Aktu­ell fin­den sich im birsfaelder.li Aus­zü­ge aus dem neu­es­ten BuchDonald Trump. The Last Ame­ri­can Pre­si­dent” des ame­ri­ka­ni­schen Jour­na­lis­ten, Schrift­stel­lers und Radio­mo­de­ra­tors Thom Hart­mann über die Hin­ter­grün­de der desas­trö­sen Trump-Herr­schaft in den USA. Er ist ein scharf­zün­gi­ger Beob­ach­ter und Kri­ti­ker der ame­ri­ka­ni­schen Poli­tik mit über 7 Mil­lio­nen Zuhö­rern, einer hal­ben Mil­li­on You­tube-Abon­nen­ten und einer Vier­tel­mil­li­on “Fol­lo­wern” auf Face­book.
Was den meis­ten aber unbe­kannt ist: Hart­mann arbei­te­te über vie­le Jah­re mit Gott­fried Mül­ler, dem Grün­der der Salem Kin­der- und Jugend­dör­fer zusam­men und hielt sich des­halb regel­mäs­sig in Deutsch­land auf. Sei­ne Erfah­run­gen hat er in sei­ner Auto­bio­gra­phie “Der Weg des Pro­phe­ten” ein­drück­lich geschil­dert. Die spi­ri­tu­el­len Erkennt­nis­se, die er dabei gewin­nen durf­te, lässt er in sei­nen Blog “Wis­dom School” ein­flies­sen. Hier sein letz­ter Bei­trag, wie wir Resi­li­enz — Wider­stands­fä­hig­keit im Leben — ent­wi­ckeln kön­nen:

Es gibt eine Art von Stär­ke im Leben, die nicht von Mus­keln, Geld oder Sta­tus kommt und die kei­ne Zuge­hö­rig­keit zu einer bestimm­ten Kir­che oder Glau­bens­rich­tung erfor­dert. Sie ent­steht viel­mehr aus einer stil­len und tie­fen per­sön­li­chen Ver­bin­dung zur Welt selbst, aus der ein­fa­chen Erkennt­nis, dass das Leben nicht nur eine Abfol­ge von Auf­ga­ben und Belas­tun­gen ist, son­dern ein sich ent­fal­ten­des Wun­der.

Kul­tu­ren auf der gan­zen Welt haben die­se Erfah­rung auf unter­schied­li­che Wei­se benannt, aber die Kern­aus­sa­ge ist immer die­sel­be: Wenn Men­schen sich mit etwas ver­bun­den füh­len, das grö­ßer ist als ihre unmit­tel­ba­ren Ängs­te oder Frus­tra­tio­nen, wer­den sie wider­stands­fä­hi­ger.

Ihr Geist erholt sich schnel­ler von Rück­schlä­gen, ihr Herz fin­det schnel­ler wie­der ins Gleich­ge­wicht zurück, und sogar ihr Kör­per zeigt weni­ger Abnut­zungs­er­schei­nun­gen durch den unver­meid­li­chen Stress des Mensch­seins.

Die moder­ne Psy­cho­lo­gie hat begon­nen, zu bestä­ti­gen, was Wei­se seit Jahr­tau­sen­den sagen. Mar­ty Selig­mans Arbeit über erlern­ten Opti­mis­mus zeigt, dass Men­schen, die sich ange­wöh­nen, eher Mög­lich­kei­ten als Unter­gangs­sze­na­ri­en zu sehen, nicht naiv sind. Sie bau­en eine Fähig­keit auf, die den Geist stärkt.

Opti­mis­mus ist in die­sem Sin­ne kei­ne Ver­leug­nung: Es ist die Dis­zi­plin, sich zu wei­gern, die Zukunft auf die schlimms­te Ver­si­on der Ereig­nis­se zu redu­zie­ren. Selig­mans For­schung ergab, dass opti­mis­ti­sche Men­schen eine bes­se­re Gesund­heit, grö­ße­re Aus­dau­er und ein tie­fe­res emo­tio­na­les Wohl­be­fin­den haben, nicht weil sie über der Rea­li­tät schwe­ben, son­dern weil sie anders an ihr teil­ha­ben. Sie glau­ben, dass das Leben noch offen ist. Etwas in ihnen neigt sich zum Licht.

