War­um spricht Thom Hart­mann in sei­nem Buch “Who kil­led the Ame­ri­can Dream? The Grea­test Poli­ti­cal Crime ever Told” “Davis’ gif­ti­gem Leit­satz” eine ent­schei­den­de Rol­le bei der Fehl­ent­wick­lung der ame­ri­ka­ni­schen Demo­kra­tie zu?

Sei­ne Erkennt­nis ist das Resul­tat einer mona­te­lan­gen Recher­che in ver­staub­ten Archi­ven von Gerichts­ur­tei­len des Supre­me Court — dem obers­ten Gericht der Ver­ei­nig­ten Staa­ten — im Jah­re 1886. Im Zen­trum steht ein kor­rup­ter Gerichts­schrei­ber namens John Ban­croft Davis.

Doch schön der Rei­he nach.
Die Eisen­bahn­ge­sell­schaft Sou­thern Paci­fic Rail­road zog wegen eines bana­len Steu­er­streits in Kali­for­ni­en bis vor das Obers­te Gericht. Dies benutz­te der Gerichts­schrei­ber Davis, sel­ber ehe­ma­li­ger Eisen­bahn­prä­si­dent, in Abspra­che mit einem befan­ge­nen Rich­ter, der eben­falls mit den Eisen­bahn­ma­gna­ten befreun­det war, im offi­zi­el­len Gerichts­pro­to­koll in der sog. Head­no­te — dem infor­mel­len Leit­satz — eigen­mäch­tig eine mani­pu­la­ti­ve und fol­gen­schwe­re Notiz ein­zu­fü­gen. Dar­in behaup­te­te er fälsch­li­cher­wei­se, dass der 14. Ver­fas­sungs­zu­satz, der ursprüng­lich Skla­ven nach dem Bür­ger­krieg Gleich­be­rech­ti­gung garan­tie­ren soll­te, auch für Kon­zer­ne gel­te.

Damit begann eine Ket­ten­re­ak­ti­on:
Der mani­pu­lier­te Leit­satz schleus­te die Dok­trin der Unter­neh­mens­per­sön­lich­keit in das US-Recht ein. Damit wur­den Kon­zer­ne recht­lich auf die­sel­be Stu­fe wie mensch­li­che Staats­bür­ger gestellt und besas­sen damit die juris­ti­sche Grund­la­ge, sich auf die Bill of Rights — die US-Grund­rech­te — zu beru­fen. Des­halb began­nen sie, im Lau­fe des 20. Jahr­hun­derts spe­zi­fi­sche Ver­fas­sungs­rech­te ein­zu­for­dern:
● die freie Rede: Als “Per­son” ste­he ihnen das Recht auf freie Mei­nungs­äus­se­rung zu.
● das Ein­set­zen von Geld für poli­ti­sche Zwe­cke.
Bei­de For­de­run­gen wur­den vom Obers­ten Gericht als legi­tim aner­kannt.

Der Höhe- resp. Tief­punkt kam 2010 mit dem *Citi­zens United”- Urteil, mit dem das Obers­te Gericht defi­ni­tiv bestä­tig­te, dass Unter­neh­men die­sel­ben ver­fas­sungs­mäs­si­gen Rech­te auf freie Rede habe wie Bür­ger und dar­auf die Beschrän­kung für poli­ti­sche Wahl­kampf­spen­den auf­hob. Damit erhal­ten die Kon­zer­ne und Mil­li­ar­dä­re soviel Gewicht, dass sie die demo­kra­ti­sche Stim­me des ein­fa­chen Bür­gers prak­tisch ent­wer­ten, denn nun haben sie freie Bahn, Wah­len zu kau­fen und Geset­ze zu ihren Guns­ten umzu­schrei­ben, z.B. mit mas­si­ven Steu­er­sen­kun­gen für Rei­che und dem Abbau von Arbeit­neh­mer­rech­ten.

Hart­mann for­dert des­halb einen neu­en Ver­fas­sungs­zu­satz, in dem unmiss­ver­ständ­lich fest­ge­hal­ten wird, dass Kon­zer­ne kei­ne Per­so­nen sind und Geld kei­ne Mei­nungs­äus­se­rung. Ob es je dazu kom­men wird, steht in den Ster­nen …

Fort­set­zung am kom­men­den Don­ners­tag, den 17. Sep­tem­ber

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