Der Hauspastor von “Kriegsminister” Pete Hegseth, Doug Wilson, ist ein lupenreiner Puritaner, wie er im Buch steht. So vertrat er in einem kürzlichen Interview mit dem NYT-Kolumnisten Ross Douthat die ursprüngliche calvinistische Lehre, dass Gott von Anfang an wusste, welche von den von ihm geschaffenen Seelen in den Himmel kommen resp. ewige Höllenqualen erleiden würden. Jean Calvin machte im 16. Jahrhundert aus Genf eine Theokratie, und das ist auch das Ziel von Pastor Wilson für die Vereinigten Staaten.
Und so wie Calvin damals Ketzer wie den Arzt Michael Servet auf den Scheiterhaufen brachte und seinen abtrünningen Schüler Sebastian Castellio in Basel gnadenlos verfolgte, taten das seine puritanischen Nachfolger in der Neuen Welt. Sie verfolgten die Quäker und verabschiedeten 1658 in der Plymouth-Kolonie ein Gesetz, das besagte:„Kein Quäker oder eine andere derartige verdorbene Person soll ein freier Mann im Staat Massachusetts sein.“
Thom Hartmann: Norman Cousins (stellt) in seinem Buch über den Glauben der Gründerväter, In God We Trust, fest: „Und als die Quäker trotz des Gesetzes beharrlich [nach Massachusetts] zurückkehrten und ihren religiösen Glauben ausübten, setzten die Puritaner ihre Todesdrohung in die Tat um; Quäkerinnen wurden auf dem Scheiterhaufen verbrannt.“
Quäker waren vor der Einführung des Ersten Verfassungszusatzes auch in Virginia offiziell verboten. Während des größten Teils des 18. Jahrhunderts konnte ein Bürger in Virginia zu lebenslanger Haft verurteilt werden, wenn er sagte, es gäbe keinen Gott oder die Bibel sei nicht unfehlbar.
„Kein Wunder“, bemerkt Cousins, „dass Virginier wie Washington, Jefferson und Madison die Situation für unerträglich hielten.“
Damit kommen wir zum zweiten Teil des Artikels von Hartmann über den Glauben von Benjamin Franklin, James Madison und George Washington.
Ben Franklin floh als Teenager aus Boston, um dem bedrückenden Umfeld zu entkommen, das von politisch mächtigen Predigern geschaffen wurde, und stand für den Rest seines Lebens der Idee offen feindlich gegenüber, dass weltliche politische Macht von jenen ausgeübt wird, die auch religiöse Macht innehaben. Obwohl ihn das „Geheimnis“ der spirituellen Erfahrung faszinierte, hielt Franklin wenig von den organisierten Religionen jener Zeit. In seiner Autobiografie „Toward The Mystery“ schrieb er:
„Ich fand das christliche Dogma unverständlich. Schon früh im Leben hielt ich mich fern christlichen Versammlungen.“
Franklin – wie die meisten der bekannteren Gründerväter – war ein Deist, eine Philosophie, die von frühen Unitariern populär gemacht wurde, die der Ansicht waren, dass der Schöpfer das Universum vor langer Zeit erschaffen habe und sich seitdem entschieden habe, in keiner Weise einzugreifen, und dass weder Jesus noch irgendjemand anderes göttlich sei.
Ein weiterer deistischer Gründervater, der sich dagegen wehrte, politischen Macht an diejenigen mit religiöser Macht zu übertragen, war George Washington. Zum Thema Washingtons religiöse Ansichten schrieb Thomas Jefferson in seinem persönlichen Tagebucheintrag vom 1. Februar 1799:
„Als der Klerus sich bei General Washingtons Ausscheiden aus der Regierung an ihn wandte, wurde bei ihren Beratungen festgestellt, dass er zu keinem Zeitpunkt öffentlich ein Wort gesagt hatte, das auf einen Glauben an die christliche Religion hindeutete, und sie hielten es für angebracht, ihre Ansprache so zu verfassen, dass sie ihn schließlich zwingen würden, öffentlich zu erklären, ob er Christ sei oder nicht. Das taten sie.”
