Das Schwärzen ist schwarze Kleinkunst und gerät häufig daneben.
Ich erinnere mich. Als ich 1990 im Nachgang der Fichenaffäre Einsicht in meine persönliche Fiche erzwungen hatte, sah ich solche schwarze Balken zum ersten Mal. Damals wurde der „Tatbestand“ feinsäuberliche rapportiert, neben dem Datum oft auch mit einer Zeitangabe. Geschwärzt wurde nur der Informant, die Informantin, nicht die Information.
Damals, 1974, berichtete ein Schnüffler und Denunziant, ich hätte mich im Lehrerzimmer positiv zur Schleyer-Entführung durch die RAF geäussert. Dann: Schwarzer Balken.
15 Jahre später, als ich diese Aussage und den Balken zum ersten Mal sah, interessierte mich natürlich der Balken, die Wahrheit über das vom Schnüffler Mitgeteilte kannte ich ja. Wer also wollte mir hier ein berufliches Bein stellen?
Man tippte damals noch auf einer Hermes oder Olivetti, IBM brachte den Kugelkopf auf den Markt, aber wer konnte sich solch teure Büromaschinen leisten. Den PC gabs auch noch nicht. Auch nicht bei der Polizei.

Junge Leute können sich das heute vielleicht nicht mehr vorstellen: Bei einer Schreibmaschine benötigt ein kleines i, ein l, gleich viel Platz wie ein M oder W. Ich musste also nur die Anschläge zählen und diese Zahl mit den Namen der damals anwesenden Kolleginnen und Kollegen (Lehrpersonen gab es auch noch nicht) vergleichen. Bingo!
Nach 15 Jahren erfuhr ich den Namen des Denunzianten, nach 40 Jahren kenne ich ihn noch immer. Wir begegnen uns freundlich und reserviert. Ich bin nicht nachtragend, aber noch habe ich ein gutes Gedächtnis. Zugegeben, die Sehkraft lässt langsam nach. Alles darf ich ja nicht beanspruchen.


