Die Neutralität gehört zur Schweiz wie die Berge und der Waschküchenplan. Gehört sie auch in die Verfassung? Und wie streng geregelt? Darüber stimmen wir am 27. September ab.
Hier gibt es nach und nach etwas Überblick mithilfe der Argumente der Befürworter der Neutralitätsinitiative.

Seit Jahrhunderten, Herr Blocher, kann so nicht stimmen.
Der Bundesrat verbot erst durch das Bundesgesetz vom 30. Juli 1859 (B.G. 6/312) die aktive Anwerbung von Söldnern und den Eintritt von Schweizer Bürgern in fremde Dienste.
Und wie war das während dem ersten und zweiten Weltkrieg? Man darf nicht nur in den SVP-Geschichtsbüchern lesen und sich Herrn Bundesrat Röschtis Geschichtsklittereien anhören!

Es gibt nichts wiederherzustellen: Eine starre »Ur-Neutralität« hat es geschichtlich nie gegeben.
Die Befürworter machen aus diesem Mythos ein politisches Argument, obwohl die Schweiz ihre Neutralitätspolitik stets den jeweiligen Realitäten angepasst hat.
Oder wie es Joëlle Kuntz in ihrem feinen Büchlein »Die Schweiz — oder die Kunst der Abhängigkeit« beschrieb:
»Wenn es nur um internationale Politik geht, bekämpfen sich die idealistische und die realistische Seele in der Brust des Schweizers. Im Augenblick dominieren die Ultra-Realisten. Indem sie dem Land jegliches aussenpolitische Ziel aberkennen, huldigen sie allein der Unabhängigkeit. Das ist keine Lösung, sondern Wunschdenken. Doch das letzte Wort ist nich gesprochen — ist es nie.«
Die Neutralität ist und war ein Instrument der Aussenpolitik. Der Bundesrat nutzt sie als flexibles Mittel, um bei Konflikten, Krisen und internationalen Machtverschiebungen, die aussenpolitischen Ziele der Schweiz umzusetzen.
Sie wird erst im Zusammenspiel mit den Handelsbeziehungen, dem humanitären Engagement, dem Einsatz für das Völkerrecht und internationaler Zusammenarbeit wirksam. Ein Ja würde die Neutralität in ein starres Regelwerk verwandeln und die Handlungsfähigkeit der Schweiz massiv einschränken.




Alex Gasser
Aug. 25, 2026
Danke an die “ganze Birsfelder.li Redaktion” für diesen kurzen, aber prägnanten Artikel.
In der Tat hätte eine Annahme fatale Auswirkungen für die ganze Schweiz. Wir könnten dann nicht selbstherrlich die stillen und lauten Reaktionen des Auslandes wegwischen.