Wie­der ein­mal ist es der Pünggt­li-Redak­ti­on gelun­gen als ers­te die Lau­da­tio zur Ver­nis­sa­ge von heu­te im Birs­fel­der Muse­um zu ver­öf­fent­li­chen. Lesen sie selbst:

Mir, Fran­zis­ka Sto­cker, als Mit­glied der Geschäfts­lei­tung vom Kul­tur­haus Bider & Tan­ner ist es eine gros­se Ehre, mich heu­te Abend an Sie wen­den zu dür­fen.
Wir sind mit dem Birs­fel­der Hän­de­druck schon seit län­ge­rem im Kon­takt, vor­ab über die Publi­ka­tio­nen «Att­assio Siru­ple!» und «Birs­fel­den, Geschich­te und Geschich­ten»
Der Kon­takt lief über sei­nen Begrün­der Ueli Kauf­mann, Urge­stein des «Hän­de­drucks». Wir sind uns immer wie­der durch die Bücher begeg­net und ich schät­ze es sehr, dass er jeweils auf mich zuge­kom­men ist, wenn eine Neu­erschei­nung in Pla­nung war.
Dass sich dies für uns alle sehr gelohnt hat, zei­gen die Best­sel­ler­lis­ten unse­res Hau­ses, die klar die effek­ti­ven Ver­kaufs­zah­len wider­spie­gelt: wäh­rend meh­re­rer Wochen waren sowohl «Siru­ple» als auch «Birs­fel­den, Geschich­te und Geschich­ten» auf unse­rer Bes­ten­lis­te der ers­ten 5 ver­kauf­ten Bücher einer Woche zu fin­den. Das erstaunt einer­seits, ist ande­rer­seits aber für uns nicht unty­pisch.
Neben den gros­sen Ver­la­gen sind die lokal ansäs­si­gen Ver­la­ge mit ihren Publi­ka­tio­nen für uns nicht nur sehr wich­tig und es ist uns nicht nur ein gros­ses Anlie­gen, die­se auch zu unter­stüt­zen, nein, sie ver­kau­fen sich tat­säch­lich auch sehr gut.
Der Bas­ler und Basel­bie­ter ist sehr ange­tan vom Loka­len, was uns allen hilft, letz­ten Endes auch zu über­le­ben.
Gera­de in der heu­te immer wich­ti­ger wer­den­den und auch immer zitier­ten Digi­tal­welt ist es doch sehr erfreu­lich, dass wir heu­te ganz ana­log auch über ana­lo­ge Pro­duk­te spre­chen kön­nen und uns ab die­sen freu­en dür­fen.
Die­ses gan­ze Muse­um mit sei­ner sehr schön gewor­de­nen Aus­stel­lung ist ein gros­ser Beweis dafür. Ich kann Sie alle nur dazu ein­la­den, sich nicht nur heu­te Abend, son­dern auch in der Län­ge der Aus­stel­lung (die Aus­stel­lung dau­ert bis zum 21. Juni), die ver­schie­de­nen Expo­na­te anzu­schau­en und die­sen die wirk­lich ver­dien­te Auf­merk­sam­keit zukom­men zu las­sen.
Die aus­ge­stell­ten Wer­ke sind nach Räu­men sehr ver­schie­den und wir­ken auch ver­schie­den auf uns. Was in allen Räu­men glei­cher­mas­sen als Ele­ment vor­kommt, sind die von der Decke hän­gen­den weis­sen Fah­nen mit schwar­zer Schrift. Die­se haben es mir ganz beson­ders ange­tan.
Da fin­den sich Zita­te, um nur eini­ge zu nen­nen, wie:

Ehr­lich­keit ist mal­bar – Alles gemalt, nichts gelo­gen

Schritt für Schritt – Strich für Strich.
Schub­la­den rah­men mehr als Bil­der
Zwi­schen Schalk und Abgrund woh­ne ich

Um vor­sich­ti­ges Anhal­ten wird gebe­ten
Auf Bewäh­rung unter­wegs
Anfän­ger, Drauf­gän­ger, Frei­gän­ger

Die Bild­post­kar­te ver­bin­det das Hier mit dem Dort, das Heu­te mit dem Mor­gen.
Die Zeit ist ste­hen geblie­ben. Die Welt bewe­gungs­los.

Die­se Zita­te zusam­men mit den aus­ge­stell­ten Expo­na­ten erge­ben eine wun­der­ba­re Sym­bio­se, die Sie auf sich wir­ken las­sen soll­ten. Das emp­feh­le ich Ihnen.