Im Lau­fe der Zeit haben spi­ri­tu­el­le Tra­di­tio­nen ver­schie­de­ne Ver­sio­nen der­sel­ben Lek­ti­on gelehrt.

Die Stoi­ker rie­ten den Men­schen, inne­zu­hal­ten und die Schön­heit ein­fa­cher Din­ge wahr­zu­neh­men und sich selbst als Teil einer grö­ße­ren Ord­nung zu sehen. Indi­ge­ne Kul­tu­ren spre­chen von dem bele­ben­den Geist, der alle Din­ge durch­dringt, eine Erin­ne­rung dar­an, dass die Welt leben­dig ist und wir zu ihr gehö­ren. Tao­is­ti­sche Wei­se wie­sen auf die stil­le Intel­li­genz in der Natur hin und ermu­tig­ten die Men­schen, ihrem Fluss zu fol­gen.

Mys­ti­ker aller Reli­gio­nen haben zum Him­mel auf­ge­schaut, den Vögeln gelauscht oder Kin­dern beim Spie­len zuge­se­hen und dies als Beweis dafür genom­men, dass das Gewöhn­li­che von Außer­ge­wöhn­li­chem durch­drun­gen ist. Nichts davon erfor­dert die Treue zu einem Dog­ma; es ver­langt nur, dass wir auf­merk­sam sind.

Die meis­ten von uns haben schon Momen­te erlebt, in denen die­se Art von Ver­bin­dung ein­fach auf­taucht. Das kann pas­sie­ren, wenn man sein Enkel­kind beim Schla­fen beob­ach­tet. Es kann pas­sie­ren, wenn man mit dem Hund spa­zie­ren geht und bemerkt, wie die Mor­gen­son­ne auf dem Frost glit­zert. Es kann in einer schwie­ri­gen Zeit pas­sie­ren, wenn ein Freund aus hei­te­rem Him­mel anruft und uns dar­an erin­nert, dass wir nicht allein sind.

Das sind kei­ne über­na­tür­li­chen Ereig­nis­se: Es sind klei­ne Öff­nun­gen im Lärm des All­tags, durch die etwas Tie­fe­res hin­durch­schim­mert. Wenn Men­schen die­se Momen­te pfle­gen, anstatt sie zu über­ge­hen, schaf­fen sie eine Grund­la­ge, die sie durch Kri­sen tra­gen kann. Das Leben tut immer noch weh, aber es höhlt sie nicht aus.

Dank­bar­keit ist das Bin­de­glied, das all dies zusam­men­hält.

Ein lei­ses Wort des Dan­kes, selbst wenn es nur still im Kopf aus­ge­spro­chen wird, ver­än­dert die Bezie­hung zwi­schen dem Selbst und der Welt. Neu­ro­wis­sen­schaft­ler haben her­aus­ge­fun­den, dass Dank­bar­keit die Stress­re­ak­ti­on dämpft und die Akti­vi­tät in Tei­len des Gehirns erhöht, die mit der Regu­lie­rung von Emo­tio­nen in Ver­bin­dung ste­hen.

Aber jeder, der jemals inne­ge­hal­ten hat, um Bilanz zu zie­hen, was in sei­nem Leben noch gut ist, braucht kei­nen Gehirn­scan, um des­sen Kraft zu bewei­sen. Dank­bar­keit unter­bricht die Geschich­ten von Man­gel und Angst, die den moder­nen Geist beherr­schen. Sie erin­nert uns dar­an, dass es auch in dunk­len Kapi­teln ste­ti­ge Lich­ter gibt.

Wenn Men­schen sich eine klei­ne Gewohn­heit der Dank­bar­keit aneig­nen, begin­nen sich die Aus­wir­kun­gen nach außen aus­zu­wir­ken. Ein Moment der Wert­schät­zung am Mor­gen mil­dert die Frus­tra­tio­nen des Nach­mit­tags. Ein lei­ses Dan­ke­schön vor dem Schla­fen­ge­hen lockert den Griff des­sen, was an die­sem Tag schief gelau­fen ist.

