Dioxine sind sehr giftige, langlebige Umweltgifte, die sich im Fettgewebe von Menschen und Tieren anreichern und langfristig Organe sowie das Immunsystem schädigen können.
Vergangenen Juli 2026 war es 50 Jahre her, dass in Seveso eine Dioxinwolke aus der Icmesa-Kosmetikfabrik in Seveso entwich. Mindestens 200 Personen erlitten zum Teil langwierige Gesundheitsschäden. Mehr dazu finden Sie im Internet, Stichwort Seveso.
Die extreme Gefährlichkeit von Dioxinen wurde in der Wissenschaft und Industrie ab den 1950er Jahren schrittweise erkannt, drang jedoch erst 1976 durch die Seveso-Katastrophe ins weltweite Bewusstsein der Öffentlichkeit:
1953 (Erste medizinische Belege): Bei einem schweren Unfall im BASF-Werk in Ludwigshafen am Rhein atmeten Arbeiter Dioxine ein. Kurz darauf traten bei vielen von ihnen schwere Organschäden und die typische Chlorakne (ein verunstaltender Hautausschlag) auf. In den darauffolgenden Jahren (unter anderem 1957 im Hamburger Chemiewerk Boehringer) identifizierten Forscher das Dioxin-Kongener 2,3,7,8‑TCDD experimentell als die Ursache dieser schweren Erkrankungen. Die Erkenntnisse wurden damals von den betroffenen Industrieunternehmen jedoch weitgehend unter Verschluss gehalten.
1960er Jahre (Kriegseinsatz): Während des Vietnamkriegs setzten die US-Streitkräfte das Entlaubungsmittel Agent Orange ein. Dieses war massiv mit Dioxin verunreinigt, was bei der lokalen Bevölkerung und US-Veteranen zu schweren Fehlbildungen bei Kindern, Krebserkrankungen und chronischen Leiden führte.
10. Juli 1976 (Der Wendepunkt in Seveso): Nach einer Explosion in einer Chemiefabrik im italienischen Seveso trat eine hochgiftige Dioxinwolke aus. Die Bilder von verätzten Kindern und massenhaftem Tiersterben machten Dioxin (fortan auch als „Seveso-Gift“ bekannt) über Nacht zum Inbegriff des modernen Umweltgifts und führten zu den ersten strengen internationalen Sicherheitsgesetzen (Seveso-Richtlinien).
Dioxine können als Chemikalien nicht direkt verboten werden, weil sie nicht gezielt hergestellt werden. Sie entstehen als »unbeabsichtigte Nebenprodukte« bei thermischen Prozessen und Verbrennungen (z. B. Müllverbrennung, Brände oder industrielle Prozesse).
Etwas lasch wird versucht mit Grenzwerten das Schlimmste zu vermeiden.
So gibt es Grenzwerte für Böden, Luft und Abgase.
Und auch für Lebensmittel, z.B. für Rohmilchfett und Fische. In der »Verordnung des EDI über die Höchstgehalte für Kontaminanten« gibt es im Teil B alle möglichen Tabellen, ab Seite 28 eben auch Werte für Dioxine und PCB.
Und zum Schluss noch dies:
»Man weiss nicht, was genug ist,
bevor man weiss,
was mehr als genug war.«
(Unbekannt)

