Alle wol­len die Schweiz nach ihren Vor­stel­lun­gen gestal­ten. Mög­lichst still und lei­se. Aber wenn es nicht anders geht laut und schrill, mit Dro­hun­gen. Die Rede ist von den Wirt­schafts­ver­bän­den, den Bau­ern­ver­bän­den, den Patrio­tin­nen und Patrio­ten, von poli­ti­schen Grup­pie­run­gen bis zu gestan­de­nen Par­tei­en.
Ich wage hier einen Ver­such, die Gefah­ren zu skiz­zie­ren.

Ein­stiegs­the­ma für die ers­ten Fol­gen: Wie Faschis­mus beginnt.
Jason Stan­ley beschreibt in sei­nem Buch »Wie Faschis­mus funk­tio­niert« (West­end Ver­lag) zehn Merk­ma­le des Faschis­mus. So qua­si ein Merk­blatt, mit dem man Faschis­mus eru­ie­ren könn­te. Ich gehe die ein­zel­nen Punk­te in den noch fol­gen­den Arti­keln mit Bei­spie­len durch. Nicht jeder die­ser Punk­te führt zu Faschis­mus, aber all die­se Punk­te »auf einem Hau­fen«, z.B. bei einer Bewe­gung oder Par­tei, ist mög­li­cher­wei­se der Beginn von Faschis­mus.

Sieb­tens: Der Faschis­mus sorgt für Recht und Ord­nung.
Was Recht und Ord­nung ist, bestimmt der Füh­rer. Und er bestimmt auch, wer dage­gen ver­stösst.

Bei­spie­le:
Gren­zen schlies­sen, zu vie­le Asy­lan­ten und die Fal­schen / Migran­ten, Aka­de­mi­ker- und Eli­ten-Bas­hing, …

Andre­as Glar­ner
2016 rech­ne­te Natio­nal­rat Andre­as Glar­ner (SVP) mit einer «Flücht­lings­in­va­si­on» und woll­te des­halb die grü­ne Gren­ze der Schweiz mit einem »Sta­chel­draht­zaun abrie­geln«. Und er for­der­te Gemein­den auf, kei­ne Asyl­su­chen­de mehr auf­zu­neh­men: So stell­te sich der damals neue SVP-Asyl­chef Andre­as Glar­ner die Asyl­po­li­tik vor.
Glar­ner wünsch­te sich auch, dass sich mehr Gemein­den ein Bei­spiel an Ober­wil-Lie­li neh­men. Die Aar­gau­er Gemein­de, deren Ammann Glar­ner war, woll­te sich von der Ver­pflich­tung frei­kau­fen, Asyl­be­wer­ber auf­zu­neh­men. Solan­ge Gemein­den Asyl­su­chen­de auf­näh­men, solan­ge »las­se Bern Hinz und Kunz ins Land«, sag­te in einem Inter­view­mit dem »Tages-Anzei­ger«. Da rief die »Ruhe und Ord­nung Par­tei« doch tat­säch­lich zu unge­setz­li­chem Han­deln auf …

Die SVP sagt, was Asyl­po­li­tik ist
Um der SVP bei den Natio­nal­rats­wah­len 2023 Stim­men abzu­ja­gen, haben sich Mit­te, GLP und FDP so lan­ge in ihren asyl­po­li­ti­schen Ver­schär­fungs­fan­ta­sien gegen­sei­tig über­bo­ten, bis zwi­schen ihre For­de­run­gen und jene der SVP kaum mehr ein Blatt Papier pass­te.

Wer aber die SVP imi­tiert, ver­schafft ihren The­men Reso­nanz und trägt so zur Nor­ma­li­sie­rung der SVP-Asyl­pra­xis bei.
Der Oppor­tu­nis­mus der »bür­ger­li­chen Mit­te« war ihren Exponent:innen nun kra­chend auf die Füs­se gefal­len. Statt sich der SVP ent­ge­gen­zu­stel­len, hat man die SVP (und die »besorg­ten Bürger:innen«, die sie wähl­ten) umarmt.

