Bevor wir in der nächs­ten Fol­ge wie­der zu den “hateful eight” von Meurs­ault zurück­keh­ren, über­ge­ben wir erneut Thom Hart­mann das Wort. Unter dem Titel “Der gros­se Ver­rat Ame­ri­kas: Wie wir unse­ren mora­li­schen Kom­pass ver­lo­ren haben” legt er eine scho­nungs­lo­se Ana­ly­se des aktu­el­len Zustan­des der USA vor. Er hat dazu durch­aus das Recht, wid­me­te er doch vie­le Jah­re sei­nes Lebens dem Pro­jekt *Salem Inter­na­tio­nal” mit sei­nen gemein­nüt­zi­gen Pro­jek­ten und Kin­der­dör­fern.

Hier ein Aus­zug aus sei­nem Blog-Arti­kel vom 19. Mai:
Wenn Gier Gerech­tig­keit ersetzt und Grau­sam­keit zur Poli­tik wird, stirbt die Demo­kra­tie nicht im Ver­bor­ge­nen, son­dern vor aller Augen, ange­feu­ert von den Macht­ha­bern …
Obwohl Ame­ri­ka im Lau­fe sei­ner Geschich­te vie­le dunk­le mora­li­sche Epi­so­den erlebt hat, haben wir immer eine Rei­he grund­le­gen­der mora­li­scher Prin­zi­pi­en ver­tre­ten oder zumin­dest befür­wor­tet:
Alle Men­schen sind vor dem Gesetz gleich; Macht soll­te vom Volk aus­ge­hen und nicht von gewähl­ten Füh­rern nach unten flie­ßen.
Eine freie Pres­se, freie Mei­nungs­äu­ße­rung und Reli­gi­ons­frei­heit sind für die Frei­heit uner­läss­lich.
Die Ver­tei­di­gung der Grund­rech­te aller Men­schen auf „Leben, Frei­heit und das Stre­ben nach Glück“ ist die Kern­auf­ga­be einer demo­kra­ti­schen Repu­blik.

Bis jetzt.

Die Repu­bli­ka­ner im Reprä­sen­tan­ten­haus haben gera­de eine Bestim­mung in ihr unver­zicht­ba­res „gro­ßes, schö­nes“ Geset­zes­pa­ket über Steu­er­erleich­te­run­gen in Höhe von meh­re­ren Bil­lio­nen Dol­lar für Mil­li­ar­dä­re auf­ge­nom­men, die es dem Prä­si­den­ten ermög­li­chen wür­de, jede gemein­nüt­zi­ge Orga­ni­sa­ti­on – von Har­vard über die ACLU bis hin zu Ihrer loka­len Demo­kra­ti­schen Par­tei – als „ter­ro­ris­mus­un­ter­stüt­zen­de Orga­ni­sa­ti­on“ ein­zu­stu­fen, wodurch die­se ihren Steu­er­be­frei­ungs­sta­tus ver­lie­ren und damit prak­tisch aus dem Geschäft gedrängt wür­den. Und wer ent­schei­det, wer die­se Bezeich­nung erhält? Der Prä­si­dent. Und er kann dies im Gehei­men tun. Genau so haben Putin und Orbán zunächst die Mei­nungs­frei­heit und die freie Mei­nungs­äu­ße­rung in Russ­land und Ungarn zer­stört.

Nach­dem die Regie­run­gen Sau­di-Ara­bi­ens, der Ver­ei­nig­ten Ara­bi­schen Emi­ra­te und Katars der Fami­lie Trump jeweils mas­si­ve Geschen­ke in Form von mil­li­ar­den­schwe­ren Ent­wick­lungs­pro­jek­ten und Lizenz­ver­trä­gen für Trump-Hotels oder Golf­plät­ze gemacht hat­ten, hielt Trump eine Rede, in der er unse­re 250-jäh­ri­ge Geschich­te der För­de­rung der Demo­kra­tie in der gan­zen Welt auf­gab.

Natür­lich haben wir, wie bereits erwähnt, die­se Mis­si­on in der Ver­gan­gen­heit oft nicht erfüllt. Rea­gans Unter­stüt­zung für die Todes­schwa­dro­nen in Mit­tel­ame­ri­ka ver­folgt uns bis heu­te an unse­rer süd­li­chen Gren­ze; Eisen­ho­wers Umar­mung des Schahs von Per­si­en erschüt­tert noch immer den Nahen Osten; und Nixons Tole­ranz gegen­über der Bru­ta­li­tät Chi­nas führ­te dazu, dass wir im Namen des Kapi­ta­lis­mus den kom­mu­nis­ti­schen Füh­rern die­ses Lan­des hal­fen, den mäch­tigs­ten und mit­tel­al­ter­lichs­ten Über­wa­chungs­staat der Welt­ge­schich­te zu schaf­fen.

