Gar nicht schlecht überall Tempo 30. Das kennen wir seit 1992 in Birsfelden schon fast flächendeckend. Mit Ausnahme von einigen anarchischen »Kantonsstrassen«.
Schon damals motzte die Autopartei zum Thema:
»Die AP weist seit Jahren gesamtschweizerisch vehement darauf hin, dass die Einführung von Tempo-30-Zonen keine sinnvolle Umweltschutzmassnahme darstellt, sondern von linksgrünen Gruppierungen lediglich dazu benützt wird, den motorisierten Individualverkehr künstlich zu behindern.«
Nachzulesen im Buch »Birsfelden: Geschichte und Geschichten« auf Seite 223.
Doch heute brauchen wir keine Autopartei mehr, dafür haben wir ja SVP, FDP und »Mitte rechts«.

Als Birsfelder und Birsfelderinnen haben Sie ja seit mehr als 20 Jahren Erfahrung:
Wie oft wurden Sie in diesen 20 Jahren geblitzt? Oder geniessen Sie auch seit 20 Jahren weniger Lärm, weniger Gefahren für sich selbst und die Schulkinder? Eben.

Und jetzt kommt die Hierarchie ins Spiel.
Die Wahrnehmung der Strassenhierarchie kann lustige Formen annehmen.
Zu Beispiel, wenn Herr de Courten (erinnern Sie sich? De Courten wie Kennedy?), der ja im Parlament zu den Gesetzgebern gehört, davon spricht, dass die kontrollierte Ortsdurchfahrt ein »Eingriff in die Grundrechte der Bürger« ist. Dann wird von Strassenzoll geschwafelt, nur weil diese Leute nicht fähig sind einen Plan zu lesen.
Oder eine andere Frage: Gehört es zur Strassenhierarchie, dass Schwertransporte mit Gefahrengut oder mit Riesencontainern (da gibt es diese roten vor allem) durch die Hauptstrasse fahren, um Verkehrsabgaben zu sparen?

Und nun wird sogar die Demokratie bemüht.
Ich bin sehr für Demokratie. Nur bitte bei den wesentlichen Dingen.
Sind die gleichen Parteien dafür, dass man über einen wesentlichen Eingriff von höhenfliegenden Strassenplanern abstimmen kann? Und zwar zu einem Zeitpunkt, zu dem noch Änderungen möglich sind?
Da müssen wir an der Gemeindeversammlung darüber abstimmen, ob der Hagnauweg verbreitert und »verbessert« werden darf, aber zum Umpflügen der Hauptstrasse in unserer Stadt haben wir kein Wort zu sagen.
In der Fachsprache nennt man dies »assymetrische Mobilisierung«. Das heisst, das Volk so lange mit Unverbindlichkeiten einlullen, bis es vergessen hat, worum es geht.
Ich denke, ein klares Nein zu dieser Initiative!
Und zum Schluss noch dies:
»Dort Antworten finden, wo andere
nicht einmal Fragen entdecken.«
(Anne Holt)