Was die Geschich­te des Ver­la­ges anbe­langt: ich woll­te und habe auch Ueli Kauf­mann dazu oft gelö­chert…., eine Grün­dungs­ur­kun­de fehlt….,
1980 wur­de er, so gese­hen, in einem klei­nes Druck­ate­lier im Hin­ter­haus der Frie­dens­gas­se in Birs­fel­den gegrün­det – das könn­te als der Beginn des Hän­de­drucks bezeich­net wer­den.
Ueli Kauf­mann hat das Ate­lier sowohl sei­nen Stu­den­ten, die er unter­rich­tet hat, als auch spä­ter ver­schie­dens­ten Künst­lern zur Ver­fü­gung gestellt.
Was damals als Druck­mög­lich­keit bestand, waren alles ana­lo­ge Druck­ver­fah­ren. Heu­te ist dies in der Ver­lags­welt nicht mehr denk­bar. Heu­te läuft alles über die digi­ta­le Schie­ne, was den klei­nen Hän­de­druck-Ver­lag erst recht zur Trou­vail­le macht.
Alles hat sich ent­wi­ckelt, auch der «Hän­de­druck». Nicht zuletzt, weil im Bas­ler Dru­cke­rei­ge­wer­be die klei­nen Dru­cke­rei­en immer mehr unter «Druck* gerie­ten und schlies­sen muss­ten. Der «Hän­de­druck» hat dem allem stand­ge­hal­ten. Und es gibt ihn heu­te noch. Schon dies allein ist ein Grund zum Fei­ern.

In den letz­ten Jah­ren hat sich wie­der vie­les ver­än­dert – heu­te gibt es das Ate­lier «Birs­fel­der Hän­de­druck» so nicht mehr.
1989 schenk­te Robert Vogel­sper­ger dem damals jun­gen Birs­fel­der Muse­um je ein Blatt aller Kunst­dru­cke, die in sei­ner «Edi­ti­on Vogel­sper­ger» ver­öf­fent­licht wor­den waren. Zu die­sem Anlass publi­zier­te damals die Kul­tur­kom­mis­si­on als Dank für die Schen­kung eine Aus­stel­lung und den ers­ten Kata­log unter dem Titel «Birs­fel­der Gra­fik­samm­lung». Die­ser Titel hat­te damals weder eine Ver­lags­an­ga­be noch eine ISBN-Num­mer.
Was damals noch mög­lich war, ist heu­te undenk­bar:
Damals hat sich so lang­sam die ISBN-Num­mer, wel­che heu­te jedem Ver­lag und jedem Buch zuge­teilt wird, durch­ge­setzt. Heu­te ist eine Publi­ka­ti­on ohne ISBN kaum mehr vor­stell­bar. Ohne die­se Num­mer wer­den die Bücher und auch die Ver­la­ge nicht im Ver­zeich­nis der lie­fer­ba­ren Bücher auf­ge­nom­men und sind letz­ten Endes so auch nicht auf­find­bar, wenn etwas gesucht wird, was heu­te vor­ab über die digi­ta­len Such­ma­schi­nen geht.
Der Buch­han­del und auch das Anti­qua­ri­ats­we­sen arbei­ten aus­schliess­lich, neben der Titel­su­che, mit der ISBN-Num­mer, weil sie jedes Buch klar defi­niert. Eine ver­än­der­te Neu­auf­la­ge benö­tigt auch eine neue ISBN-Num­mer. Dies wird nicht immer von jedem Klein­ver­lag beach­tet, uns Buch­händ­le­rin­nen und Buch­händ­ler ist dies aber extrem wich­tig, damit auch wirk­lich das rich­ti­ge Buch mit dem ent­spre­chen­den Inhalt und der ent­spre­chen­den Auf­ma­chung gefun­den und letz­ten Endes dem Kun­den bestellt wer­den kann. Der «Hän­de­druck» hat mitt­ler­wei­le die ISBN auch durch­wegs ein­ge­führt für sei­ne Publi­ka­tio­nen.
Zurück zur Geschich­te des «Hän­de­druck»: das Ate­lier gibt es heu­te nicht mehr. Was geblie­ben ist, sind die über die Jah­re ent­stan­den Kunst­ka­ta­lo­ge, die hier wie auch bei uns im Kul­tur­haus Bider & Tan­ner nach wie vor ange­schaut und auch erwor­ben wer­den kön­nen.
Und ein noch immer bestehen­der Ver­lag, der stolz auf sei­ne ana­lo­ge Geschich­te sein darf. Ich freue mich, die Ver­nis­sa­ge mit die­sen Wor­ten eröff­nen zu kön­nen.
Viel Ver­gnü­gen am heu­ti­gen Abend und an allen wei­te­ren Tagen, an wel­chen Sie die Aus­stel­lung besu­chen wer­den. In den kom­men­den Wochen wer­den Sie sicher­lich die Gele­gen­heit haben, die Expo­na­te in Ruhe anzu­schau­en – die Ver­nis­sa­ge lässt dies so nicht zu. Neh­men Sie sich die Zeit. Ich kann es Ihnen nur wärms­tens ans Herz legen.
Ich wün­sche uns allen nun einen wun­der­ba­ren wei­te­ren Ver­lauf des Abends. Ich dan­ke Ihnen für Ihre Auf­merk­sam­keit, die Sie mir heu­te gege­ben haben und freue mich mit Ihnen über die schö­ne, gelun­ge­ne Aus­stel­lung.
Ein gros­ser «Hän­de­druck» auf das Gelin­gen der Aus­stel­lung zum «Hän­de­druck» und allen Betei­lig­ten für die Zukunft alles, alles Gute!

Fran­zis­ka Sto­cker

Nötigung?
Arbeitsverweigerung?

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