Wir blei­ben wei­ter­hin bei Vine Deloria’s schnei­den­der Ana­ly­se der christ­li­chen Mis­sio­nie­rung der india­ni­schen Völ­ker, die mit einem ver­steck­ten Ras­sis­mus ein­her­ging. Hier ein klei­nes Bei­spiel:
Auf einer Mis­si­ons­kon­fe­renz vor zwei Jah­ren beschrieb ein pres­by­te­ria­ni­scher Pfar­rer, der für die India­ner­ar­beit sei­ner Kon­fes­si­on zustän­dig war, die Arbeit sei­ner Kir­che bei den Shin­ne­cocks auf Long Island. Dann bat er um Fra­gen.
Ich frag­te ihn, wie lan­ge die Pres­by­te­ria­ner beab­sich­tig­ten, Mis­si­ons­ar­beit unter einem Stamm zu betrei­ben, der seit über drei­hun­dert­fünf­zig Jah­ren als Chris­ten leb­te. Sei­ne Ant­wort auf mei­ne Fra­ge war reprä­sen­ta­tiv für die heu­ti­ge Hal­tung der Chris­ten gegen­über den India­nern: „Bis die Arbeit getan ist.”
Das Chris­ten­tum, das die anti­ke Welt in weni­ger als drei­hun­dert Jah­ren in die Knie gezwun­gen und das mäch­ti­ge Römi­sche Reich erobert hat­te, war im glei­chen Zeit­raum nicht in der Lage, hun­dert India­ner zu unter­wer­fen, die sich auf Long Island zusam­men­ge­kau­ert hat­ten. Es ver­steht sich von selbst, dass mein Glau­be durch die­se Aus­sa­ge bis ins Mark erschüt­tert wur­de.

Die­se Hal­tung des Miss­trau­ens, der laten­ten Ver­ach­tung und der Ent­mün­di­gung der “india­ni­schen Schäf­chen” war ein durch­ge­hen­des Merk­mal der Mis­sio­nie­rung durch die ver­schie­de­nen Kir­chen:
… Zu der Fra­ge des Eigen­tums kommt die offen­sicht­li­che ras­sis­ti­sche Dis­kri­mi­nie­rung der Kon­fes­sio­nen gegen­über den india­ni­schen Völ­kern hin­zu, die den Men­schen in den Reser­va­ten zuneh­mend bewusst wird. So sehr sie sich auch bemü­hen, die Kir­chen kön­nen nicht zuge­ben, dass ein india­ni­scher Geist­li­cher, der in sei­ner Mut­ter­spra­che zu sei­nem eige­nen Volk spricht, effi­zi­en­ter und wirk­sa­mer ist als ein hoch­qua­li­fi­zier­ter wei­ßer Mis­sio­nar, der Unsinn redet.

Die gro­ßen Kon­fes­sio­nen sind unnach­gie­big in ihrer Ent­schlos­sen­heit, india­ni­sche Men­schen vom geist­li­chen Amt aus­zu­schlie­ßen. Eine Rei­he von Tricks, die „offi­zi­el­le“ Bekennt­nis­se zur Sor­ge um einen indi­ge­nen Dienst umge­hen, wer­den ein­ge­setzt, um india­ni­sche Kan­di­da­ten aus­zu­schlie­ßen.

