
Dr. Helen Wambach war eine klinische Psychologin an der JFK-Universität in Kalifornien und gehört zu den Pioniergestalten in der Reinkarnationsforschung. Sie ging an ihre Forschungen zur Rückführung in vergangene Leben mit der Annahme heran, dass es sich wahrscheinlich um Fantasien handele. Mit einem Standardverfahren und Standardfragen wollte sie Fantasievorstellungen über vergangene Leben aufdecken. Sie entwickelte ein Protokoll für Gruppenhypnose, bei dem mehrere Personen gleichzeitig in ihre vergangenen Leben zurückversetzt wurden.
Ihre Argumentation war, dass, wenn die Erinnerung an vergangenen Leben Fantasie war, ein vergangenes Leben wahrscheinlich u.a. folgende Merkmale aufweisen würde:
- Ein berühmtes oder interessantes Leben.
- Ein Leben eher in der gesellschaftlichen Ober- als Unterschicht.
- Ein Zeitraum, die den Klientinnen und Klienten vertraut war.
Um die Analyse zu erleichtern, wurden sie hypnotisch in eine frühere Lebensphase zurückversetzt und aufgefordert, aus einer Auswahl von Zeiträumen wie 2000 v. Chr., 500 v. Chr., 25 n. Chr., 1200 n. Chr., 1500 n. Chr. oder 1850 n. Chr. ein vergangenes Leben auszuwählen. Anschließend wurden den Probanden eine Reihe von Fragen gestellt und ihnen gesagt, dass sie sich nach dem Aufwachen an die Antworten erinnern und einen speziellen Antwortbogen ausfüllen würden. Die ausgewählten Fragen waren recht detailliert:
Waren sie männlich oder weiblich? Welcher Beschäftigung gingen sie nach? Welche Position nahmen sie in der sozialen Hierarchie jener Zeit ein? In welchem Land lebten sie, und welches Jahr (Monat, Tag) schrieb man gerade? Wie waren sie angezogen, aus welchem Material bestand ihre Kleidung? Wie assen sie? Welche Geräte benutzten sie? Welche Währung war im Umlauf? Wie sah die Regierungsform aus? Womit verdienten die Leute ihren Lebensunterhalt, usw.
Nachdem sie Zehntausende solcher Einzelbeobachtungen gesammelt hatte, nahm sie sich die Geschichtsbücher vor, um festzustellen, inwieweit die von ihren Versuchspersonen gelieferten Angaben mit dem übereinstimmten, was die Historiker über die verschiedenen Orte und Epochen zu sagen hatten. (…)

Wieder und wieder, Kategorie für Kategorie, bestätigten die Historiker die von Wambachs Versuchspersonen gelieferten Daten. Ob es sich nun um nebensächliche Details bei Kleidern, Münzen, Geschirr, Essgewohnheiten, sozialen Beziehungen usw., oder um wichtigere Bereiche wie die prozentuale Verteilung der Bevölkerung auf Ober‑, Mittel- und Unterschicht handelte, usw., Wambachs Probanden erwiesen sich als genaue Beobachter ihrer Zeit, die sogar zuweilen die gesicherten historischen Erkenntnisse durch interessante Nuancen zu bereichern wussten.
Ebenfalls aufschlussreich war die ausgeglichene Bilanz zwischen Männern und Frauen in jeder historischen Epoche.
Das heisst, dass sich das Geschlecht der von den Versuchspersonen angenommenen Persönlichkeit in einem bestimmten vergangenen Jahrhundert unabhängig von dem Prozentsatz der jeweils zurückgeführten männlichen oder weiblichen Versuchspersonen gleichmässig auf Männer und Frauen verteilte — so wie die Natur in jeder Generation das Verhältnis zwischen den Geschlechtern ausbalanciert. (…) Ausnahmen von dieser Regel gab es nur bei Ländern, die in einem bestimmten Jahrhundert Krieg führten — hier schlug sich der Frauenüberschuss historisch korrekt nieder.
(aus Bache: Lifecycles: Reincarnation and the Web of Life)
Wambach stellte auch Fragen zur Todeserfahrung der Versuchspersonen, wie es für sie nach dem Tod weiterging, wie es zur nächsten Inkarnation kam und was das Ziel dieser Inkarnation war. Sie schloss aus den Antworten,
dass es offenbar einen Mechanismus und einen großen Plan für das Leben auf der Erde gibt. Wir sind hier als Seelen in einem physischen Körper inkarniert. Der Grund für unsere Anwesenheit hier ist, bestimmte Lektionen zu lernen, Erfahrungen zu sammeln und bestimmte Ziele zu erreichen, die zum größeren Wissen unserer Seelen beitragen. Dabei werden wir durch die Inkarnation mit Seelen unterstützt, die wir aus früheren Leben kennen. Wenn wir sterben, ist das eine große Befreiung, und unsere Seelen kehren in eine geistige Welt zurück, wo wir uns erholen, Bilanz ziehen und unsere Erfahrungen mit anderen Seelen teilen können. Nach einer Ruhepause können wir unsere nächste Inkarnation planen. Jedes gelebte Leben trägt zum Wachstum unserer Seele bei, und so tragen alle Erfahrungen aus Milliarden von Leben zum größeren Wissen des Universums bei.
(aus David Pye, The Pioneering Work of Dr. Helen Wambach)
Genau diesen Fragen widmete ein anderer Psychiater, Dr. Joel L. Whitton, Professor an der University of Toronto, ein jahrelanges Forschungsprojekt.
Dr. Whittons Ziel war es, Menschen zu heilen, indem er „altes Karma“ auflöste. Ein interessantes Nebenprodukt dieses Vorhabens war jedoch, dass er auch die Ereignisse zwischen Tod und nächster Geburt dokumentierte – also das, was nach dem Tod geschah. Die meisten Studien über vergangene Leben konzentrieren sich in der Regel auf die Zeit, in der eine Person lebt. Aus heilender Sicht ist dies der einzige Teil, der zählt, da wir erst nach unserer Geburt und während unseres „Lebens” tatsächlich etwas in Bezug auf unser Schicksal und die Herausforderungen tun, die uns gestellt wurden. In dieser Zeit bauen wir „Karma” auf.

Die Zeit zwischen Tod und Geburt ist jedoch ein Bereich, der selten untersucht wird, weshalb sie eine besondere Faszination ausübt. Es ist Dr. Whitton hoch anzurechnen, dass er diese Daten nicht als für seine Ziele irrelevant verworfen hat, sondern sie aufgezeichnet und weiterverfolgt hat. Dr. Whitton wählte seine Probanden sorgfältig aus und arbeitete dann viele Male mit ihnen zusammen – er dokumentierte erinnerte vergangene Leben und die Ereignisse zwischen diesen Leben. Als Mediziner war er es gewohnt, ausführliche Notizen zu machen und Details sorgfältig zu dokumentieren. Außerdem ging er methodisch und unerbittlich der Ursachen der Wirkungen nach, die er beobachtete, und war bereit, viele „Leben” zu durchlaufen.
Damit sind wir wieder mitten in all den Fragen gelandet, die sich auch Dr. Helen Wambach gestellt hatte. Dr. Whitton fasste seine Erkenntnisse 1986 im hochinteressanten Buch “Life between Life” zusammen. Weil es seit längerem vergriffen ist, erlaubt sich der birsfaelder.li-Schreiberling, in den nächsten Folgen wichtige Partien daraus in extenso vorzustellen.
Fortsetzung am kommenden Freitag, den 18. Juli
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