Heute vor 40 Jahren heulten auch in Birsfelden die Sirenen.
Das war kein Sirenentest wie üblich, sondern ernsthaft.
Sandoz (Eigentümerin der abgebrannten Halle) versicherte zu Beginn, die eingelagerten Substanzen seien grösstenteils harmlos.
So faselte der Kommunikationsverantwortliche der Sandoz Herr Edgar Fasel.
Hier also die harmlosen ausgetretenen Substanzen:
• Phosphorsäureester (Insektizide): Dies war die ökologisch gefährlichste Wirkstoffgruppe. Freigesetzt wurden vor allem die hochgiftigen Nervengifte Disulfoton und Thiometon sowie Parathion und Fenitrothion. Diese führten flussabwärts zu einem massiven Fischsterben (insbesondere bei Aalen und Äschen).
• Quecksilberverbindungen: In der Halle lagerten organische Quecksilberverbindungen (Saatgutbeizmittel wie Tillex). Es gelangten rund 130 kg reines Quecksilber in den Rhein und den umliegenden Boden.
• Fungizide und Herbizide: Darunter befanden sich größere Mengen an Pflanzenschutzmitteln wie Oxadixyl und Metoxuron.
• Roter Farbstoff (Rhodamin B): Dieser Stoff war zwar für die Tier- und Pflanzenwelt ungiftig, führte jedoch dazu, dass sich das Rheinwasser weithin sichtbar blutrot färbte und weltweit für dramatische Bilder sorgte.
Na ja, jedenfalls sind wir scheinbar wieder einmal davongekommen!

Aber wahrscheinlich nur scheinbar.
Denn noch heute wird zum Beispiel unser Trinkwasser nicht nur mit PFAS verunreinigt, sondern auch mit Insektiziden, Pestiziden, Fungiziden, Quecksilber — es graust mich da weiter aufzuzählen …
Vielleicht denken sie bei der nächsten Trinkwasserinitiative daran?
Vielleicht denken sie bei der nächsten Trinkwasserinitiative daran!
Zwei Anregungen:
• Im Buch »Birsfelden: Geschichte und Geschichten« auf Seite 212 ff. finden Sie einen eindrücklichen Bericht eines Birsfelder Feuerwehrmanns zum Thema Schweizerhalle.
• Im Kreuzgang des Basler Münsters stehen Bettina Eichins Markttische.
Die Geschichte der Markttische hat auch mit Schweizerhalle zu tun!
Alle Fotos, farbig und schwarzweiss von der Brandstelle sind von Silvio Mettler, hab Dank!

Und zum Schluss noch dies:
»Man weiss nicht, was genug ist,
bevor man weiss,
was mehr als genug war.«
(Unbekannt)

