Hier in Kür­ze das Resul­tat:

EINGEREICHTER TEXT VOM 02.12.2025
Die Gemein­de Birs­fel­den hat im Sep­tem­ber 2025 eine auto­ma­ti­sche Durch­fahrts­kon­trol­le (ADK) in Betrieb genom­men. In weni­gen Wochen wur­den tau­sen­de Auto­mo­bi­lis­ten gebüsst und Buss­gel­der in Mil­lio­nen­hö­he ein­ge­trie­ben. Die ADK soll den Aus­weich­ver­kehr der angren­zen­den Auto­bahn A2 ver­hin­dern; im defi­nier­ten Peri­me­ter gilt eine Min­dest­auf­ent­halts­vor­schrift von 15 Minu­ten. Die Gemein­de hat über­dies öffent­lich bestä­tigt, dass die Kame­ras zur auto­ma­ti­schen Num­mern­schil­der­fas­sung, die 24/7 in Betrieb sind, kei­ne METAS-Zulas­sung besit­zen. Der Bun­des­rat wird gebe­ten, fol­gen­de Fra­gen zu beant­wor­ten:

a.) Die ADK zeigt Par­al­le­len zur autom. Fahr­zeug­fahn­dung und Ver­kehrs­über­wa­chung (AFV). Das Bun­des­ge­richt hat mehr­fach fest­ge­hal­ten, dass AFV-Sys­te­me einen grund­rechts­in­ten­si­ven Ein­griff dar­stel­len, der zwin­gend auf einer genü­gend gesetz­li­chen Grund­la­ge basie­ren, ver­hält­nis­mäs­sig und im öffent­li­chen Inter­es­se sein muss. Kei­ne die­ser Vor­aus­set­zun­gen ist bei der ADK in Birs­fel­den ein­ge­hal­ten. War­um tole­riert der Bun­des­rat eine Bus­sen­pra­xis, die offen­sicht­lich einen Ein­griff in die Grund­rech­te der Bür­ger dar­stellt?

b.) Ist der Bun­des­rat der Ansicht, dass die in Birs­fel­den ein­ge­setz­ten Über­wa­chungs­sys­te­me den Anfor­de­run­gen des MessG (941.20) und des OBG (314.1) genü­gen? Falls nein: Wie erklärt sich, dass den­noch auf die­ser Basis Ord­nungs­bus­sen aus­ge­spro­chen wer­den? Und kann jede Gemein­de künf­tig auf eige­ne, nicht zuge­las­se­ne Sys­te­me zurück­grei­fen, um loka­le Ver­kehrs­re­gime mit Bus­sen durch­zu­set­zen?

c.) Wie bewer­tet der Bun­des­rat die Tat­sa­che, dass die Navi­ga­ti­ons­sys­te­me wei­ter­hin eine Aus­weich­rou­te bei Stau auf der Auto­bahn berech­nen und orts­un­kun­di­ge Fahr­zeug­len­ker durch den ver­bo­te­nen Peri­me­ter füh­ren?

d.) Wie bewer­tet der Bun­des­rat die Tat­sa­che, dass eine Gemein­de einen de fac­to Durch­fahrts­zoll – eine Abga­be, die an eine zeit­li­che Min­dest­nut­zung öffent­li­cher Stras­sen geknüpft ist — erhebt? Ist eine sol­che Erhe­bung mit dem Grund­satz der Stras­sen­frei­heit (Art. 82 Abs. 3 BV) ver­ein­bar?

e.) Beab­sich­tigt der Bun­des­rat ange­sichts die­ser Ent­wick­lung, die gesetz­li­chen Grund­la­gen für den Ein­satz auto­ma­ti­sier­ter Über­wa­chungs­an­la­gen auf deren Ver­ein­bar­keit mit den Grund­rech­ten zu über­prü­fen – ins­be­son­de­re mit Blick auf kom­mu­na­le Sys­te­me, die nicht der Straf­ver­fol­gung, son­dern der Ver­kehrs­steue­rung die­nen?

STELLUNGNAHME DES BUNDESRATES VOM 11.02.2026
Zu a und e: Der Bund erlässt im Bereich des Stras­sen­ver­kehrs­rechts die grund­le­gen­den Vor­schrif­ten, ins­be­son­de­re im Stras­sen­ver­kehrs­ge­setz (SVG; SR 741.01) sowie in der Signa­li­sa­ti­ons­ver­ord­nung (SSV; SR 741.21). Die­se Regel­wer­ke legen Rech­te und Pflich­ten der Ver­kehrs­teil­neh­men­den sowie die Vor­ga­ben für die Signa­li­sa­ti­on und Ver­kehrs­re­ge­lung fest. Für den Voll­zug der bun­des­recht­li­chen Bestim­mun­gen sind gemäss Arti­kel 106 Absatz 2 SVG die Kan­to­ne zustän­dig. Sie sor­gen für die Umset­zung der gesetz­li­chen Vor­ga­ben auf kan­to­na­ler und kom­mu­na­ler Ebe­ne, ins­be­son­de­re durch die zustän­di­gen Poli­zei- und Ver­wal­tungs­be­hör­den. Die Kon­trol­le, ob die Kan­to­ne den Voll­zug ord­nungs­ge­mäss und geset­zes­kon­form wahr­neh­men, obliegt der gericht­li­chen Über­prü­fung, letzt­in­stanz­lich durch das Bun­des­ge­richt gestützt auf Arti­kel 189 ff. der Bun­des­ver­fas­sung (BV).

Zu b: Die Anla­ge in Birs­fel­den ist nicht nach dem Bun­des­ge­setz über das Mess­we­sen (MessG; SR 941.20) zuge­las­sen. Dies wäre nach Beur­tei­lung des Bun­des­amts für Stras­sen (ASTRA) eine Vor­aus­set­zung, um die Miss­ach­tung eines Fahr­ver­bo­tes im Ord­nungs­bus­sen­ver­fah­ren gestützt auf Arti­kel 3 Absatz 2 des Ord­nungs­bus­sen­ge­set­zes (OBG; SR 314.1) zu ahn­den. Eine Ord­nungs­bus­se kann aber auch im ordent­li­chen Straf­ver­fah­ren aus­ge­spro­chen wer­den (Art. 14 OBG). Ob die ent­spre­chen­den Vor­aus­set­zun­gen in Birs­fel­den gege­ben sind, wird von den Gerich­ten beur­teilt wer­den müs­sen.

Zu c: Auch wenn ein Navi­ga­ti­ons­ge­rät eine bestimm­te Rou­te vor­schlägt, bleibt der Fahr­zeug­füh­rer dafür ver­ant­wort­lich, die signa­li­sier­ten Ver­kehrs­zei­chen zu beach­ten und die Ver­kehrs­re­geln ein­zu­hal­ten.

Zu d: Gebüsst wird die Miss­ach­tung eines Fahr­ver­bots. Ob des­sen Anord­nung zuläs­sig war und dem Grund­satz der gebüh­ren­frei­en Stras­sen­be­nüt­zung ent­spricht, bil­det Gegen­stand der gericht­li­chen Beur­tei­lung.

Und zum Schluss noch dies:
Die Wirk­lich­keit kann man ändern,
eine Fik­ti­on muss man aufs neue ersin­nen.

(Sta­nis­law Jer­zy Lec)

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