Es gab in NewYork mit min­des­tens 14’000 Ärz­ten im Jah­re 1938 gan­ze drei, die sich mit den Cayce-Lesun­gen aus­ein­an­der­ge­setzt hat­ten und deren Rat­schlä­ge in ihrer Pra­xis auch anwand­ten: Dr. Frank Dob­bins, der Phy­sio­the­ra­peut Dr. Harold J. Reil­ly und Dr. Hen­ry Har­wi­cke. Beson­ders span­nend ist die Geschich­te von Dr. Dob­bins:
Als Osteo­path war er 1932 von Maine nach New York gezo­gen, um zu ver­su­chen, sei­ne Pra­xis aus­zu­bau­en. Dann kam der Tag, an dem eine New Yor­ker Haus­frau in sei­ne Pra­xis kam und ihm eine Cayce-Lesung über­reich­te, die sie im (1929 eröff­ne­ten) Kran­ken­haus in Vir­gi­nia Beach erhal­ten hat­te, in der Erwar­tung, dass Dob­bins ihre Toch­ter auf der Grund­la­ge des­sen behan­deln wür­de, was dar­in stand. Dob­bins hat­te offen­sicht­li­che Beden­ken, doch da er gera­de erst in der Stadt ange­kom­men war und nur sehr weni­ge Pati­en­ten hat­te, sag­te er, er wer­de die Lesung berück­sich­ti­gen, nach­dem er die Pati­en­tin zunächst selbst unter­sucht habe.

Bevor er sich mit der Lesung befass­te, unter­zog er das Kind einer umfas­sen­den kör­per­li­chen Unter­su­chung. Spä­ter am Abend setz­te er sich mit der Lesung aus­ein­an­der, und zu sei­nem Ent­set­zen und sei­ner Über­ra­schung stimm­te die Dia­gno­se genau mit sei­ner eige­nen über­ein. Als er das Ende der Lesung erreich­te, schlug sein Ent­set­zen in Ungläu­big­keit um. Dob­bins wäre fast vom Stuhl gefal­len, als er zu der Stel­le kam, an der Cayce – in Trance – gefragt wur­de, wohin die Mut­ter ihre Toch­ter in New York zur Behand­lung brin­gen sol­le:
„Suchen Sie Dob­bins!“ Wäre die Lesung spä­ter erfolgt, als Dob­bins bereits eta­blier­ter war, wäre er viel­leicht nicht so erstaunt gewe­sen. Als die Lesung erfolg­te, war sein Name noch nicht ein­mal im Tele­fon­buch ver­zeich­net. Dob­bins wur­de bald zu einem begeis­ter­ten Anhän­ger von Cayce und nutz­te die Lesun­gen zur Dia­gno­se in 95 % sei­ner Fäl­le.

Dr. Reil­ly besass im Rocke­fel­ler Cen­ter eine erfolg­rei­che Pra­xis, wo dank der Rat­schlä­ge von Cayce eine Rei­he von berühm­ten Geschäfts­leu­ten und Fach­leu­ten aus NewYork und Hol­ly­wood zu sei­nen Kli­en­ten zähl­ten. Und Dr. Hard­wi­cke leis­te­te Pio­nier­ar­beit, indem er Stu­di­en durch­führ­te, die sich mit den nega­ti­ven Aus­wir­kun­gen des Ziga­ret­ten­rau­chens und des Ein­at­mens von Auto­ab­ga­sen und ande­ren gif­ti­gen Dämp­fen befass­ten. Er sprach sogar The­men an, die zuneh­mend tabui­siert wur­den, wie zum Bei­spiel das che­mi­sche Ungleich­ge­wicht, das durch die Ein­nah­me von Anti­bio­ti­ka ent­stand.

