
Bevor wir uns der Arbeit des kanadischen Psychiaters Joel. L. Whitton und ein paar Fällen zuwenden, die er in seinem eindrücklichen Buch “Life between Life” vorstellt, werfen wir einen Blick in sein Vorwort, worin er sich Gedanken macht zum Thema “Reinkarnation”, seiner Stellung dazu und zu seiner Arbeit als Psychiater, der Rückführungen unter Hypnose durchführte:
Ich anerkenne, dass Reinkarnation Teil meiner religiösen Tradition ist. Meine frühzeitige Begegnung mit unter anderem dem Chassidismus und seinen Wurzeln in der Gerona-Schule und den verschiedenen Formen der Kabbala, dem christlichen Neoplatonismus, dem tibetischen Buddhismus und der Mystik des 20. Jahrhunderts – am besten vertreten durch die Theosophie, die Freimaurerei, die Unity Church of Truth und den Rosenkreuzerorden (AMORC) – hat zweifellos mein eklektisches Denken geprägt.
Die Beweise für die Reinkarnation sind zwar größtenteils indirekt, aber mittlerweile so überzeugend, dass eine intellektuelle Zustimmung naheliegend ist. Die emotionale Akzeptanz mag etwas zurückhaltender ausfallen. (…) In diesem Buch werden die Beweise nicht überprüft. Das wäre ein eigenes Buch wert und wurde bereits getan. Stattdessen gehen wir von der Annahme aus, dass Reinkarnation wahr ist. Wir gehen jedoch nicht davon aus, dass jeder unter Hypnose gewonnene Bericht über Erinnerungen an ein vergangenes Leben oder jede Behauptung, sich spontan an ein vergangenes Leben zu erinnern, auch das ist, was er zu sein vorgibt. Die Frage nach dem Beweis ist nicht einfach. Die Theorie der Reinkarnation enthält wichtige versteckte Annahmen, und die Erinnerung an ein vergangenes Leben wirft komplexe psychologische Fragen auf. Wir gehen in diesem Buch nicht näher auf diese Fragen ein, glauben jedoch, dass wir sie berücksichtigt haben, und haben nur Fälle aufgenommen, in denen die Hypothese von früheren Leben die einzig gültige ist.
Es ist nicht ungewöhnlich, dass ein Arzt ein theologisches Buch schreibt. Wer außer einem Arzt, der Menschen auf die Welt bringt, beim Tod anwesend ist und die dazwischen liegenden Wunden versorgt, ist besser qualifiziert, seine Meinung über den Sinn des Lebens und des Leidens zu äußern? Die Geheimnisse des Lebens und des Todes, die Ungleichheiten zwischen den Menschen führen zu Fragen, die die materielle Wissenschaft derzeit nicht beantworten kann.
Dass ein Arzt ein Buch über Reinkarnation schreibt, ist jedoch ungewöhnlich. Zwei Drittel aller erwachsenen Amerikaner glauben an ein Leben nach dem Tod. Eine Gallup-Umfrage aus dem Jahr 1982 ergab, dass 23 Prozent der Amerikaner an Reinkarnation glauben, aber nur fünf Prozent meiner Kollegen aus der Psychiatrie. Trotz des Erfolgs von Darwin, Gott aus der Natur zu verbannen, von Freud, die Göttlichkeit des Menschen auf das Bedürfnis nach Saugen an der Brust zu reduzieren, und trotz der herausragenden Leistung der Behavioristen, das Bewusstsein auszulöschen, hält sich der Glaube an etwas nach dem Tod hartnäckig. Vor kaum mehr als hundert Jahren standen Ärzte noch geschlossen hinter der Unsterblichkeit. Die medizinische Ausbildung scheint das Studium des Lebens nicht mehr zu umfassen.
Ich habe mich entschlossen, diese über viele Jahre hinweg gesammelten Daten zu präsentieren, da ich glaube, dass sie in gewisser Weise zum Verständnis der menschlichen Existenzweise beitragen. Ich präsentiere sie in diesem populären Format, um hoffentlich ein großes Publikum zu erreichen. Sie sollen nicht zur Debatte über die Gültigkeit, sondern vielmehr zur Theosophie vergangener Leben beitragen. Ich benutze die „Reinkarnationstherapie” als Forum, als Instrument, um die spirituellen Dimensionen des Menschen zu erforschen.
Der Co-Autor des Buchs, der Journalist Joe Fisher, schreibt in der Einleitung:
Ich stieß zum ersten Mal auf den Namen Dr. Joel Whitton, als ich Material für mein Buch „The Case for Reincarnation“ (Argumente für die Reinkarnation) sammelte. Meinen Quellen zufolge war er ein hochqualifizierter Psychiater, der sich intensiv, wenn auch still, mit Reinkarnationsforschung befasste. Niemand schien genau zu wissen, worum es bei dieser Forschung ging, aber alle, die ihn kannten, versicherten mir, dass er ein brillanter Mann war, dessen metaphysische Untersuchungen es wert waren, näher untersucht zu werden.
Seine erste Kontaktnahme mit Dr. Whitton im Jahre 1982 verlief enttäuschend. Der Psychiater befürchtete einen Reputationsschaden bei seinen Berufskollegen, falls seine Forschungen zur Reinkarnation publik würden. Doch zwei Jahre später erklärte sich Whitton bereit, seine Erkenntnisse aus den hypnotischen Sitzungen zusammen mit Fisher an die Öffentlichkeit zu bringen.
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