Hier kommt die Fort­set­zung der Aus­ein­an­der­set­zung Vine Del­ori­as mit der Mis­sio­nie­rung der indi­ge­nen Völ­ker Nord­ame­ri­kas durch die ver­schie­de­nen christ­li­chen Deno­mi­na­tio­nen, die sich die Reser­va­te unter sich auf­teil­ten. Wer Glück hat­te, konn­te auf etwas Ver­ständ­nis für die eige­ne indi­ge­ne spi­ri­tu­el­le Tra­di­ti­on hof­fen, aber das war die Aus­nah­me, nicht die Regel.

Del­oria schloss die letz­te Fol­ge mit der Bemer­kung:
… Die Erlö­sung wur­de zu einer Fra­ge des Aus­wen­dig­ler­nens von Glau­bens­be­kennt­nis­sen. In einem sehr rea­len Sin­ne ersetz­te das Chris­ten­tum also leben­di­ge Reli­gio­nen durch Magie.

Und der wei­ße Mann ver­füg­te über viel Magie. Aus­ge­stat­tet mit Gewehr, Dru­cker­pres­se, Eisen­kes­sel und Whis­key war es für vie­le India­ner offen­sicht­lich, dass der Gott des wei­ßen Man­nes sich ziem­lich gut um sein Volk küm­mer­te. Da das india­ni­sche Volk kei­nen Unter­schied zwi­schen Reli­gi­on und den ande­ren Akti­vi­tä­ten des Lebens mach­te, bestand die natür­li­che Ten­denz dar­in, die wei­ße Reli­gi­on des Rezi­tie­rens anzu­neh­men und auf die Stra­pa­zen des Fas­tens, der Opfer und des Gebets zu ver­zich­ten.

Die mis­sio­na­ri­sche Tätig­keit wur­de zu einem irdi­schen Abbild des­sen, was Chris­ten glaub­ten, im Him­mel gesche­he. Wie die rei­chen Bür­ger Euro­pas, die Gott mit irdi­schen Schät­zen besta­chen, erkauf­ten sich die Mis­sio­na­re ihren Zugang zu den india­ni­schen Gesell­schaf­ten. Ein­mal eta­bliert, began­nen sie die müh­sa­me Auf­ga­be, der unstruk­tu­rier­ten india­ni­schen Psy­che zwei­tau­send Jah­re ste­ri­ler Dog­men auf­zu­drü­cken. (…)

Bis zur Mit­te des letz­ten Jahr­hun­derts gab es kaum noch Stäm­me, die vom Chris­ten­tum unbe­rührt geblie­ben waren. Wenn ein Stamm voll­stän­dig unter­wor­fen wor­den war, zogen Armee, Trap­per und Mis­sio­na­re wei­ter, und fes­tes Per­so­nal rück­te ein, um die Kon­trol­le über die india­ni­schen Gemein­schaf­ten zu über­neh­men.

Von 1860 bis 1880 wur­den die Stäm­me in Reser­va­te ein­ge­sperrt, wäh­rend der Wes­ten in sei­nen letz­ten Zügen lag. Bereits Anfang der 1860er Jah­re began­nen die Kir­chen beim Indi­an Bureau in Washing­ton, sich um Kon­zes­sio­nen für die jewei­li­gen Reser­va­te zu bemü­hen. So wur­de ein Reser­vat den Katho­li­ken, eines den Luthe­ra­nern, eines den Metho­dis­ten und eines den Epi­skopa­len zuge­wie­sen. Ande­ren Kir­chen war der Zutritt zu einem Reser­vat unter­sagt, sobald es einer bestimm­ten Kir­che zuge­wie­sen wor­den war, und sie durf­ten es nur mit Erlaub­nis der ande­ren Kir­che betre­ten. Es hat mich immer gestört, dass die­se Kir­chen, die sich nicht ein­mal die Kan­zeln tei­len woll­ten und sich gegen­sei­tig als Kin­der des Teu­fels betrach­te­ten, sich die Stäm­me so kalt­blü­tig auf­teil­ten, als wür­den sie Sei­ten für Touch-Foot­ball wäh­len. (…)

Das reli­giö­se Leben der India­ner war ver­bo­ten. Die Ghost-Dance-Bewe­gung, ein letz­ter Ver­such, die alten Jagd­ta­ge zurück­zu­brin­gen, reich­te aus, um das India­ner­bü­ro und die Armee davon zu über­zeu­gen, dass die alte Gren­ze umso siche­rer wäre, je frü­her die India­ner chris­tia­ni­siert wür­den. Bald war der Got­tes­dienst die ein­zi­ge sozia­le Akti­vi­tät, die in den Reser­va­ten erlaubt war.

Es amü­siert mich immer wie­der, wenn ein wei­ßer Mis­sio­nar die Auf­nah­me des Chris­ten­tums durch die Stäm­me der Prä­rie ver­herr­licht. Er wird erzäh­len, wie „zwei oder drei ver­sam­melt waren und freu­dig das Wort Got­tes hör­ten“. Tat­sa­che ist ein­fach, dass die­se zwei oder drei, hät­ten sie nicht über den wei­ßen Gott gespro­chen, wahr­schein­lich erschos­sen wor­den wären, weil sie einen Auf­stand ange­zet­telt hät­ten.

Es war also kei­ne gro­ße Leis­tung, India­ner zu einer neu­en Reli­gi­on zu bekeh­ren. Kein Mis­sio­nar erkann­te jemals, dass es weni­ger die Rea­li­tät sei­ner Reli­gi­on als viel­mehr die Gefahr des Aus­ster­bens war, die ihm Bekehr­te bescher­te. Oder wenn er es doch erkann­te, gab er es nie zu.

Gerech­ter­wei­se muss aber hin­zu­ge­fügt wer­den, dass es Scha­ma­nen gab, wel­che die tie­fe­re, über allen Kon­fes­sio­nen ste­hen­de Bot­schaft von Jesus, dem Chris­tus, auf­nah­men und sie in ihre eige­ne spi­ri­tu­el­le Pra­xis inte­grier­ten. Her­aus­ra­gen­des Bei­spiel dafür ist sicher Black Elk, der gros­se Ogla­la-Lako­ta-Medi­zin­mann, dem John G. Nei­hart und Joseph Epes Brown mit ihren Büchern ein unsterb­li­ches Denk­mal gesetzt haben.

Fort­set­zung am kom­men­den Frei­tag, den 12. Juni

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