Seit dem brutalen Eingreifen des U.S. Immigration and Customs Enforcement ICE in Minneapolis und anderen demokratisch kontrollierten Städten im Januar dieses Jahres ist die Behörde seit der Ablösung dessen Einsatzleiters Gregory Bovino aus dem Aufmerksamkeitsraster der Medien
verschwunden. Völlig zu unrecht, stellt Robert Reich, ehemaliger Arbeitsminister unter Präsident Clinton, fest.
… Wenn es euch wie mir geht, wollt ihr über nichts nachdenken, was Trump tut, worüber ihr nicht müsst. Die schreckliche innerstaatliche Polizeibehörde namens ICE zum Beispiel scheint sich beruhigt zu haben. Also können wir sie aus unseren Köpfen verbannen, oder?
Falsch. Die ICE hat sich nicht beruhigt. Es ist sogar noch schlimmer. Sie ist nur weniger sichtbar geworden. Die ICE hat still und leise ihre Festnahmequote für Einwanderer verdoppelt. Sie verhaftet nun 2.000 Menschen pro Tag.
Aber ihr hört nichts davon, weil der neue Leiter des Heimatschutzministeriums, Markwayne Mullin, beschlossen hat, ICE-Agenten still und leise im ganzen Land zu verteilen, anstatt jeweils eine von den Demokraten kontrollierte Stadt ins Visier zu nehmen. Anstatt Medienspektakel, Gerichtsverfahren und Gegenreaktionen in der Bevölkerung zu schüren, geht die ICE nun leiser an ihre rücksichtslosen Aufgaben heran.
Doch jeden Tag werden mehr unserer Nachbarn – und mehr Menschen, die sich legal in den Vereinigten Staaten aufhalten – bei Einreisekontrollen, Verkehrskontrollen, an Arbeitsplätzen und auf öffentlichen Plätzen festgenommen. Die Razzien haben in Los Angeles, San Diego, Houston, Dallas, McAllen, Brownsville, New York City, Newark, Passaic, Plainfield, Milwaukee, Waukesha, Nashville, Charlotte, Chicago und sogar in Minneapolis zugenommen.
Lokale Medien berichten weiterhin über das Geschehen, doch die nationalen Medien scheinen das Interesse verloren zu haben (von den internationalen ganz zu schweigen).
Es folgt eine längere Aufzählung von Verhaftungsbeispielen, — z.B. Festnahmen von Arbeitern auf Milchviehbetrieben in Virginia, eine Massenverhaftung von 30 Arbeitern in einem Betrieb in Alabama, die Verhaftung einer 56-jährigen Nonne auf dem Weg zur Messe in Texas, usw.
Das ICE verfügt inzwischen mit 70 Milliarden $ über das Dreifache des letztjährigen Budgets und setzt gezielt Gesichtserkennungstechnologie ein, — auch gegen Demonstranten. So händigte die ICE einem Mann, der mit seiner Tochter auf Besuch in New York war, eine Warnung aus, er habe möglicherweise gegen das Gesetz verstossen. Grund: eine dreizeilige E‑Mail an den ehemaligen Leiter der ICE, in dem er das Massenabschiebungsprogramm kritisierte und ihn mit einem Nazi verglich. Orwell lässt von ferne grüssen …
Fazit Reichs:
Die ICE ist größer und schlimmer denn je, auch wenn die großen Medien nicht mehr darüber berichten. Die Schreckensherrschaft der ICE schüchtert nicht nur viele Migranten ohne Papiere und ihre Familien ein – und hindert sie daran, die benötigte medizinische Versorgung in Anspruch zu nehmen, zur Schule zu gehen oder vor Gericht zu erscheinen –, sondern die ICE reißt auch viele US-Bürger in ihren Sog, die gegen Trumps Polizeistaat protestieren.
An anderen Serien interessiert?
Wilhelm Tell / Ignaz Troxler / Heiner Koechlin / Simone Weil / Gustav Meyrink / Narrengeschichten / Bede Griffiths / Graf Cagliostro /Salina Raurica / Die Weltwoche und Donald Trump / Die Weltwoche und der Klimawandel / Die Weltwoche und der liebe Gott /Lebendige Birs / Aus meiner Fotoküche / Die Schweiz in Europa /Die Reichsidee /Vogesen / Aus meiner Bücherkiste / Ralph Waldo Emerson / Fritz Brupbacher / A Basic Call to Consciousness / Leonhard Ragaz / Christentum und Gnosis / Helvetia — quo vadis? / Aldous Huxley / Dle WW und die Katholische Kirche / Trump Dämmerung / Manès Sperber /Reinkarnation / USA — alternative Geschichten

