Die Vor­ge­schich­te der USA hat nebst der Skla­ve­rei in den Süd­staa­ten eine wei­te­re dunk­le Sei­te: die Ver­trei­bung und teil­wei­se Aus­rot­tung der indi­ge­nen Völ­ker Nord­ame­ri­kas. Sie begann schon im 16. Jahr­hun­dert mit der Ankunft des eng­li­schen See­manns und Ent­de­ckungs­rei­sen­den Richard Gren­ville 1585 mit den ers­ten eng­li­schen Sied­lern:
Die India­ner, denen er begeg­ne­te, waren gast­freund­lich, aber als einer von ihnen einen klei­nen Sil­ber­be­cher stahl, plün­der­te und brann­te Gren­ville das gesam­te India­ner­dorf nie­der.

Jame­s­town (die ers­te dau­er­haf­te eng­li­sche Sied­lung in Vir­gi­nia) selbst wur­de inner­halb des Ter­ri­to­ri­ums einer India­ner­kon­fö­de­ra­ti­on gegrün­det, die von Häupt­ling Powhat­an ange­führt wur­de. Powhat­an beob­ach­te­te, wie sich die Eng­län­der auf dem Land sei­nes Vol­kes nie­der­lie­ßen, griff jedoch nicht an und behielt eine gelas­se­ne Hal­tung bei. Als die Eng­län­der im Win­ter 1610 eine Hun­gers­not durch­leb­ten, flo­hen eini­ge von ihnen zu den India­nern, wo sie zumin­dest zu essen beka­men. Als der Som­mer kam, sand­te der Gou­ver­neur der Kolo­nie einen Boten zu Powhat­an, um ihn zu bit­ten, die Flücht­lin­ge zurück­zu­ge­ben, wor­auf Powhat­an laut eng­li­schen Berich­ten „nichts als stol­ze und ver­ächt­li­che Ant­wor­ten” gab. Dar­auf­hin wur­den eini­ge Sol­da­ten aus­ge­sandt, um „Rache zu neh­men“. Sie über­fie­len eine India­ner­sied­lung, töte­ten fünf­zehn oder sech­zehn India­ner, brann­ten die Häu­ser nie­der, mäh­ten das Mais­feld rund um das Dorf, nah­men die Köni­gin des Stam­mes und ihre Kin­der mit auf Boo­te und war­fen schließ­lich die Kin­der über Bord, „und schos­sen ihnen im Was­ser die Köp­fe weg“. Die Köni­gin wur­de spä­ter weg­ge­bracht und ersto­chen.

Zwölf Jah­re spä­ter beschlos­sen die India­ner, alar­miert durch die wach­sen­de Zahl eng­li­scher Sied­lun­gen, offen­bar, die­se end­gül­tig aus­zu­lö­schen. Sie gin­gen auf Raub­zug und mas­sa­krier­ten 347 Män­ner, Frau­en und Kin­der. Von da an herrsch­te tota­ler Krieg.

Da sie die India­ner weder ver­skla­ven noch mit ihnen zusam­men­le­ben konn­ten, beschlos­sen die Eng­län­der, sie aus­zu­rot­ten. Edmund Mor­gan schreibt in sei­ner Geschich­te des frü­hen Vir­gi­nia, “Ame­ri­can Slavery, Ame­ri­can Free­dom”:
Da die India­ner bes­se­re Wald­läu­fer waren als die Eng­län­der und prak­tisch unauf­find­bar, bestand die Metho­de dar­in, fried­li­che Absich­ten vor­zu­täu­schen, sie sich nie­der­las­sen und ihr Mais anbau­en zu las­sen, wo immer sie woll­ten, und dann, kurz vor der Ern­te, über sie her­zu­fal­len, so vie­le wie mög­lich zu töten und den Mais zu ver­bren­nen. Inner­halb von zwei oder drei Jah­ren nach dem Mas­sa­ker hat­ten die Eng­län­der den Tod der Opfer die­ses Tages um ein Viel­fa­ches gerächt.

In jenem ers­ten Jahr der Wei­ßen in Vir­gi­nia, 1607, hat­te Powhat­an einen Appell an John Smith gerich­tet, der sich als pro­phe­tisch erwies. Wie authen­tisch er ist, mag zwei­fel­haft sein, aber er ähnelt so sehr vie­len Aus­sa­gen der India­ner, dass man ihn, wenn nicht als den genau­en Wort­laut die­ses ers­ten Appells, so doch als des­sen genau­en Geist betrach­ten kann:
Ich habe zwei Gene­ra­tio­nen mei­nes Vol­kes ster­ben sehen. … Ich ken­ne den Unter­schied zwi­schen Frie­den und Krieg bes­ser als jeder ande­re in mei­nem Land. Ich bin nun alt gewor­den und wer­de bald ster­ben; mei­ne Auto­ri­tät muss auf mei­ne Brü­der Opit­cha­pan, Ope­chan­ca­nough und Cata­tough über­ge­hen – dann auf mei­ne bei­den Schwes­tern und dann auf mei­ne bei­den Töch­ter. Ich wün­sche mir, dass sie genau­so viel wis­sen wie ich und dass Ihre Lie­be zu ihnen so groß ist wie mei­ne zu Ihnen. War­um wol­len Sie mit Gewalt neh­men, was Sie durch Lie­be fried­lich bekom­men kön­nen? War­um wol­len Sie uns ver­nich­ten, die wir Sie mit Nah­rung ver­sor­gen? Was kön­nen Sie durch Krieg gewin­nen? Wir kön­nen unse­re Vor­rä­te ver­ste­cken und in die Wäl­der flie­hen; dann wer­den Sie hun­gern, weil Sie Ihren Freun­den Unrecht getan haben. War­um sind Sie eifer­süch­tig auf uns?

Wir sind unbe­waff­net und bereit, euch zu geben, was ihr ver­langt, wenn ihr in freund­li­cher Wei­se kommt und nicht so ein­fäl­tig seid, dass ihr nicht wisst, dass es viel bes­ser ist, gutes Fleisch zu essen, bequem zu schla­fen, ruhig mit mei­nen Frau­en und Kin­dern zu leben, mit den Eng­län­dern zu lachen und fröh­lich zu sein und mit ihnen gegen ihr Kup­fer und ihre Bei­le zu han­deln, als vor ihnen weg­zu­lau­fen und kalt im Wald zu lie­gen, sich von Eicheln, Wur­zeln und ähn­li­chem Unrat zu ernäh­ren und so gejagt zu wer­den, dass ich weder essen noch schla­fen kann. In die­sen Krie­gen müs­sen mei­ne Män­ner wach­sam sit­zen, und wenn ein Zweig bricht, schrei­en sie alle: „Hier kommt Cap­tain Smith!“ Also muss ich mei­nem elen­den Leben ein Ende set­zen. Nehmt eure Geweh­re und Schwer­ter weg, …, oder ihr wer­det alle auf die glei­che Wei­se ster­ben.

Fort­set­zung am kom­men­den Frei­tag, den 27. Febru­ar

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