Eine Kir­che wei­gert sich, India­ner zum geist­li­chen Amt zuzu­las­sen, weil sie befürch­tet, dass eines Tages ein india­ni­scher Pries­ter oder Geist­li­cher in einer wei­ßen Gemein­de die­nen wol­len könn­te. India­ni­sche Geist­li­che wären per Defi­ni­ti­on nicht in der Lage, in einer wei­ßen Gemein­de zu die­nen. Daher, so die Argu­men­ta­ti­on, sei­en sie auch für die Arbeit unter india­ni­schen Gemein­den nicht geeig­net. Mir wur­de gesagt, dass sie zwar will­kom­men sei­en, sich aber offen­bar nicht qua­li­fi­zie­ren könn­ten.
Ande­re Kir­chen befürch­ten, dass bei der Über­set­zung der hei­li­gen Leh­ren in die Mut­ter­spra­che die sub­ti­len Nuan­cen, die von den Theo­lo­gen der Refor­ma­ti­on geschaf­fen wur­den, einen Teil ihrer Beson­der­hei­ten ver­lie­ren könn­ten. … (Des­halb) ste­hen vie­le Kon­fes­sio­nen der Zulas­sung von India­nern zum geist­li­chen Amt skep­tisch gegen­über, da die Gefahr besteht, dass die Leh­re ver­fälscht wer­den könn­te. Daher ent­sen­den sie wei­ter­hin wei­ße Mis­sio­na­re in India­ner­ge­bie­te, um sicher­zu­stel­len, dass die rich­ti­gen theo­lo­gi­schen Unter­schei­dun­gen getrof­fen wer­den.

Mit der Qua­li­fi­ka­ti­on die­ser Mis­sio­na­re haper­te es laut Del­oria aller­dings mas­siv:
Man­che Kir­chen ver­zeich­nen jedes Früh­jahr eine unglaub­li­che Fluk­tua­ti­on und ver­su­chen den gan­zen Som­mer über, ihre Stel­len zu beset­zen. Schließ­lich fin­den sie einen Wei­ßen, der ein ehe­ma­li­ger Bas­ket­ball­trai­ner, ein pen­sio­nier­ter Redak­teur, ein inter­es­sier­ter Laie oder ein ehe­ma­li­ger Leh­rer ist, und über­ge­ben ihm umge­hend die Mis­si­on mit allem Drum und Dran, ohne wei­te­re Nach­fra­gen zu stel­len. Die Tat­sa­che, dass der neu Ernann­te weiß ist, reicht aus, um etwa­ige theo­lo­gi­sche oder fach­li­che Män­gel zu über­de­cken.
Somit ist die Qua­li­tät der Mis­si­ons­mit­ar­bei­ter auf einem All­zeit­tief. Die meis­ten haben kein Inter­es­se an ihrer Arbeit und betrach­ten sie eher als Job denn als Beru­fung. Im All­ge­mei­nen hegen sie gro­ße Ver­ach­tung für die india­ni­sche Bevöl­ke­rung, der sie eigent­lich hel­fen sol­len.

Aber wahr­schein­lich noch schlim­mer ist, dass ein Groß­teil der Mis­si­ons­ar­beit von wei­ßen Geist­li­chen geleis­tet wird, die nicht fähig genug sind, wei­ße Gemein­den zu lei­ten. In den meis­ten Fäl­len ist das india­ni­sche Mis­si­ons­ge­biet ihre letz­te Sta­ti­on, bevor sie das geist­li­che Amt ganz auf­ge­ben. Sie wer­den von ver­zwei­fel­ten Kir­chen­funk­tio­nä­ren von Pon­ti­us zu Pila­tus geschleppt, die ver­zwei­felt ver­su­chen, das schwan­ken­de Glück ihrer Mis­si­ons­fel­der zu stüt­zen. Es wird viel Geld dafür aus­ge­ge­ben, die von die­sen wei­ßen Außen­sei­tern ver­ur­sach­ten Kata­stro­phen zu ver­tu­schen. Wenn sie an einem Ort zu viel Auf­ruhr ver­ur­sa­chen, wer­den sie an einen ande­ren ver­setzt und dort wie­der los­ge­las­sen.

Die­se Tak­tik des Ver­tu­schens dürf­te uns auch in Euro­pa nicht ganz unbe­kannt sein …
Das Fazit Del­ori­as: Eine Mis­sio­nie­rung, die ledig­lich auf der Ver­mitt­lung toter reli­giö­ser Dog­men beruht, muss letzt­lich schei­tern.

Und das geschah auch. Dazu mehr in der nächs­ten Fol­ge am kom­men­den Frei­tag, den 26. Juni

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