Sprach­ver­zer­rung im Inter­grup­pen­kon­text
Text gekürzt nach Jason Stan­ley
»Psycholog:innen haben sich mit einer Ver­hal­tens­wei­se befasst, die sie als ‘Sprach­ver­zer­rung im Inter­grup­pen­kon­text’ bezeich­nen. Die For­schung zeigt, dass wir Hand­lun­gen der­je­ni­gen, die wir als zu ‘uns’ gehö­rig betrach­ten, ten­den­zi­ell anders beschrei­ben als die Hand­lun­gen der­je­ni­gen, die wir als zu ‘denen’ zäh­len.
Wenn mein Freund Dani­el einen Scho­ko­rie­gel gestoh­len hat, wer­de ich sei­ne Tat eher als ‘einen Scho­ko­rie­gel steh­len’ beschrei­ben. Tut hin­ge­gen einer von ‘denen’ das­sel­be, so nei­gen wir dazu, die Hand­lung eher abs­trakt zu schil­dern, in dem wir der frag­li­chen Per­son schlech­te Cha­rak­ter­ei­gen­schaf­ten attes­tie­ren.
Hat Jero­me — einer von ‘denen’ — einen Scho­ko­rie­gel gestoh­len, wird er viel eher als Dieb oder Kri­mi­nel­ler ver­schrien.«
Bei der Motor­fahr­zeug­ver­si­che­rung gibt es eine Ungleich­be­hand­lung auf­grund der Natio­na­li­tä­ten. Der Bun­des­rat hat die­se immer mit der Ein­füh­rung des Ver­si­che­rungs­auf­sichts­ge­set­zes 1996 begrün­det. Er hielt in sei­ner Ant­wort auf die Inter­pel­la­ti­on von Fran­zis­ka Teu­scher (GP) fest, dass eine ver­fas­sungs­recht­li­che Abklä­rung beim Bun­des­amt für Jus­tiz erge­ben habe, dass eine risi­ko­be­zo­ge­ne Tari­fie­rung nach Natio­na­li­tä­ten kei­ne Ver­let­zung des Rechts­gleich­heits­ge­bots und kei­ne Dis­kri­mi­nie­rung dar­stel­le. Ein Gut­ach­ten von Pro­fes­sor Dr. Bern­hard Wald­mann kommt 2007 zu einem ande­ren Schluss.
Hmm.

Kli­ma­de­mo Herbst 2020
Wäh­rend fast drei Tagen demons­trier­ten Jugend­li­che ille­gal auf dem Ber­ner Bun­des­platz — wäh­rend einer Natio­nal­rats­ses­si­on. Sie demons­trier­ten wir­kungs­voll, die Natio­nal­rä­te fühl­ten sich wohl ange­spro­chen, eini­ge ras­te­ten aus.
Blick über Rino Büchel: »Der St. Gal­ler ver­lor heu­te Mor­gen die Beherr­schung und beschimpf­te auf dem Weg ins Bun­des­haus die Kli­ma-Demons­tran­ten. Gegen 11.00 Uhr lief er in Rich­tung Sani­täts­zelt und brüll­te: “Ihr Arsch­lö­cher, ihr seid alle Arsch­lö­cher!” Sie soll­ten “abfah­ren”, schrie der auf­ge­brach­te Büchel in Rich­tung der ver­dutz­ten Pro­tes­tie­ren­den. “Es ist ver­bo­ten, was ihr macht!” Und er füg­te in die BLICK-Kame­ra gerich­tet an, dass er sich für die Stadt Bern schä­me.«
Und Blick über Andre­as Glar­ner: »In der Hit­ze eines Gefechts über die Kli­ma-Demo nann­te der SVP-Natio­nal­rat sei­ne grü­ne Bas­ler Rats­kol­le­gin Sibel Ars­lan (40) “Arschlan” – wofür er sich spä­ter ent­schul­dig­te.«
Und ein Gruss der »Sün­ne­li-Par­tei« sagt den Jugend­li­chen dann auch klar, was sie zu tun haben (sie­he Bild). Nur wer in der Sün­ne­li-Par­tei sagt ihren aus­fäl­li­gen Natio­nal­rä­ten eigent­lich, was sich eigent­lich gehö­ren wür­de?
Kämpft man gegen die soge­nann­te Asy­lan­ten­flut, ist man ein Held.
Kämpft man für das Kli­ma, ist man ein Arsch­loch. Etwas ver­kürzt gesagt, aber es ist halt so …

 

Triolog
Mattiello am Mittwoch 25/19

Deine Meinung