„Allerdings“, so Jefferson in seinem Tagebuch, „war der alte Fuchs zu schlau für sie. Er ging auf jeden einzelnen Punkt ihrer Ansprache ein, außer auf diesen, den er unbeachtet überging.“
Jefferson kam zu dem Schluss, dass Washington:
„… in keinem seiner öffentlichen Schriften jemals ein Wort zu diesem Thema gesagt hat, außer in seinem Abschiedsbrief an die Gouverneure der Staaten, als er sein Amt in der Armee niederlegte, worin er von ‚dem wohltuenden Einfluss der christlichen Religion‘ spricht. Ich weiß, dass Gouverneur Morris, der vorgab, in seine Geheimnisse eingeweiht zu sein [in Washingtons Vertrauen zu stehen], und sich selbst dafür hielt, mir oft erzählt hat, dass General Washington nicht mehr an dieses [christliche] System glaubte als er selbst.“
Tatsächlich überwachte Präsident George Washington den Wortlaut eines Vertrags mit afrikanischen Muslimen, in dem ausdrücklich festgehalten wurde, dass die Vereinigten Staaten eine säkulare Nation seien. (…)
Für die Gründerväter ging es jedoch nicht nur darum, ob man Christ sei oder nicht. Sie lehnten es entschieden ab, dass irgendwelche religiösen Führer irgendeinen Zugang zu den Hebeln der politischen Macht erhielten oder sich in irgendeiner Weise in staatliche Angelegenheiten einmischten.
Dies galt insbesondere für den „Vater der Verfassung“, James Madison, der selbst (im Gegensatz zu Franklin und Jefferson) ein gläubiger Christ war, der in der Regel mehr als einmal pro Woche den Gottesdienst besuchte.
So legte Präsident Madison beispielsweise am 21. Februar 1811 sein Veto gegen einen vom Kongress verabschiedeten Gesetzentwurf ein, der staatliche Zahlungen an eine Kirche in Washington, D.C., zur Unterstützung der Armen genehmigte. Glaubensbasierte Initiativen stellten nach Madisons Ansicht einen klaren Verstoß gegen das Prinzip der Trennung von Kirche und Staat dar und könnten zu einer gefährlichen Übertragung politischer Macht auf religiöse Führer führen.
In Madisons Augen war die Fürsorge für die Armen eine öffentliche und staatsbürgerliche Pflicht – eine Aufgabe der Regierung – und durfte nicht zu einem Einfallstor werden, durch das Kirchen politische Macht oder die Gelder der Steuerzahler erlangen könnten. Die Finanzierung einer Kirche zur Versorgung der Armen würde eine „rechtliche Handhabe“ einen rechtlichen Präzedenzfall – schaffen, der die Trennmauer einreißen würde, die die Gründerväter zwischen Kirche und Staat errichtet hatten, um die Amerikaner vor religiösen Eiferern zu schützen, die politische oder militärische Macht erlangen könnten. (…)
Präsident James Madison lehnte jede Form staatlicher Unterstützung für die Religion entschieden ab und schrieb in einem Brief vom 10. Juli 1822 an Edward Livingston:
„Wir lehren die Welt die große Wahrheit, dass Regierungen ohne Könige und Adlige besser funktionieren als mit ihnen. Dieser Verdienst wird durch eine weitere Erkenntnis noch verstärkt: Die Religion gedeiht in größerer Reinheit ohne als mit der Hilfe der Regierung.“
Er fügte in demselben Brief hinzu: „Ich habe keinen Zweifel daran, dass jedes neue Beispiel – wie jedes vergangene zuvor erfolgreich zeigen wird, dass Religion und Regierung beide in größerer Reinheit existieren, je weniger sie miteinander vermischt sind.“
Fazit: Falls sich die pseudo-religiöse Vermischung in der aktuellen Trump-Regierung definitiv etablieren sollte, ist die amerkanische Verfassung, wie sie die Gründerväter konzipierten, tot.
Fortsetzung am kommenden Freitag, den 17. April
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