Bevor Sperber 1937 mit der kommunistischen Partei endgültig brach, engagierte er sich noch einmal voll in einem von der Jugendkomintern gegründeten Komitee, das von Paris aus “eine Weltbewegung der Jugend gegen Krieg und Faschismus organisieren sollte. Sperber wurde von Willi Münzenberg dafür engagiert, der hinter fast allen Propagandaaktionen in Westeuropa stand. Er kannte Sperber schon aus der Berliner Zeit und wusste deshalb um dessen Erfahrung in Jugendfragen. Für das Komitee sollte Sperber deshalb als Berater tätig sein, Zeitschriften herausgeben und Propagandatexte zu verfassen”. (Isler, p. 53)
Willi Münzenberg war von einem ähnlichen Feuer für eine neue gerechte Sozialordnung erfüllt wie Sperber. Sein Werdegang führte ihn übrigens für mehrere Jahre in die Schweiz:
Von August 1910 bis Ende 1913 arbeitete er als Hilfskraft in einer Apotheke in Zürich. Dort schloss er sich einer Gruppe der sozialistischen Jugendorganisation der Schweiz an und beschäftigte sich intensiv mit der in anarchistischen Kreisen gängigen Literatur wie die Gegenseitige Hilfe von Pjotr Kropotkin, Der Einzige und sein Eigentum von Max Stirner oder die Propaganda der Tat von Johann Most.[1] Ende Juli 1912 wurde er Mitglied des Zentralvorstands der sozialistischen Jugendorganisation der Schweiz und Redakteur der Monatszeitschrift Die freie Jugend.[2] Im Ersten Weltkrieg leitete er das Internationale Jugendsekretariat in Bern und nahm an der Kientaler Konferenz teil und lernte Lenin kennen. Nach einer Demonstration wurde Münzenberg im November 1917 in Zürich festgenommen[3] und am 10. November 1918 als „missliebiger Ausländer“ und „Anhänger der Oktoberrevolution“ der Schweiz verwiesen[4]. Er schloss sich in Berlin dem Spartakusbund an und war Gründungsmitglied der KPD. Beim Spartakusaufstand gefasst, sollten Münzenberg und andere Revolutionäre im Januar 1919 beim Transport nach Ulm „auf der Flucht erschossen“ werden. Der damit beauftragte württembergische Sicherheitswehrmann Karl Matthäus Löw ließ sie jedoch frei, was Münzenberg ihm nicht vergessen sollte.[5] Im Sommer 1919 wurde Münzenberg Vorsitzender der Kommunistischen Jugendinternationale (KJI). (Wikipedia)
Münzenberg entwickelte sich zu einem entscheidenden Stützpfeiler der kommunistischen Propaganda in Westeuropa:
Er war „Propaganda-Chef der Kommunistischen Internationale für die westliche Welt“ und baute für die Partei das nach dem deutschnationalen Hugenberg-Konzern zweitgrößte Medienunternehmen der Weimarer Republik auf. (Wikipedia)
Ähnlich wie bei Sperber kam es später zum Bruch mit der moskauhörigen kommunistischen Partei. 1940 starb er in Frankreich auf der Flucht vor den heranrückenden Deutschen unter bis heute ungeklärten Umständen.
Sperber arbeitete nicht ganz zwei Jahre lang als kommunistischer Funktionär für das Weltjugendkomitee gegen Krieg und Faschismus. Das Komitee wurde von einer grösseren Zahl von angesehenen Persönlichkeiten patroniert, zum Beispiel von Romain Rolland, Heinrich Mann, usw. Alle wichtigen Entscheidungen wurden jedoch in Moskau gefällt .. (Isler, p. 54/55)
Und Sperber befleissigte sich weiterhin der offiziellen Parteilinie, wenn er in einem Artikel vom März 1936 unter dem Titel: Die Jugend — eine Grossmacht des Friedens” schrieb:
Wir glauben, dass der Krieg eine Konsequenz der kapitalistischen Gesellschaftsordnung ist und dass die Kriegsgefahr nur mit dieser Ordnung selber beseitigt werden kann. Und darum sehen wir in der Sowjetunion den Vorkämpfer des Friedens. Sie ist das einzige Land, das im Angesichte der Welt erklärt, keinen Fussbreit fremden Bodens zu wollen. Sie ist das einzige Land, in dem der Kapitalismus nur noch in der Erinnerung lebt.”
Doch hinter diesen offiziellen Verlautbarungen hatten sich schon seit längerem grundsätzliche Zweifel eingenistet, die schliesslich zum Bruch mit der Partei führen sollten.
Dazu mehr in der nächsten Folge am Samstag, den 24. Mai
An anderen Serien interessiert?
Wilhelm Tell / Ignaz Troxler / Heiner Koechlin / Simone Weil / Gustav Meyrink / Narrengeschichten / Bede Griffiths / Graf Cagliostro /Salina Raurica / Die Weltwoche und Donald Trump / Die Weltwoche und der Klimawandel / Die Weltwoche und der liebe Gott /Lebendige Birs / Aus meiner Fotoküche / Die Schweiz in Europa /Die Reichsidee /Vogesen / Aus meiner Bücherkiste / Ralph Waldo Emerson / Fritz Brupbacher / A Basic Call to Consciousness / Leonhard Ragaz / Christentum und Gnosis / Helvetia — quo vadis? / Aldous Huxley / Dle WW und die Katholische Kirche / Trump Dämmerung / Manès Sperber /Reinkarnation


H.R. Schiesser (Manès-Sperber-Archiv)
Aug. 24, 2025
Folge 17
2. Zeile
“… in einem von der Jugendkomintern gegründete Komitee …”
1. Korrektur: gegründeteN Komitee…
2. Absatz (Münzenberg), drittletzte Zeile
“SicherheitswehrmannKarl Matthäus Löw”
2. Korrektur: Leerzeichen zwischen Titel und Vorname
Vorletzter Absatz (Isler Zitat)
3. Korrektur: eine Klammer zuviel bei Quellenangabe