Wie spektakulär sich die Wette der Mercers inzwischen ausgezahlt hat, zeigt Thom Hartmann in seinem neuesten Kommentar auf (Hervorhebungen durch den Autor):
Ich schreibe und warne schon seit Jahren vor der Vereinnahmung der amerikanischen Demokratie durch Milliardäre. Das ist keine Theorie mehr. Und es ist auch keine besonders gut versteckte Verschwörung. Vieles davon spielt sich tatsächlich ganz offen ab.
Laut Americans for Tax Fairness haben gerade einmal ~100 Milliardärsfamilien die Rekordsumme von 2,6 Milliarden Dollar in die Bundeswahlen 2024 gesteckt, was jedem sechsten Dollar entspricht, der insgesamt ausgegeben wurde.
Das ist eine 160-fache Steigerung der politischen Ausgaben von Milliardären seit der korrupten Citizens United-Entscheidung des Obersten Gerichtshofs im Jahr 2010. Trump selbst erhielt laut derselben Analyse über 450 Millionen Dollar von etwa 150 Milliardärsfamilien – dreimal so viel wie Kamala Harris.
Elon Musk allein gab über 278 Millionen Dollar aus, um Trump zurück ins Weiße Haus zu bringen und sich selbst die Möglichkeit zu verschaffen, unsere Regierung so umzugestalten, dass Ermittlungen gegen seine Unternehmen eingestellt und stattdessen Regierungsaufträge in Milliardenhöhe an sie vergeben wurden.
Und nun sitzen 13 Milliardäre aus diesen rund 150 Familien in Trumps Kabinett, dem reichsten Kabinett in der amerikanischen Geschichte, während unser erster Milliardärspräsident den systematischen Abbau jeder Institution überwacht, die einst die einfachen Menschen vor den Übergriffen obszönen Reichtums schützte.
Es ist nicht kompliziert, wenn man es als Ganzes betrachtet.
Trump schmeichelt sich nicht nur aus persönlicher Bewunderung oder einer unerklärlichen ideologischen Affinität bei Putin und den anderen ein, obwohl beides oft real genug zu sein scheint.
Er, Putin, MBS (Saudiarabien) und Netanjahu sind alle an demselben Projekt beteiligt, dem sich die Speichellecker in seiner Regierung offenbar angeschlossen haben: die demokratische, regelbasierte Weltordnung – in der Regierungen ihren Bürgern gegenüber rechenschaftspflichtig sind und Reichtum durch Gesetze begrenzt wird – durch eine brutale und oligarchische zu ersetzen, in der massiver Reichtum niemandem und nichts Rechenschaft schuldig ist, die Medien unter Kontrolle stehen und die Herrschenden keine Opposition dulden.
Eine Welt, in der Milliardäre ihr Geld überall parken, jede Regierung kaufen, die Bevölkerung terrorisieren und sich nur selten Sorgen machen müssen, dass eine lästige demokratische Wahl die Regeln für sie ändert.
Unsere Gründerväter äußerten genau darüber ausdrücklich ihre Besorgnis. Sie gestalteten die Verfassung gezielt so, um zu verhindern, dass ein Präsident beispielsweise aus privatem Gewinnstreben oder auf Geheiß ausländischer Mächte Krieg führt. Sie übertrugen dem Kongress die alleinige Befugnis, Krieg zu erklären, gerade weil sie wollten, dass das amerikanische Volk mitreden und darüber debattieren kann, ob es das Leben seiner Kinder und sein Geld für einen Konflikt opfern soll.
Trump hat das nicht nur umgangen; er prahlte damit, es zerstört zu haben. Bei einem Spenden-Dinner der Republikaner räumte er offen ein, dass er seine nicht genehmigte Bombardierung des Iran, die zum Tod von 13 amerikanischen Soldaten führte, nicht als „Krieg“ bezeichnete, weil man, wie er es ausdrückte, „[für einen Krieg] eine Genehmigung einholen muss“. Das ist ein Geständnis, keine Entgleisung.
Die Kosten dieses unberechtigten, von Milliardären finanzierten und von einem Autokraten vorangetriebenen militärischen Abenteuers belaufen sich mittlerweile auf mindestens 1 Milliarde Dollar pro Tag und Tausende von Menschenleben, (…)
Die Milliardäre und Ideologen, die dahinter stehen, sind nicht verwirrt. Sie wissen genau, was sie zerstören und welche Art von Oligarchie sie aufbauen wollen, um unsere Demokratie zu ersetzen. Die Frage ist, ob genug von uns dies klar genug erkennen, um sie aufzuhalten, bevor ihr Projekt vollendet ist.
Schlagzeile in der baz vom Mittwoch:

Und hier gleich noch ein SPIEGEL-Kommentar dazu.
Fortsetzung am kommenden Freitag, den 1. Mai
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