Fort­set­zung der Zusam­men­fas­sung von Dr. Whit­ton zu den Erfah­run­gen der Zwi­schen­le­ben sei­ner Pro­ban­den im Bar­do-Zustand zwi­schen zwei Inkar­na­tio­nen. Er geht dar­in u.a. auf die Fra­ge der Abtrei­bung ein.
Die ers­te Wahr­neh­mung, tat­säch­lich im Kör­per zu sein, wird manch­mal schon meh­re­re Mona­te vor der Geburt oder kurz nach dem Ver­las­sen des Mut­ter­lei­bes berich­tet. Vie­le der Pro­ban­den von Dr. Whit­ton haben berich­tet, dass sie über ihrer Mut­ter „schweb­ten”, sie bei der Aus­wahl von Essen und Musik ermu­tig­ten, sie vom Rau­chen und Alko­hol­kon­sum abhiel­ten und all­ge­mein ihr Ver­hal­ten so lenk­ten, dass es ihrem gemein­sa­men Wohl dien­te. In meh­re­ren Fäl­len wur­de ein Name für das unge­bo­re­ne Kind mit­ge­teilt.

Tritt die See­le all­mäh­lich oder plötz­lich in den Kör­per ein, lan­ge vor der Geburt, zum Zeit­punkt der Geburt oder nach­dem das Baby gebo­ren wur­de? Oder kann es gro­ße Unter­schie­de von Per­son zu Per­son geben? Dies sind wich­ti­ge Fra­gen, auf die sich aus der Viel­zahl wider­sprüch­li­cher Bewei­se bis­lang kei­ne ein­deu­ti­ge Ant­wort ergibt. Die Fra­ge wird durch das Vor­han­den­sein zwei­er Arten von Gedächt­nis – dem Gedächt­nis des Gehirns und dem Gedächt­nis der See­le – noch ver­wir­ren­der. Da das Gedächt­nis des Gehirns bereits drei Mona­te nach der Emp­fäng­nis funk­tio­niert, ist es schwie­rig zu sagen, ob Pro­ban­den unter Hyp­no­se Bot­schaf­ten aus dem zen­tra­len Ner­ven­sys­tem oder aus der Gegen­wart des ewi­gen „Ich” wei­ter­ge­ben. Die­se Unge­wiss­heit ist zwar für die heiß dis­ku­tier­te Fra­ge der Abtrei­bung rele­vant, bie­tet jedoch kei­ne Lösun­gen. Wir wür­den ledig­lich sagen, dass, wenn die See­le zum Zeit­punkt der Abtrei­bung im Kör­per ist, die Tötung des Fötus mit Mord gleich­ge­setzt wer­den kann; wenn nicht, tut der Abtrei­ben­de nichts Schlim­me­res, als ein Stück Kör­per­ge­we­be zu ent­fer­nen.

Die Abtrei­bungs­fra­ge wird durch den Glau­ben der Dru­sen im Liba­non wei­ter ver­kom­pli­ziert, dass die Reinkar­na­ti­on ohne Bar­do statt­fin­det, dass ein neu­es Wesen mit dem Tod sei­nes frü­he­ren Kör­pers gebo­ren wird. Die Jains in Indi­en, die eben­falls den Zustand zwi­schen den Leben ableh­nen, sagen, dass ein neu­es Wesen emp­fan­gen wird, wenn sein vor­he­ri­ger Kör­per stirbt. Edgar Cayces Daten deu­ten dar­auf hin, dass die See­le kurz vor der Geburt, kurz nach der Geburt oder im Moment der Geburt in den Kör­per ein­tre­ten kann. Im All­ge­mei­nen stüt­zen Dr. Whit­tons Pro­ban­den Cayces hell­se­he­ri­sche Behaup­tun­gen, indem sie Geburts­er­leb­nis­se wie die­ses berich­ten:
Ich war im Kreiß­saal und beob­ach­te­te mei­ne Mut­ter und die Ärz­te, die um sie her­um­stan­den. Wei­ßes Licht umgab alles, was geschah, und ich war eins mit die­sem Licht. Dann hör­te ich die Ärz­te sagen: „Es kommt!“, und ich wuss­te, dass ich mit mei­nem neu­en Kör­per ver­schmel­zen muss­te. Ich zöger­te sehr, in die­ses Leben ein­zu­tre­ten. Es fühl­te sich so wun­der­bar an, Teil des Lichts zu sein.

Mit fort­schrei­ten­dem Leben scheint das Leben zwi­schen den Leben nie exis­tiert zu haben. Das Kind ent­wi­ckelt eine zen­tra­le Iden­ti­tät, die in der Regel davon aus­geht, dass es selbst und die zeit­li­che phy­si­sche Umge­bung die ein­zi­ge Rea­li­tät dar­stel­len. Mit der Ent­wick­lung der Spra­che wer­den mög­li­che Ahnun­gen vom ursprüng­li­chen und ver­fei­ner­ten Zustand der Exis­tenz in den Bereich des „Unwirk­li­chen” ver­bannt und als vage, abs­trakt und höchst spe­ku­la­tiv abge­tan.

Wenn Men­schen nach einer tie­fen Trance, in der sie zwi­schen den Leben gereist sind, wie­der zu Bewusst­sein kom­men, sind sie häu­fig scho­ckiert, des­ori­en­tiert und bestürzt. Wie klei­ne Kin­der, die aus dem Süß­wa­ren­la­den ihrer Träu­me geris­sen wur­den, seh­nen sich Dr. Whit­tons Pro­ban­den danach, in das Land des voll­kom­me­nen Ver­ste­hens zurück­zu­keh­ren, in das Land, in dem der Sinn des Lebens selbst­er­klä­rend ist und die See­le und ihr unsterb­li­cher Zweck so durch­sich­tig sind wie Glas. „Sie haben mich in einer unwirk­li­chen Welt auf­ge­weckt“, beklag­te sich eine Test­per­son. „Jetzt weiß ich, wo die wah­re Rea­li­tät liegt.“ Selbst ein flüch­ti­ger Blick auf die „wah­re Rea­li­tät“ bringt die Erkennt­nis mit sich, dass die Bar­do-Erfah­rung zwangs­läu­fig wie­der­keh­ren wird, schon allein des­halb, weil man in einem kör­per­li­chen Gefährt ein­ge­schlos­sen ist, das ver­ge­hen muss. Dies wie­der­um nimmt einem jede Angst vor dem Tod. Mit den Wor­ten eines Pro­ban­den: „Jetzt kann ich mich wirk­lich auf den Tod freu­en, da ich weiß, dass er etwas sehr Schö­nes ist.“

Fort­set­zung am kom­men­den Frei­tag, den 5. Dezem­ber

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