Hier folgt der nächs­te Teil der Ein­füh­rung zum Buch “Life bet­ween Life” des kana­di­schen Psych­ia­ters Joel L. Whit­ton:

Das größ­te Geheim­nis des Lebens ist ein dop­pel­tes Dilem­ma: Woher kom­men wir? Und was geschieht mit uns nach dem Tod, wenn über­haupt etwas geschieht? Seit jeher haben alle reli­giö­sen und phi­lo­so­phi­schen Schu­len und jeder Mensch mit auch nur einem Fun­ken Neu­gier über die­ses zen­tra­le Rät­sel spe­ku­liert. Obwohl es kaum hand­fes­te Bewei­se gibt, neigt die Mensch­heit sowohl in der Anti­ke als auch in der Moder­ne stark zum Glau­ben an die Unsterb­lich­keit. Es gab schon immer Athe­is­ten, die dar­auf bestan­den, dass die Geburt ein rein bio­lo­gi­sches Phä­no­men ist und dass das Bewusst­sein mit dem letz­ten Atem­zug eines Men­schen stirbt. Die­se mate­ria­lis­ti­sche Denk­wei­se ist jedoch selbst in der heu­ti­gen Welt der mecha­nis­ti­schen Wun­der und tech­no­lo­gi­schen Ver­lo­ckun­gen in der Min­der­heit. Eine Gal­lup-Umfra­ge aus dem Jahr 1982 ergab, dass 67 Pro­zent der Ame­ri­ka­ner an ein Leben nach dem Tod glau­ben.

Aber die Fra­ge bleibt: Wenn es ein Leben nach dem Tod gibt, wie sieht es dann wirk­lich aus? Wäh­rend die meis­ten Men­schen aner­ken­nen, dass das Bewusst­sein den Kör­per über­lebt, ent­zieht sich die Natur der Akti­vi­tä­ten nach dem Tod dem Ver­ständ­nis und manch­mal sogar der Vor­stel­lungs­kraft. Anstatt Bil­der von Leben­dig­keit und Vita­li­tät zu erzeu­gen, nei­gen Gedan­ken über die Unsterb­lich­keit zu Vag­heit und Abs­trak­ti­on.

„Die Vor­stel­lung von einem Leben nach dem Tod ist in der Tat völ­lig leer“, bemerk­te H. H. Pri­ce, ehe­ma­li­ger Prä­si­dent der Socie­ty for Psy­chi­cal Rese­arch in Eng­land, „es sei denn, wir kön­nen uns … eine gro­be Vor­stel­lung davon machen, wie ‚die ande­re Sei­te‘ aus­se­hen könn­te.“ Mytho­lo­gie, Folk­lo­re, Welt­re­li­gio­nen und Spi­ri­tua­lis­mus haben vie­le und unter­schied­li­che Behaup­tun­gen über die nächs­te Welt auf­ge­stellt. Aber erst in den letz­ten fünf­zehn Jah­ren, mit dem Auf­kom­men inten­si­ver Nah­tod­for­schung, ist eine Über­ein­stim­mung zwi­schen moder­nen medi­zi­ni­schen Bewei­sen und den Ver­mu­tun­gen der Alten erzielt wor­den.

For­scher, die die Erfah­run­gen von Men­schen unter­su­chen, die nach dem kli­ni­schen Tod wie­der­be­lebt wur­den, haben fas­zi­nie­ren­de Daten gesam­melt. Ihre Ergeb­nis­se zei­gen spon­ta­ne Sich­tun­gen von „Zeu­gen am Ster­be­bett“ einer ande­ren Exis­tenz­ebe­ne, die sich von unse­rer eige­nen deut­lich unter­schei­det. Die Berich­te stim­men dar­in über­ein, dass sich im Moment des kli­ni­schen Todes das Bewusst­sein vom Kör­per löst und durch einen „Tun­nel” in ein Licht von unbe­schreib­li­cher Hel­lig­keit und mit Emp­fin­dun­gen äußers­ter Freu­de und Frie­den gezo­gen wird. Obwohl sie nicht in die irdi­sche Exis­tenz zurück­keh­ren wol­len, füh­len sich die­se Zeu­gen gezwun­gen, ihr frei schwe­ben­des, kör­per­lo­ses Selbst wie­der mit den engen Gren­zen ihres ver­las­se­nen Kör­per­ge­fäng­nis­ses zu ver­ei­nen. Nach ihrer Wie­der­be­le­bung erken­nen sie schnell ihre Selbst­trans­for­ma­ti­on. Sie spre­chen aus­führ­lich davon, dass sie ihre Angst vor dem Tod ver­lo­ren haben (der Tod wird als „Heim­kehr“ und „wie eine Flucht aus dem Gefäng­nis“ beschrie­ben) und sind aus­nahms­los frus­triert dar­über, dass Wor­te nicht aus­rei­chen, um ihren glück­se­li­gen Auf­ent­halt in die­ser ande­ren Bewusst­seins­form zu beschrei­ben.

So span­nend und anre­gend die­se Berich­te auch sind, das Wis­sen, das sie ver­mit­teln, ist begrenzt, genau­so wie der Bericht eines Aus­lands­kor­re­spon­den­ten unbe­frie­di­gend wäre, wenn er sich dar­auf beschrän­ken wür­de, von der Gren­ze aus über die Akti­vi­tä­ten eines Lan­des zu berich­ten. Dr. Ken­neth Ring, der Autor von „Life at Death”, brach­te die Unvoll­stän­dig­keit der Nah­tod­for­schung auf den Punkt, als er schrieb: „Was nach den ers­ten Pha­sen des Todes geschieht, bleibt eine offe­ne Fra­ge.”

“Life Bet­ween Life” geht direkt auf die­se Fra­ge ein.

Basie­rend auf den Aus­sa­gen von Dr. Joel Whit­tons Pro­ban­den, die unter Hyp­no­se tief in das “Hin­ter­land des Todes” gereist sind, beleuch­tet die­ses Buch einen weit­ge­hend unbe­kann­ten Bereich der mensch­li­chen Erfah­rung. Das heißt, unbe­kannt für den inkar­nier­ten Men­schen. Die Bot­schaft aus der tie­fen Trance lau­tet, dass das Leben nach dem Tod gleich­be­deu­tend ist mit dem Leben vor der Geburt und dass die meis­ten von uns schon vie­le, vie­le Male als kör­per­lo­se Wesen in die­ser ande­ren Welt gelebt haben. Unbe­wusst sind wir mit der kör­per­lo­sen Exis­tenz genau­so ver­traut wie mit der Erde – die nächs­te Welt ist sowohl der Zustand, den wir ver­las­sen haben, um gebo­ren zu wer­den, als auch der Zustand, in den wir nach dem Tod zurück­keh­ren. Wäh­rend sich das Rad des Lebens dreht, wie­der­ho­len sich Geburt und Tod in der Evo­lu­ti­on des Indi­vi­du­ums. Daher auch der Titel die­ses Ban­des – der Tod ist nichts ande­res als die Schwel­le des Bewusst­seins, die eine Inkar­na­ti­on von der nächs­ten trennt. Es gibt tat­säch­lich ein Leben zwi­schen den Leben.

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