Am 6. Dezem­ber 1938 hiel­ten die drei Ärz­te in Beglei­tung von Dr. Cayce im Kon­fe­renz­saal des Hotels McAl­pin in NewYork einen Vor­trag über ganz­heit­li­che Gesund­heits­prak­ti­ken und spra­chen unter ande­rem auch über alter­na­ti­ve The­ra­pien für psy­chisch Kran­ke -
etwas, das viel­leicht noch nie zuvor in einem sol­chen öffent­li­chen Forum außer­halb einer medi­zi­ni­schen Fakul­tät dis­ku­tiert wor­den war. Ein plötz­li­cher, tosen­der Regen­guss trieb eine zwei­und­drei­ßig­jäh­ri­ge Schnei­de­rin, die Zwil­lings­schwes­ter von Anne Neu­mark, in die Hotel­lob­by, um dort Schutz zu suchen. Sie hät­te dem Gesche­hen im Kon­fe­renz­raum des Hotels viel­leicht kei­ne Beach­tung geschenkt, wäre da nicht das dra­ma­ti­sche Auf­tau­chen eines zwei­ten uner­war­te­ten Besu­chers im Hotel an jenem Abend gewe­sen.

Wäh­rend der Regen drau­ßen vor dem Hotel auf die Bür­ger­stei­ge pras­sel­te, stand Dr. Dob­bins auf der Büh­ne und erzähl­te die Geschich­te eines ehe­ma­li­gen New Yor­ker Post­an­ge­stell­ten, der in eine psych­ia­tri­sche Ein­rich­tung im Hin­ter­land des Staa­tes ein­ge­wie­sen wor­den war. Ärz­te hat­ten bei ihm eine stress­be­ding­te psy­chi­sche Erkran­kung dia­gnos­ti­ziert, konn­ten jedoch nicht fest­stel­len, was sei­nen Zustand tat­säch­lich ver­ur­sacht hat­te. Der ansons­ten nor­ma­le und aus­ge­gli­che­ne 46-jäh­ri­ge Ehe­mann und Vater war eines Abends von der Arbeit nach Hau­se gekom­men und war plötz­lich in rasen­de Wut gera­ten; er hat­te sei­ne Frau geschla­gen und eines sei­ner drei Kin­der bei­na­he getö­tet. Die Poli­zei war hin­zu­ge­zo­gen wor­den, und er wur­de dar­auf­hin in eine psych­ia­tri­sche Anstalt ein­ge­wie­sen, in eine gepols­ter­te Zel­le gesperrt und konn­te meh­re­re Tage lang nicht sicher unter­sucht wer­den, ohne eine Zwangs­ja­cke zu tra­gen.

Die Frau des Post­be­am­ten hat­te von Cayce durch ihre Schwes­ter erfah­ren, die als Kin­der­mäd­chen für David Kahns zwei klei­ne Söh­ne arbei­te­te. Mit Kahns Hil­fe erhielt sie eine Cayce-Lesung und dank Dob­bins eine Behand­lung. Die Sit­zung iden­ti­fi­zier­te die Ursa­che des Pro­blems als einen Unfall, bei dem er vor dem Post­amt auf einer Eis­flä­che aus­ge­rutscht war und sich die Wir­bel­säu­le ver­letzt hat­te. Dob­bins führ­te die in der Sit­zung emp­foh­le­nen osteo­pa­thi­schen Behand­lun­gen durch, und nach vier­zehn Sit­zun­gen war der Pati­ent voll­stän­dig gene­sen. Dies war für die Zuhö­rer eine Offen­ba­rung, da es ver­deut­lich­te, wie Fäl­le von schein­ba­rer Geis­tes­krank­heit kör­per­li­che Ursa­chen haben kön­nen. 

Als Dr. Dob­bins die Geschich­te erzähl­te, ahn­te er nicht, dass sein ehe­ma­li­ger Pati­ent, Tho­mas Scan­lon, der Edgar Cayce per­sön­lich tref­fen woll­te, im Publi­kum saß. Zur gro­ßen Über­ra­schung aller stand Scan­lon, der als rie­si­ger Mann beschrie­ben wur­de, hin­ten im Raum auf und ver­kün­de­te: „Ich bin die­ser Mann, und alles, was der Arzt gesagt hat, ist wahr!“

 Fort­set­zung am kom­men­den Sams­tag, den 14. Novem­ber

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