Wenn die öko­lo­gi­sche Dimen­si­on zum kon­sti­tu­ti­ven Bestand­teil eines künf­ti­gen Eigen­tums-rechts wer­den soll, wie es von Pech­mann for­dert, dann dürfen
.. die öko­no­mi­sche Dimen­si­on der Zweck­mäs­sig­keit, nach der über die natür­li­chen Din­ge ver­fügt wird, und die öko­lo­gi­sche Dimen­si­on der Nach­hal­tig­keit, nach der sie Bestand­tei­le natür­li­cher Kreis­läu­fe sind, … in nor­ma­ti­ver Hin­sicht kei­ne zwei getrenn­te Rechts­sphä­ren bil­den, son­dern gehö­ren von vor­ne­her­ein in die Defi­ni­ti­on der Sache des Eigen­tums. Ein Vor­schlag für die Gesetz­ge­bung lau­tet daher:
Sachen im Sin­ne des Geset­zes sind kör­per­li­che Gegen­stän­de als Bestand­teil des irdi­schen Systems.
Die­se Defi­ni­ti­on der Sache schliesst aus, dass über sie frei und nach Belie­ben ver­fügt wer­den kann, da in ihr der Zwang zur Nach­hal­tig­keit des Gebrauchs imple­men­tiert ist.
(Sämt­li­che Aus­zü­ge aus Alex­an­der von Pech­mann, Die Eigen­tums­fra­ge im 21. Jahrhundert)

Um das zu illus­trie­ren, bringt von Pech­mann das Bei­spiel des “Erfin­ders” des Nach­hal­tig­keits-prin­zips, Forst­wirt­schaf­ter Hans Carl von Car­lo­witz. Die­ser for­der­te schon im Jah­re 1732, als der Roh­stoff Holz dank mas­si­vem Kahl­schlag im 17./18. Jahr­hun­dert knapp wur­de, man kön­ne zwar einen ein­zel­nen Baum als ein abge­trenn­tes und iso­lier­tes Ding betrach­ten und als Roh­stoff nut­zen. Aber ande­rer­seits müs­se man den Baum auch als inte­gra­len Bestand­teil des Wal­des betrachten,
sodass der “Nut­zung” des ein­zel­nen Bau­mes die “Con­ser­va­ti­on” des gan­zen Wal­des ent­spre­chen müs­se. Nur unter die­ser, den belie­bi­gen Gebrauch des Gegen­stan­des ein­schrän­ken­den Bedin­gung gebe es “eine con­ti­nu­ier­li­che bestän­di­ge und nach­hal­ti­ge Nut­zung” des Holzes.

Leuch­tet sehr ein. Des­halb fol­gert Pech­mann, müsse
die Sache des Eigen­tums als ein äus­se­res begrenz­tes Ding zu sei­ner Nut­zung und zugleich als inte­gra­ler Bestand­teil des Erd­gan­zen begrif­fen wer­den. (…) Es ist … ver­ant­wor­tungs­los, nach der bestehen­den Eigen­tums­ord­nung vor­aus­zu­set­zen, die recht­li­che Sache des Eigen­tums exis­tie­re in Gestalt ein­zel­ner Din­ge oder begrenz­ter Ter­ri­to­ri­en, über die der jewei­li­ge Eigen­tü­mer nach eige­nem Ermes­sen ver­fü­gen könne.

Genau das aber ver­lang­te z.B. der neo­li­be­ra­le Öko­nom Micha­el A. Heil­pe­rin. Er aner­kann­te zwar, dass die Erde eine ein­zi­ge Ein­heit sei, die man nicht in gleich­wer­ti­ge oder unab­hän­gi­ge Tei­le oder von ein­an­der unab­hän­gi­ge Tei­le zer­le­gen kön­ne. Aber ange­sichts der Tat­sa­che, dass die poli­ti­sche Tei­lung des Pla­ne­ten mit sei­ner phy­si­ka­li­schen Struk­tur nicht über­ein­stim­me, gel­te es den frei­en Welt­han­del zwi­schen den Natio­nen zu for­cie­ren, — das heisst aber nichts ande­res als die Aus­plün­de­rung des Pla­ne­ten durch eine Viel­zahl kapi­ta­lis­ti­scher Privateigentümer.

Eine ande­re mög­li­che — und gegen­tei­li­ge — Schluss­fol­ge­rung wäre natür­lich, dafür zu sor­gen, dass eine den ver­schie­de­nen Natio­nen über­ge­ord­ne­te Instanz die über­le­bens­wich­ti­gen öko­lo­gi­schen Erkennt­nis­se in eine neue Eigen­tums­ord­nung implementiert.

Im mit­tel­al­ter­li­chen Lehens­sys­tem war die­se über­ge­ord­ne­te Instanz Gott. Aber wer soll sie heu­te sein?

Ideen sind gefragt. Eine mög­li­che Ant­wort auf die­se Gret­chen­fra­ge spa­ren wir uns auf die nächs­te Folge

am kom­men­den Frei­tag, den 5. Mai auf.

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