Fort­set­zung der Zusam­men­fas­sung von Dr. Whit­ton zu den Erfah­run­gen der Zwi­schen­le­ben sei­ner Pro­ban­den im Bar­do-Zustand zwi­schen zwei Inkar­na­tio­nen. Er geht dar­in u.a. auf die Fra­ge des Kar­ma und unse­rer Ver­ant­wor­tung für unser Leben ein:
Wäh­rend prak­tisch alle Rei­sen­den im Leben zwi­schen den Leben beim Erwa­chen ein Gefühl für die­se wun­der­ba­re ande­re Welt behal­ten, sind nur weni­ge in der Lage, ihre Erin­ne­run­gen zu ihrer eige­nen Zufrie­den­heit zu erklä­ren, obwohl sie wäh­rend der Trance rela­tiv schlüs­si­ge Berich­te abge­ge­ben haben. „Es ist so anders“, sagen sie und suchen nach Wor­ten. „Ich kann es nicht genau erklä­ren“, sag­te eine Frau. „Aber ich ken­ne jetzt die Grün­de, das War­um und das Wozu mei­nes eige­nen Lebens.“ Ein Teil der Schwie­rig­keit bei der Inter­pre­ta­ti­on liegt in der Ein­zig­ar­tig­keit des Meta­be­wusst­seins. Men­schen ver­su­chen, selt­sa­me Ereig­nis­se mit Hil­fe ihres Vor­wis­sens zu beschrei­ben, aber es gibt nichts auf der Erde, was mit dem Zwi­schen­le­ben ver­gleich­bar wäre. Selbst Sym­bo­le kön­nen die Natur und Bedeu­tung die­ser Erfah­rung nicht erfas­sen.

Außer­dem kön­nen Men­schen ihre Erin­ne­run­gen zen­sie­ren. „Ich kann Infor­ma­tio­nen zurück­hal­ten, aber ich kann nicht lügen“, bemerk­te eine Test­per­son. Es besteht eine star­ke Nei­gung, stark nega­ti­ve Emo­tio­nen zu unter­drü­cken. Und selbst auf­er­leg­te Amne­sie wird sicher­lich fol­gen, wenn die See­le ent­schei­det, dass das bewuss­te Wis­sen um bevor­ste­hen­de Ereig­nis­se die kar­mi­sche Ent­fal­tung beein­träch­ti­gen wür­de. Mehr­fach haben hyp­no­ti­sier­te Pro­ban­den einen Blick auf zukünf­ti­ge Ereig­nis­se in ihrem Leben gewor­fen und dann Dr. Whit­ton gebe­ten, die­se Erin­ne­rung aus ihrem Bewusst­sein zu löschen. „Bit­te las­sen Sie mich das nicht erin­nern, wenn ich auf­wa­che“, haben sie gebe­ten. „Ich könn­te ver­sucht sein, mein Kar­ma zu mani­pu­lie­ren.“ Ande­re sind aus der Trance auf­ge­wacht, als sie von den Umstän­den ihrer Zukunft berich­te­ten, und konn­ten sich an nichts erin­nern, was gesche­hen war.

Den­noch fühl­ten sich eini­ge Pro­ban­den frei, ihre kar­mi­schen Skrip­te zu durch­fors­ten, das Wis­sen ins Bewusst­sein zu brin­gen und zukünf­ti­ge Ereig­nis­se in ihrem Leben vor­her­zu­sa­gen. Immer wenn die­se Vor­her­sa­gen kurz­fris­tig genug waren, um über­prüft wer­den zu kön­nen, erwie­sen sie sich als zutref­fend. Häu­fi­ger jedoch erhiel­ten die Pro­ban­den nur einen Hin­weis – und nicht mehr als einen Hin­weis – auf das, was sie erwar­te­te. Im August 1984 erfuhr ein Maschi­nen­füh­rer aus dem Meta­be­wusst­sein, dass ihm im Herbst 1985 „etwas extrem Schlim­mes” bevor­stand. Er hat­te kei­ne Ahnung, was die­ses unheil­vol­le Ereig­nis sein könn­te, und er wuss­te, dass er nicht ver­su­chen durf­te, des­sen genaue Natur her­aus­zu­fin­den, falls er ver­sucht sein soll­te, es zu ver­mei­den. „Was auch immer es ist”, sag­te er, „ich weiß, dass ich es um mei­ner Ent­wick­lung wil­len durch­ste­hen muss.” Am 15. Sep­tem­ber 1985 lan­de­te er nach einem plötz­li­chen schwe­ren Asth­ma­an­fall für zwei Wochen im Kran­ken­haus, von denen er die ers­ten vier Tage auf der Inten­siv­sta­ti­on ver­brach­te.

Alle, die aus dem Bar­do zurück­keh­ren, haben eine ande­re Geschich­te zu erzäh­len. Obwohl sie the­ma­tisch ähn­lich sind, unter­schei­den sich ihre Berich­te hin­sicht­lich des Gra­des an Licht oder Erleuch­tung an der Schwel­le, der Erschei­nung des Gerichts­hofs (man­che Men­schen sehen die Drei nicht, son­dern spü­ren ledig­lich die Emp­feh­lun­gen einer höhe­ren Instanz), dem Aus­maß, in dem das kar­mi­sche Dreh­buch ein­ge­se­hen wer­den kann, und vie­len ande­ren Details. In einem grund­le­gen­den Aspekt jedoch erhal­ten die weni­gen Pri­vi­le­gier­ten, die das Zwi­schen­le­ben besucht haben, die­sel­be uner­bitt­li­che Bot­schaft: Wir sind voll­stän­dig ver­ant­wort­lich für das, was wir sind und für die Umstän­de, in denen wir uns befin­den. Wir sind die­je­ni­gen, die die Ent­schei­dun­gen tref­fen.

Tota­le Selbst­ver­ant­wor­tung mag als Frei­heit am Abgrund emp­fun­den wer­den, aber die Angst wird durch das Wis­sen gemil­dert, dass wir alle Teil eines groß­ar­ti­gen Evo­lu­ti­ons­pro­zes­ses sind, der jedem Gedan­ken, jedem Wort und jeder Tat Bedeu­tung und Sinn ver­leiht. Nach­dem sie einen Ein­blick gewon­nen haben, wie jede nach­fol­gen­de Inkar­na­ti­on auf der Grund­la­ge der eige­nen Ver­gan­gen­heit aus­ge­wählt wird, keh­ren Rei­sen­de im Zwi­schen­le­ben mit einem gestei­ger­ten Bewusst­sein für ihre Ver­ant­wor­tung in die­ses Leben zurück. Aber sie behal­ten auch ein aus­ge­präg­tes Gespür für die mora­li­sche Sen­si­bi­li­tät, die im Makro­kos­mos wirkt, eine Sen­si­bi­li­tät, die ihre eige­ne unglaub­lich kom­ple­xe Rei­se ins und aus dem inkar­nier­ten Leben durch­dringt. Die Begeg­nung mit die­ser tie­fe­ren Rea­li­tät, die­ser grö­ße­ren Har­mo­nie, ver­spricht nichts ande­res als Befrei­ung durch Ver­ständ­nis. Wie Cice­ro in De Legi­bus nach einem Blick in die jen­sei­ti­ge Welt fest­stell­te: „End­lich haben wir Grün­de, war­um wir leben soll­ten, und wir sind nicht nur begie­rig zu leben, son­dern hegen auch eine bes­se­re Hoff­nung auf den Tod.“

Fort­set­zung am kom­men­den Frei­tag, den 12. Dezem­ber

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