In den 1970er Jah­ren ließ sich Gwen McDo­nald aus Syd­ney, Aus­tra­li­en, auf die Erfor­schung von Erin­ne­run­gen an frü­he­re Leben ein … Unter Hyp­no­se gab Gwen Aus­kunft über ein Haus, in dem sie im 18. Jahr­hun­dert leb­te, und erzähl­te von Leu­ten, die sie kann­te, und von den Dorf­be­woh­nern, die in der Gegend wohn­ten. Sie erzähl­te auch von einem Mann namens James McKen­zie, den sie nicht moch­te, und von sei­nem Sohn Nicho­las, den sie als läs­tig emp­fand. Als sie das ers­te Mal zurück­ge­führt wur­de, beschrieb sie das Pflü­cken von Zitro­nen­me­lis­se, die für die Zube­rei­tung von hei­ßen Geträn­ken ver­wen­det wur­de. Sie erzähl­te auch … von alt­mo­di­schen Rezep­ten und Koch­me­tho­den. Wäh­rend Gwen sprach, nahm sie einen west­eng­li­schen Dia­lekt an. Sie leb­te in einem klei­nen Cot­ta­ge mit einem Stroh­dach. Sie wur­de gefragt, in wel­chem Teil Eng­lands sie lebe und wie die umlie­gen­den Dör­fer hie­ßen. Sie ant­wor­te­te: “Aul­ford, Blau­er­ton, Stonecha­pel, West Brad­ley, East Pen­nard.” Wir schrei­ben das Jahr 1780 und sie leb­te in Somer­set. Ihr Vater war Adam Dun­can und ihre Stief­mut­ter hieß Bes­sie.

So beginnt eine ein­drück­lich Film­re­por­ta­ge über die Erin­ne­rung von Gwen McDo­nald an ihr Leben in Somer­set als Rose Dun­can. Unter der Lei­tung des aus­tra­li­schen Psych­ia­ters Peter Rams­ter schil­der­te sie unter Hyp­no­se unzäh­li­ge Details zu ihrer Fami­lie, ihrer Lebens­wei­se, ihre Freu­den und Schwie­rig­kei­ten. Als sie mit einem Mann ver­hei­ra­tet wer­den soll­te, den sie nicht lieb­te, flüch­te­te sie sich zu ihrer gelieb­ten Glas­ton­bu­ry-Abtei und starb wenig spä­ter an einer Lun­gen­ent­zün­dung.

All die­se Schil­de­run­gen könn­ten selbst­ver­ständ­lich frei erfun­den sein. Rams­ter begann des­halb in aus­tra­li­schen Archi­ven nach Bestä­ti­gung von die­sen Details zu suchen und fand so vie­le, dass er beschloss, mit Gwen McDo­nald nach Eng­land zu rei­sen, um sei­ne For­schun­gen zusam­men mit Dr. Basil Cott­le, Mit­tel­al­ter­his­to­ri­ker, Dozent an der Uni­ver­si­tät Bris­tol und Exper­te für die Geschich­te von Somer­set, vor Ort wei­ter­zu­füh­ren.

Die aus­führ­li­che Geschich­te die­ser fas­zi­nie­ren­den und umfang­rei­chen Recher­che, die Dut­zen­de von Aus­sa­gen Gwen McDonald’s bestä­tig­te, kann in die­sem PDF nach­ge­le­sen wer­den. Die Lek­tü­re lohnt sich :-).

Was nicht sein darf — Reinkar­na­ti­on -, kann nur erfun­den sein. Skep­ti­ker ver­such­ten des­halb, auch die Geschich­te von Gwen McDo­nald als Betrug zu ent­lar­ven. Doch wie käme ein sol­cher Betrug zustan­de?
Wenn der Psych­ia­ter Peter Rams­ter, der für die Rück­füh­rung ver­ant­wort­lich war, zuvor in Eng­land recher­chiert hät­te, wäre es ihm mög­lich gewe­sen, ein Skript mit genau­en his­to­ri­schen Infor­ma­tio­nen zu ver­fas­sen, das Gwen McDo­nald wäh­rend der vor­ge­täusch­ten Hyp­no­se­sit­zun­gen ler­nen und vor­tra­gen konn­te?
Die Betrugs­hy­po­the­se ist ein mög­li­ches Sze­na­rio, aber ist sie wahr­schein­lich? Eine gro­ße Anzahl von Per­so­nen, die den Zugang zu spe­zia­li­sier­ten aka­de­mi­schen Biblio­the­ken in Eng­land bewa­chen, hät­te von Rams­ters vor­he­ri­gem Besuch in Eng­land gewusst und hät­te wahr­schein­lich „Alarm geschla­gen”, als die umstrit­te­ne Doku­men­ta­ti­on im aus­tra­li­schen und bri­ti­schen Fern­se­hen aus­ge­strahlt wur­de. Eine erheb­li­che Anzahl von Fak­ten konn­te erst nach Aus­strah­lung der Doku­men­ta­ti­on über­prüft wer­den, was eine vor­he­ri­ge betrü­ge­ri­sche Recher­che unwahr­schein­lich macht. Wäre die gesam­te Geschich­te erfun­den, hät­ten die auf­ge­zeich­ne­ten Ereig­nis­se auf den Infor­ma­tio­nen basie­ren müs­sen, die zum Zeit­punkt der Regres­si­ons­hyp­no­se­auf­zeich­nung ver­füg­bar waren.
Vie­le der von Gwen auf­ge­zeich­ne­ten Ereig­nis­se und Schreib­wei­sen stan­den im Wider­spruch zu den in Aus­tra­li­en ver­öf­fent­lich­ten Bewei­sen und konn­ten erst nach der Exkur­si­on des Teams nach Somer­set, Eng­land, als rich­tig bestä­tigt wer­den. Ein beson­de­rer Fall ist Gwens Aus­sa­ge, dass es in der Gegend ein Quä­ker­ver­samm­lungs­haus gab, was den ver­füg­ba­ren Bewei­sen zu wider­spre­chen schien, bis obsku­re Hin­wei­se in Eng­land bewie­sen, dass sie Recht hat­te.
(aus: Sci­ence and the Para­nor­mal)

Fort­set­zung am kom­men­den Frei­tag, den 27. Juni

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