsofa der Familie, und Layne rückte einen Stuhl heran, um sich neben ihn zu setzen. Edgars Mutter stand neben Layne. Leslie saß auf einem Stuhl seinem Sohn gegenüber.
Edgar versetzte sich in Trance, wie er es aus den vielen früheren Experimenten gelernt hatte. Gerade als Edgars Pupillen sich zu weiten begannen, seine Wimpern flatterten und er aussah, als würde er „abtauchen“, gab Layne seine erste Suggestion.
„Du schläfst jetzt und wirst uns sagen können, was wir wissen wollen“, sagte Layne. „Vor dir liegt der Körper von Edgar Cayce. Beschreibe seinen Zustand und sag uns, was ihm fehlt.“
Edgar begann zu murmeln, dann räusperte er sich und sprach. „Ja“, sagte er. „Wir können den Körper sehen.“ Layne forderte Edgars Vater auf, das Gesagte aufzuschreiben. Leslie bemühte sich eilig darum, war jedoch von dem Geschehenen so verwirrt, dass er nicht bemerkte, dass Block und Papier in greifbarer Nähe lagen. Stattdessen rannte er in die Küche und holte den Bleistift, der an der Einkaufsliste befestigt war. Trotzdem war er zu aufgeregt, um etwas Zusammenhängendes auf das Papier zu schreiben. Was Edgar sagte, wurde aus den Erinnerungen von Edgars Mutter und Layne zusammengesetzt.
Im normalen körperlichen Zustand ist dieser Körper aufgrund einer teilweisen Lähmung der unteren Stimmbandmuskulatur, hervorgerufen durch eine Nervenüberlastung, nicht in der Lage zu sprechen. Dies ist ein psychologischer Zustand, der eine körperliche Auswirkung hervorruft und durch Suggestion beseitigt werden kann, indem man in diesem bewusstlosen Zustand die Durchblutung der betroffenen Körperteile steigert. Das ist das Einzige, was helfen wird.
Layne bemerkte die merkwürdige Art, wie Edgar in der dritten Person von sich sprach. Er sprach auch langsamer als normalerweise im bewussten Zustand und artikulierte jeden einzelnen Konsonanten und Vokal, als würde er aus einer Fremdsprache übersetzen.
„Steigere die Durchblutung der betroffenen Bereiche“, befahl Layne daraufhin. Edgar antwortete: „Die Durchblutung beginnt zu steigen. Sie steigt.“
Layne beugte sich vor, um Edgar anzusehen. Genau wie der „schlafende“ Cayce es gesagt hatte, schien die Durchblutung seines Halses tatsächlich anzusteigen. Er konnte sehen, wie sich sein Hals mit Blut füllte, bis Leslie sich gezwungen sah, sich vorzubeugen und den Kragen des Hemdes ihres Sohnes aufzuknöpfen. Der obere Teil seiner Brust, dann der Hals, färbte sich langsam rosa. Das Rosa vertiefte sich zu einem feuerwehrroten Ton. Ganze zwanzig Minuten vergingen, bevor Edgar sich räusperte und wieder sprach. „Jetzt ist alles in Ordnung“, sagte Cayce, immer noch in Trance. „Die Störung ist beseitigt. Die Stimmbänder sind jetzt vollkommen normal. Geben Sie die Suggestion, dass sich die Durchblutung wieder normalisiert und dass der Körper danach erwacht.“
Layne tat, wie ihm geheißen. „Der Kreislauf wird sich wieder normalisieren. Danach wird der Körper erwachen.“
Das Rot um Edgars Hals verblasste zu Rosa und dann zu Hellrosa. Ein paar Minuten später wachte er auf, setzte sich auf, griff nach seinem Taschentuch, hustete und spuckte Blut aus. Es waren nicht nur ein oder zwei Tropfen, sondern genug, um das dünne Baumwolltuch zu durchtränken.
„Hallo“, sagte er mit klarer Stimme. „Hey, ich kann sprechen.“
Fortsetzung am kommenden Samstag, den 8. August
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