Dank­bar­keit ist kein Trick, um Schwie­rig­kei­ten zu ver­mei­den. Es ist die Erkennt­nis, dass das Leben grö­ßer ist als das jewei­li­ge Pro­blem, das vor uns liegt. Es ver­an­kert den Geist in etwas Sta­bi­lem, sodass die Wel­len der Umstän­de ihn nicht so leicht hin und her wer­fen kön­nen.

Hier wird eine per­sön­li­che spi­ri­tu­el­le Ver­bin­dung, unab­hän­gig von orga­ni­sier­ter Reli­gi­on, so wich­tig.

Insti­tu­tio­nen ent­ste­hen und ver­ge­hen. Glau­bens­sys­te­me ändern sich. Aber das Gefühl, zur Welt zu gehö­ren, das Gefühl, dass das eige­ne Leben Teil eines grö­ße­ren, leben­di­gen Gan­zen ist, steht jedem offen, der bereit ist, inne­zu­hal­ten und sich dafür zu öff­nen. Dazu braucht man kein Ritu­al und kei­ne Erlaub­nis eines Geist­li­chen. Man muss nur ent­schei­den, dass die eige­ne Auf­merk­sam­keit wich­tig ist und dass das, wor­auf man sich kon­zen­triert, dar­über ent­schei­det, wie man den Tag erlebt.

Schau­en Sie sich die Ster­ne in einer kla­ren Nacht an. Seit Hun­dert­tau­sen­den von Jah­ren bli­cken die Men­schen zu ihnen auf und fra­gen sich, wel­chen Platz wir im gro­ßen Lauf der Zeit ein­neh­men.

Etwas an die­ser Hand­lung spricht uns noch immer an. Sie erwei­tert unse­ren Geist über den Nach­rich­ten­zy­klus von heu­te oder die Sor­gen von mor­gen hin­aus. Sie stellt unser Leben in einen grö­ße­ren Zusam­men­hang, wodurch wir uns para­do­xer­wei­se weni­ger allein füh­len. Der Nacht­him­mel löst unse­re Pro­ble­me nicht, aber er rückt sie in einen neu­en Rah­men. Er erin­nert uns dar­an, dass es eine Ord­nung und Schön­heit gibt, die uns vor­aus­geht und uns über­dau­ern wird, und dass wir für einen kur­zen und wert­vol­len Moment Teil die­ser Geschich­te sind.

Wenn Men­schen die­ses Bewusst­sein in ihr täg­li­ches Leben mit­neh­men, wer­den sie wider­stands­fä­hi­ger, nicht weil sie vor Schwie­rig­kei­ten geschützt sind, son­dern weil sie durch Sinn gestärkt wer­den.

Selig­mans For­schung hat gezeigt, dass Inter­pre­ta­ti­on genau­so wich­tig ist wie Erfah­rung. Die Stoi­ker lehr­ten das­sel­be. Der Bud­dha auch. Ereig­nis­se sind eine Sache: Was wir über sie glau­ben, bestimmt, ob wir uns erhe­ben oder fal­len.

Eine per­sön­li­che spi­ri­tu­el­le Pra­xis, die auf Acht­sam­keit, Dank­bar­keit und der Bereit­schaft basiert, das Hei­li­ge im All­täg­li­chen zu sehen, gibt uns bes­se­re Über­zeu­gun­gen. Sie schafft Raum für Hoff­nung, wo sonst Zynis­mus Fuß fas­sen wür­de.

Resi­li­enz ist also kein Zufall, son­dern etwas, das man kul­ti­vie­ren kann. Sie wächst aus der Art und Wei­se, wie wir mit uns selbst spre­chen, aus den Momen­ten, die wir wert­schät­zen, und aus den klei­nen Dan­kes­be­kun­dun­gen, die wir an das Uni­ver­sum sen­den.

Wenn wir das Leben als etwas Kost­ba­res und Leben­di­ges behan­deln, ant­wor­tet das Leben, indem es uns die Kraft gibt, alles zu meis­tern, was als Nächs­tes kommt.

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