Im Moment wird die Schweiz mit ver­schie­de­nen Pla­ka­ten zuge­kleis­tert unter dem Mot­to »bin kein baby«.

Die »Geschäft­li­ma­cher«:
Trä­ger oder Trä­ge­rin­nen sind Gas­tro­su­is­se (Ver­band für Hotel­le­rie und Restau­ra­ti­on), Schwei­ze­ri­scher Gewer­be Ver­band, Ver­band für den Schwei­ze­ri­schen Detail­han­del, Schwei­ze­ri­sches Kon­su­men­ten­fo­rum, Dach­ver­band des Han­dels, All­ge­mei­ne Pla­kat-Gesell­schaft, Gold­bach (Ver­mark­tungs­ein­heit des TX-Kon­zerns), Live­sys­tems (digi­ta­le Aus­sen­wer­bung, gehört der Schwei­ze­ri­schen Post!), Rin­gier Ver­lag und Seta­print Dru­cke­rei.

Also eigent­lich alles »Ver­bän­de« oder Fir­men, die uns etwas ver­kau­fen wol­len. Sie haben dafür auf ihrer Web­site fünf The­sen auf­ge­stellt, die hier kurz gezeigt und in Kur­siv­schrift kom­men­tiert wer­den.

The­se: Selbst­be­stim­mung statt Bevor­mun­dung
Wir sind mün­di­ge Bür­ger und ent­schei­den sel­ber, was gut für uns ist. Der Staat hat nicht das Recht, uns vor­zu­schrei­ben, wie wir unser Leben zu füh­ren haben.
Kom­men­tar: Es bleibt dann dem Staat über­las­sen, die durch mün­di­ge Bürger:innen ange­rich­te­ten Schä­den durch teu­re Sozi­al­hil­fe, teu­re Spi­tal­kos­ten und so wei­ter zu repa­rie­ren.

The­se: Kei­ne Erzie­hung durch den Staat
Wir leh­nen mora­li­sche Len­kung und bevor­mun­den­de Mass­nah­men ab. Der Staat ist nicht da, um uns zu erzie­hen.
Kom­men­tar: Es bleibt dann dem Staat über­las­sen, die durch mün­di­ge Bürger:innen ange­rich­te­ten Schä­den durch teu­re Sucht­prä­ven­ti­on, teu­res Anti­ge­walt­trai­ning, etc. zu repa­rie­ren.

The­se: Freie Ent­schei­dung im Kon­sum
Jeder Mensch hat grund­sätz­lich das Recht, sel­ber zu bestim­men, was und wie viel er kon­su­mie­ren will – ohne staat­li­che Ein­schrän­kun­gen oder Ein­grif­fe. Das gilt auch für Lebens­mit­tel wie Fleisch, Süs­sig­kei­ten und sal­zi­ge Snacks oder Genuss­mit­tel wie Alko­hol.
Kom­men­tar: Es bleibt dann dem Staat über­las­sen, die durch mün­di­ge Bürger:innen ange­rich­te­ten Schä­den durch teu­re medi­zi­ni­sche Behand­lun­gen bei Adi­po­si­tas, Alko­ho­lis­mus und früh­kind­li­chen Zahn­schä­den zu repa­rie­ren.

The­se: Schluss mit sinn­lo­sen Ver­bo­ten
Wer­be­pla­ka­te, Feu­er­werk, Cer­ve­lats, Kuh- und Kir­chen­glo­cken gehö­ren zu unse­rer Gesell­schaft – auch wenn nicht alle damit ein­ver­stan­den sind. Wir set­zen uns gegen über­zo­ge­ne Ver­bo­te ein.
Kom­men­tar: Es ist schön, dass wir in unse­rer Demo­kra­tie dar­über abstim­men kön­nen, ob unse­re Stadt mit Wer­bung zuge­pflas­tert wer­den soll, ob Feu­er­werk Men­schen und Tie­re erschre­cken soll, und vie­les mehr. Schön, dass vor allem das Volk die »Geschäft­li­ma­cher« ab und zu in die Schran­ken weist.

The­se: Gesamt­ge­sell­schaft­li­cher Dis­kurs statt Regu­lie­rung
Offe­ne Wer­te­de­bat­te statt ideo­lo­gisch moti­vier­te Ver­bots­kul­tur durch Par­ti­ku­lar­in­ter­es­sen von NGOs. Dazu gehört auch, dass sich die schwei­gen­de Mehr­heit mal zu Wort mel­det. Dafür bie­ten wir die Büh­ne!
Kom­men­tar: Der »Gesamt­ge­sell­schaft­li­che Dis­kurs« auf der ange­bo­te­nen Büh­ne ent­puppt sich aller­dings nur als Samm­lung von Leser:innenzuschriften. Dies meist weni­ger im Sin­ne der »Geschäft­li­ma­cher«. Wird so die Schweiz bes­ser?

Dem Ver­ur­tei­len der »ideo­lo­gisch moti­vier­ten Ver­bots­kul­tur« könn­te man eigent­lich eine ganz ande­re Ideo­lo­gie anhef­ten:
Die »Gschäft­li­ma­cher« zei­gen uns auf plum­pe Wei­se, wie Liber­tä­re das ein­grei­fen­de Staats­we­sen grund­sätz­lich ableh­nen und sie for­dern eine Reduk­ti­on des Staa­tes auf sei­ne Funk­ti­on zur Sicher­stel­lung der Grund­frei­hei­ten oder sogar eine völ­li­ge Abschaf­fung des Staats­we­sens.
Sol­len wir so auf die Ideo­lo­gie des ket­ten­sä­gen­den Javier Gerar­do Milei oder des Elon Musk ein­ge­schwo­ren wer­den?

Der Dekre­tär lässt grüs­sen …

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