Fort­set­zung der Zusam­men­fas­sung von Dr. Whit­ton zu den Erfah­run­gen der Zwi­schen­le­ben sei­ner Pro­ban­den im Bar­do-Zustand zwi­schen zwei Inkar­na­tio­nen:
Die ent­schei­den­den Ent­schei­dun­gen sind getrof­fen, und alles, was bleibt, ist, sie umzu­set­zen, indem man erneut in die Inkar­na­ti­on hin­ab­steigt. Das Meta­be­wusst­sein macht sehr deut­lich, dass der Tod zwar wirk­lich eine Heim­kehr ist, eine will­kom­me­ne Pau­se von Streit und Kampf, die Geburt jedoch der ers­te Tag eines schwie­ri­gen neu­en Pro­jekts. Und wäh­rend es Men­schen gibt, die sich mit Eifer und Vor­freu­de auf die Her­aus­for­de­run­gen des irdi­schen Daseins freu­en, betrach­ten die meis­ten den Gedan­ken, das zeit­lo­se, raum­lo­se Bar­do für mate­ri­el­le Ein­schrän­kun­gen auf­zu­ge­ben, mit Wider­wil­len.

Eini­ge zei­gen natür­lich mehr Wider­wil­len als ande­re. Ein Mann, der in der grie­chi­schen Anti­ke jun­ge Jun­gen miss­braucht hat­te, war ent­setzt dar­über, als ver­folg­ter Homo­se­xu­el­ler zurück­keh­ren zu müs­sen. „Oh, ver­dammt! Oh nein, nicht das. Alles, nur das nicht!“, schrie er in Trance. „Ich kann unmög­lich in die­sen Kör­per gehen“, sag­te er spä­ter. „Aber ich hat­te mei­ne Ent­schei­dung – wider­wil­lig – auf Anra­ten des Gerichts getrof­fen und muss­te sie nun durch­zie­hen. Ich fühl­te mich dazu gedrängt.“ Es scheint, dass man sich dem Akt der Reinkar­na­ti­on nur bis zu einem gewis­sen Grad wider­set­zen kann. Schließ­lich baut sich ein kos­mi­scher Druck auf, der, wie die­ser Pro­band bezeug­te, die See­le dazu zwingt, ihre Ent­wick­lung inner­halb der Gren­zen eines phy­si­schen Kör­pers fort­zu­set­zen.

Wie viel Zeit außer­halb der Inkar­na­ti­on ver­bracht wird, ist von Per­son zu Per­son und von Leben zu Leben sehr unter­schied­lich. Unter Dr. Whit­tons Pro­ban­den beträgt der kür­zes­te Zeit­raum zwi­schen zwei Leben zehn Mona­te, wäh­rend der längs­te mehr als acht­hun­dert Jah­re umfasst. Die durch­schnitt­li­che Dau­er zwi­schen zwei Leben – etwa vier­zig Jah­re – hat sich in den letz­ten Jahr­hun­der­ten ste­tig ver­kürzt. In der alten Welt, als sich der Glo­bus von Jahr­hun­dert zu Jahr­hun­dert kaum ver­än­der­te, gab es weni­ger Anrei­ze zur Reinkar­na­ti­on als heu­te. Die wie­der­keh­ren­den Ver­än­de­run­gen der moder­nen Welt schei­nen Wesen, die immer hung­rig nach neu­en irdi­schen Erfah­run­gen sind, dazu zu ver­lei­ten, ihre Zeit außer­halb der Inkar­na­ti­on zu ver­kür­zen – ein Fak­tor, der den enor­men Anstieg der Welt­be­völ­ke­rung durch­aus erklä­ren könn­te. Meh­re­re der Pro­ban­den von Dr. Whit­ton, die wäh­rend des Zwei­ten Welt­kriegs star­ben, sind recht­zei­tig wie­der­ge­bo­ren wor­den, um sich der „Babyboom“-Generation anzu­schlie­ßen.

Weni­ger ent­wi­ckel­te See­len, die nach einem neu­en Kör­per, egal wel­chem, dürs­ten, ver­brin­gen nicht viel Zeit im Leben zwi­schen den Leben. Eben­so wenig wie die­je­ni­gen, die auf der Erde eine frü­he Gele­gen­heit sehen, kar­mi­sche Aus­gleichs­zah­lun­gen für Hand­lun­gen in frü­he­ren Leben zu leis­ten. Ein län­ge­rer Auf­ent­halt kann aus dem Wunsch ent­ste­hen, gro­ße Anstren­gun­gen zur Vor­be­rei­tung auf die nächs­te irdi­sche Exis­tenz zu unter­neh­men, oder aus einer apa­thi­schen Hal­tung gegen­über dem evo­lu­tio­nä­ren Fort­schritt, die oft zu einem kör­per­lo­sen Schlum­mer bis zum „Weck­ruf” der nächs­ten Inkar­na­ti­on führt.

Hero­dot, der grie­chi­sche His­to­ri­ker, der im fünf­ten Jahr­hun­dert v. Chr. leb­te, erwähnt, dass die alten Ägyp­ter lehr­ten, dass jede See­le zwi­schen zwei Inkar­na­tio­nen einen Zeit­raum von 3.000 Jah­ren ver­bringt. Moder­ne Hyp­no­the­ra­peu­ten haben die­se Schät­zung jedoch gründ­lich revi­diert und fest­ge­stellt, dass vie­le ihrer Pati­en­ten im 20. Jahr­hun­dert mehr­mals wie­der­ge­bo­ren wur­den. Seth, der berühm­te Geist­füh­rer, der durch die Media­li­tät der Autorin Jane Roberts kom­mu­ni­zier­te, behaup­te­te, dass die per­sön­li­che Ent­schei­dung unfehl­bar die Dau­er des Bar­do bestimmt. Er sag­te: „Es liegt immer am Ein­zel­nen. Die Ant­wor­ten lie­gen dann in dir selbst, so wie die Ant­wor­ten jetzt in dir lie­gen.”

Bevor das Wesen die Erde betritt, durch­quert es eine äthe­ri­sche Bar­rie­re, die dazu dient, die Schwin­gun­gen sei­nes Bewusst­seins zu sen­ken. Jen­seits die­ser Bar­rie­re – sym­bo­li­siert durch den klas­si­schen Fluss des Ver­ges­sens – löst sich die Erin­ne­rung an die Herr­lich­keit des Bar­do auf. Die­se Amne­sie ist inso­fern von unschätz­ba­rem Wert, als sie end­lo­ses Seh­nen und Heim­weh nach der zurück­ge­las­se­nen Pracht ver­hin­dert und es dem Indi­vi­du­um ermög­licht, unge­hin­dert von ver­wir­ren­den Echos ver­gan­ge­ner Taten und Ver­feh­lun­gen in das neue Leben ein­zu­tre­ten. Eben­so wich­tig ist, dass das Wis­sen um alle Plä­ne, die die See­le für das kom­men­de Leben gefasst hat, not­wen­di­ger­wei­se unter­drückt wird. So wie es sinn­los ist, einem Schü­ler die Ant­wor­ten zu geben, bevor er sich hin­setzt, um eine Prü­fung zu schrei­ben, so erfor­dert auch die Prü­fung des Lebens, dass bestimm­te Infor­ma­tio­nen vor­über­ge­hend dem Bewusst­sein vor­ent­hal­ten wer­den.

Fort­set­zung am kom­men­den Frei­tag, den 28. Novem­ber

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