Aber die­se Aus­nah­men bestä­ti­gen die Regel: Wenn wir unse­re eige­nen erklär­ten Grund­sät­ze in den Außen­be­zie­hun­gen auf­ge­ben, die erst­mals in unse­rer Unab­hän­gig­keits­er­klä­rung und Ver­fas­sung fest­ge­legt wur­den, sind die Fol­gen fast aus­nahms­los schlecht für uns, für sie und für die Demo­kra­tie welt­weit. Und es wird noch destruk­ti­ver, wenn die­se Regie­rung ame­ri­ka­ni­sche Wer­te ablehnt, wäh­rend sie Bestechungs­gel­der von aus­län­di­schen Dik­ta­to­ren annimmt, Jour­na­lis­ten schi­ka­niert, Kolum­nis­ten inhaf­tiert und Rich­ter bedroht.

Die­se Fra­ge der Moral in der Regie­rung steht seit Jahr­hun­der­ten im Mit­tel­punkt unse­rer poli­ti­schen Debat­te. Prä­si­dent Har­ry Tru­man hat sich bereits 1952 klar dazu geäu­ßert:
„Nun möch­te ich Ihnen etwas sehr Wich­ti­ges zu die­ser Fra­ge der Moral in der Regie­rung sagen.
Ich ste­he für eine ehr­li­che Regie­rung … Für mich bedeu­tet Moral in der Regie­rung mehr als nur die Abwe­sen­heit von Fehl­ver­hal­ten. Sie bedeu­tet eine Regie­rung, die allen gegen­über fair ist. Ich hal­te es für eben­so unmo­ra­lisch, wenn der Kon­gress Steu­er­ver­güns­ti­gun­gen gesetz­lich ver­an­kert, wie wenn ein Steu­er­be­am­ter bei einer betrü­ge­ri­schen Steu­er­erklä­rung mit­wirkt. Es ist eben­so unmo­ra­lisch, die Gesetz­ge­bungs­be­fug­nis der Regie­rung zu nut­zen, um eini­ge weni­ge auf Kos­ten der vie­len zu berei­chern, wie Geld aus der Staats­kas­se zu steh­len. Das ist Dieb­stahl aus der Staats­kas­se. …”

Tra­gi­scher­wei­se ist dies weder die Art und Wei­se, wie Donald Trump erzo­gen wur­de, noch ent­spricht es der aktu­el­len Welt­an­schau­ung der Repu­bli­ka­ni­schen Par­tei – was sowohl für Ame­ri­ka als auch für die Demo­kra­tie welt­weit tra­gisch ist. Fred Trump bau­te ein Immo­bi­li­en­im­pe­ri­um auf durch Ras­sis­mus, Betrug und Täu­schung. Er erzog Donald dazu, jede Trans­ak­ti­on als ein Spiel mit einem Gewin­ner und einem Ver­lie­rer zu betrach­ten, jede Regel oder Vor­schrift als etwas, das man umge­hen muss, und jeden Regie­rungs­be­am­ten als jeman­den, den man mit Dro­hun­gen oder Geld beein­flus­sen kann.

Die Repu­bli­ka­ni­sche Par­tei über­nahm mit der Rea­gan-Revo­lu­ti­on eine ähn­li­che Welt­an­schau­ung, wie der ehe­ma­li­ge Arbeits­mi­nis­ter Robert Reich in sei­nem lesens­wer­ten Sub­stack-News­let­ter fest­stellt:
„Aber seit Rea­gan ist Ame­ri­ka aus der Bahn gera­ten. Dere­gu­lie­rung, Pri­va­ti­sie­rung, Frei­han­del, wil­de Spe­ku­la­tio­nen an der Wall Street, Gewerk­schafts­feind­lich­keit, Rekord­wer­te bei der Ungleich­heit, fast sta­gnie­ren­de Löh­ne für die meis­ten, unglaub­li­cher Reich­tum für weni­ge, die Über­nah­me unse­rer Poli­tik durch das gro­ße Geld. Akti­en­rück­käu­fe und das Wohl­erge­hen der Inves­to­ren wur­den wich­ti­ger als gute Arbeits­plät­ze mit guten Löh­nen. Unter­neh­mens­ge­win­ne wur­den wich­ti­ger als das Gemein­wohl.“

Als Donald Trump sag­te: „Ich war mein gan­zes Leben lang gie­rig“, war das eine der weni­gen ehr­li­chen Selbst­be­wer­tun­gen, die er jemals abge­ge­ben hat. Und das hät­te uns allen eine War­nung sein sol­len.

Gier und Macht­gier sind letzt­lich ein Gräu­el für unse­re tra­di­tio­nel­len ame­ri­ka­ni­schen Wer­te.

Es ist höchs­te Zeit, dass wir dies auch sagen und unse­ren Kin­dern den Unter­schied zwi­schen einer mora­li­schen Nati­on, die ihre schwächs­ten Bür­ger schützt und gleich­zei­tig die Demo­kra­tie in der Welt för­dert, und einer „illi­be­ra­len Demo­kra­tie“ wie Russ­land, Ungarn und der Visi­on der heu­ti­gen Repu­bli­ka­ni­schen Par­tei ver­mit­teln.

Wir waren in der Ver­gan­gen­heit bes­ser, und es ist höchs­te Zeit, dass wir zu den mora­li­schen Posi­tio­nen zurück­keh­ren, die Ame­ri­ka wirk­lich groß gemacht haben.

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